Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c8.s3.12
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c8.s3.12
- Language
- German
c8.s3.12
B. Unter den Inschriften in Vaṭṭeḷuttu sind bis jetzt nur die Śāsana des Bhāskara-Ravivarman zu Gunsten der Juden (T. VIII, C. XXI—XXII) und der Syrer⁷ von Kocin und die Tirunelli-Kupfertafeln desselben Königs⁸ veröffentlicht. Burnell nimmt im Vertrauen auf nur schwache Gründe an, dass die erstgenannten Inschriften aus dem 8. Jahrh. stammen⁹. Die in dem Śāsana der Juden vorkommenden Granthabuchstaben gehören aber der dritten Stufe dieser Schrift an und das von Hultzsch hervorgehobene Nāgarī *śa* oder *śrī* (für *śrīḥ*) am Ende der Inschrift¹⁰ kommt den nördlichen Formen des 10.—11. Jahrh. sehr nahe (vgl. T. V, 39 u. 47, VIII; 48, X). Paläographisch ist das Vaṭṭeḷuttu eine Cursivschrift, die sich zu dem Tamil ebenso verhält wie die modernen nördlichen Schriften der Kanzlisten und Kaufleute zu ihren Originalen z. B. die Moḍī der Marāṭhen zum Bālbodh, die Ṭākarī der Dogra im Panjab zur Śāradā¹¹. Alle seine Zeichen, mit Ausnahme von *I*, sind in einem Zuge von links nach rechts gemacht und meist schief nach links gelegt. Mehrere, wie das *na* (VIII, 15, XXI) mit der Schlinge links, das oben offene *va* mit dem Häkchen links (VIII, 38, XXI—II, vgl. C. XVII—XX), *pa* mit dem Häkchen links (VIII, 30—32, XXI—II, vgl. C. XIV) und das rundliche *ra* (VIII, 45—46, XXI—II, vgl. 47, XVII—XX), zeigen die Merkmale der zweiten Stufe des Tamil, und mit dem Gebrauche der späteren Inschriften dieses Typus stimmt das constante Fehlen des Virāma. Andere, wie das runde *ṭa* (VIII, 20—23, XXI—II, vgl. C. XVI), *ma* mit seiner Curve rechts (VIII, 34, XXI—II, vgl. C. XVI) und *ya* (VIII, 35, XXI—II, vgl. C. XVI) scheinen direct aus Formen der ersten Stufe des Tamil abgeleitet zu sein, und drei, das unten runde *U* (VIII, 4, XXI,) das oben spitze *E* (VIII, 8, XXI) und das *ṇa* mit nur einer Einkerbung (VIII, 26, XXI—II) gehen vielleicht auf noch ältere Formen als die des Tamil des 7. Jahrh. zurück. Vielleicht darf man hienach annehmen, dass die Rundschrift schon vor dem 7. Jahrh. entstand, aber im Laufe der Zeit durch die weitere Entwicklung des Tamil und des Grantha beeinflusst wurde. Die sehr geringe Zahl der zugänglichen Inschriften macht diese Annahme jedoch unsicher. Für die starke Veränderung des *ka* (VIII, 11—14, XXI—II, vgl. T. IX, 4) bietet die Umgestaltung des alten Zahlzeichens für 4 im decadischen Ziffersysteme eine Analogie. Das curiose *ta* (VIII, 25, 30) ist durch die Verwandlung der Schleife des *ta* (in C. XVII f.) in eine Kerbe mit Zapfen und durch die Verlängerung des Schwanzes bis zum Kopfe des Zeichens entstanden und das noch auffälligere *na* (VIII, 29, XXI) dürfte eine Cursiventwicklung aus einem Tamil *na* der zweiten Stufe mit links am Kopfe herabhängenden Striche sein.