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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c8.s3.10

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c8.s3.10

Language
German

c8.s3.10

Die Entwicklung von Zeichen für die dravidischen Liquiden, welche, obwohl die entsprechenden Laute im älteren Kānaṛa und Telugu vorkommen, von den in letzteren gebrauchten Buchstaben abweichen, deutet an, dass die Tamilschrift unabhängig ist und aus einer anderen Quelle als das Alphabet jener stammt. Hultzsch's wichtige Entdeckung der Kūram-Kupfertafel mit einem grösseren Abschnitte in Tamilschrift und Sprache aus dem 7. Jahrh.³ bestätigt die letztere Folgerung. Das Tamilalphabet dieser Inschrift stimmt nur zum Teil mit ihrem Grantha und die Mehrzahl seiner Buchstaben zeigt die Merkmale der nördlichen Alphabete. Specifische Granthaformen zeigen *U* (VIII, 6, XVI; vgl. U, VII, 4, XXIV), *O* (VIII, 9, XVI; vgl. C. XV), *ta* (VIII, 25—28, XVI; vgl. VII, 22, XXIV), *na* (VIII, 29, XVI, vgl. VII, 26, XXIV), *ya* (VIII, 35, XVI, vgl. VII, 32, XXIV), mittleres *u* in *ku* (VIII, 14, XVI, vgl. VIII, 44, XIII), mittleres *e* (*khe*, VII, 9, XXIV, *te* VIII, 28, XVI) und der vertikale Virāma, der meist über dem vocallosen Consonanten, bei *n* und *r* schräg daneben steht (vgl. *ṅ*, VIII, 15, XVI, *m*, 34, *ḷ*, 43, *ḻ*, 49). Eine separate Entwicklung aus dem Grantha *ai* liegt im Tamil *ai* in *nai* (VIII, 29, XVI) vor, indem die beiden Mātrā hinter statt über einander stehen. Unveränderte oder wenig veränderte nördliche Formen finden sich in *A*—*Ā* (VIII, 1—2, XVI) mit dem einfachen Verticalstrich ohne Curve (vgl. IV, 1—2, I ff.) und der Schleife links, die in kürzlich gefundenen Inschriften aus Swāt, aber auch im Grantha vorkommt, in *ka* (VIII, 11—14, XVI, vgl. IV, 7, I ff.), *ca* (VIII, 16—18, XVI, vgl. III, 11, III), *ṭa* (VIII, 20—22, XVI, vgl. IV, 17, VII—VIII), *pa* (VIII, 30—33, XVI, vgl. IV, 27, I ff.), *ra* (VIII, 36, XVI, vgl. IV, 33, I ff.), *la* (VIII, 37, XVI, vgl. IV, 34, VII ff.), in dem mittleren *u* von *pu*, *mu*, *yu* und *vu* (VIII, 32, 40, XVI, vgl. IV, 27, IV), ebenso von *ru* (VIII, 36, XVI, vgl. IV, 33, III) und in dem mittleren *ū* von *lu* und *lū* (VIII, 44, 46, XVI, vgl. *pu*, IV, 27, IV). Stärker verändert ist *ṅ* (VIII, 15, XVI), durch Anfügung eines Aufstriches rechts, aus dem eckigen nördlichen *ṅa* (IV, 11, I ff.) und *ma* (VIII, 34, XVI), das wahrscheinlich als eine stark cursive Umbildung des sogenannten Gupta *ma* (IV, 31, I ff.) anzusehen ist. Auch die Zeichen für die dravidischen Liquida dürften aus nördlichen Formen entwickelt sein. Der obere Teil von *ḻa* scheint ein kleines cursiv gemachtes nördliches *la* zu sein, an das rechts ein langer Verticalstrich angehängt ist; *ṟa* (47—48, XVI) ist als ein schief gelegtes kleines nördliches *ra* mit einem Häkchen am Kopfe aufzufassen und *ḷa* (45—46, XVI) ist vielleicht ein nördliches *ḷa* (IV, 40, II), in dem das Ende der Horizontallinie mit dem unten herabhängenden Striche verschleift ist, vgl. auch das fälschlich *ḍha* gelesene, verschleifte *ḷa* des K.-T.-Typus in der Amarāvati-Inschrift J.RAS, 1891, Taf. z. p. 142.

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