Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c8.s2.1
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c8.s2.1
- Language
- German
c8.s2.1
Für die Geschichte der Sanskritalphabete in den Tamildistricten während der Periode nach 350 p. Chr. stehen uns nur die Sanskrit-Inschriften der Pallava, Cola und Pāṇḍya von der Ostküste Indiens zu Gebote, von denen nur die ersteren auf ein höheres Alter Anspruch haben. Entsprechende Sanskrit-Inschriften von der Westküste fehlen bis jetzt ganz und von den östlichen Documenten sind leider nur wenige in guten Facs. veröffentlicht. Das Bild der Entwicklung bleibt deshalb unvollständig. Die paläographisch altertümlichsten Zeichen dieses Typus finden sich auf den Kupferplatten der Pallavakönige von Palakkada und (oder?) Daśanapura¹, T. VII, C. XX—XXI, aus dem 5. oder 6. Jahrh. (?), an welche sich die archaischen Inschriften Nr. 1—16 des Dharmarājaratha², T. VII, C. XXII, eng anschliessen. Diese Inschriften markiren zusammen mit einigen andern die erste oder archaische Stufe des Grantha-Typus, deren spätestes Document aus der Mitte des 7. Jahrh. stammt. Denn die Badami-Inschrift mit archaischem Grantha gehört, nach Fleet's neuester Untersuchung⁴ in die Zeit des Pallavakönigs Narasiṁha I., welcher den Calukya Pulikeśi II. (609 bis ca. 642) bekriegte, und wurde während seines Zuges nach Vātāpi-Badami eingemeisselt. Die Kūram-Kupfertafeln seines Sohnes Parameśvara I. weisen dagegen die Characteristica der zweiten oder mittleren Stufe auf. Mit den Zügen dieser Stufe stimmt die Stein-Inschrift von Jambu auf Java, IA, 4, 356. Die Schrift der ersten Stufe gleicht im allgemeinen der der archaischen Stufe des Kāṇara-Telugu (§ 29 A), zeigt aber folgende Eigentümlichkeiten, die im Grantha constant bleiben: 1) das *tha*, dessen mittlerer Punkt in eine mit der rechten Seite verbundene Schleife verwandelt ist, T. VII, 23, XXI (daneben in C. XX das auch im K.-T.-Typus gewöhnliche *tha* mit dem Strich an der rechten Seite), 2) das *śa*, dessen Querstrich mit der rechten Seite des Zeichens verbunden oder verschleift wird, 36, XX—XXII, u. 45, XXII (vgl. das cursive *śa* des westlichen Typus, § 28, A, 7), 3) *ṣa*, dessen Mittelstrich in analoger Weise mit dem rechten Verticalstrich verbunden ist, 37, XX (daneben in C. XXI die gewöhnliche ältere Form mit dem Querstriche). Zu den Pallava-Inschriften in Prakrit (§ 20 D) haben die der C. XX—XXI keine nähere Beziehung.