Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s1.167
Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s1.167
- Language
- German
c6.s1.167
In gewissem Zusammenhange mit der Weltbergidee steht die Einteilung der Erdscheibe in vier Weltquadranten; denn ohne die Annahme eines besonders auffallenden Mittelstückes ist diese Einteilung für jene Zeiten und Völker mit ihrem geringen naturwissenschaftlichen Wissen kaum denkbar. In der vedischen Literatur, die uns mit Ausnahme des Taittirīyāraṇyaka ⁵) keine Beweisstellen für das Vorhandensein der Weltbergtheorie überliefert hat, sind die Nachrichten über diese Erdeinteilung auch nur ganz vereinzelt und ziemlich unklar, nur in Rgv. X. 19. 8 scheinen mit Bestimmtheit die vier „pradiś“ im Sinne von vier Weltquadranten aufgefasst werden zu müssen ⁶), und vielleicht dürfen auch die Stellen Rgv. I. 164, 42, VII. 35. 8, X. 51. 9, 58. 4 und 128. 1, in denen ebenfalls die vier „pradiś“ erwähnt werden, in ähnlichem Sinne verstanden werden ⁷). Einen gewissen Ersatz für den Mangel an positiveren Nachrichten über die Einteilung der Erde in vier Quadranten darf man aber vielleicht in der Tatsache finden, dass in den vedischen Schriften mehrfach berichtet wird über die Einteilung des die Erde umströmenden Ozeans in ein östliches und ein westliches Meer, bezw. in vier Meere, die man sich doch nur nach den vier Himmelsrichtungen hin gelegen vorstellen kann, eine Einteilung, die als mit jener parallel laufend gedacht werden muss, wofür ja auch noch die ältere buddhistische Literatur einige Beweisstellen liefert. Nach Rgv. X. 136. 5 wohnt [der Asket] „in beiden Meeren, im östlichen und im westlichen“ ⁸). Śatapathabr. I. 6. 3. 11 und X. 6. 4. 1 ist von einem östlichen und einem westlichen Meere ⁹) die Rede und Atharvav. IV. 16. 3 werden die beiden Ozeane (ohne oppositionelle Ortsbezeichnung) „die beiden Körperhöhlen Varuna's“ und IX. 5. 20 in mystischer Sprache die Körperhöhlen des Ziegenbocks Pañcaudana ¹⁰) genannt. Rgv. IX. 33. 6 heisst es: „Von tausendfältigem Reichtum vier Meere, o Soma, von allen vier Seiten schaff uns durch deine Läuterung“ ¹¹). Atharvav. XIII. 3. 6 werden neben den sechs Weiten, den fünf Weltgegenden und den drei Silben der Verehrung die vier Gewässer (āpas) ¹²) und XIX. 27. 3 neben drei Erden, drei Himmeln und drei Atmosphären vier Ozeane ¹³) genannt. Endlich wird auch die Stelle Rgv. VI. 50. 13, wo von mehreren Meeren, aber ohne Angabe der Zahl gesprochen wird, in unserem Sinne zu verstehen sein. Sie lautet: „Tvaṣṭr mit den Göttern, den Frauen zusammen, Dyaus mit den Göttern, Pṛthivī mit den Meeren (sei uns gnädig)“ ¹⁴). In jüngerer Zeit sind die Vorstellungen dem Erdbilde im Brāhmaṇismus und Jainismus vollständig verändert. Sechs gewaltige parallele Gebirgsstreifen sollen die Erdscheibe in sieben Länder oder Zonen einteilen ¹⁵), aber trotzdem klingen gewisse Äusserungen in den Texten noch wie Reminiszenzen an jene frühere Einteilung der Erdscheibe in vier Quadranten. Bhārata und Uttarakuru, die südlichste und nördlichste von den sieben Erdzonen, und Bhadrāśva und Ketumāla, Ost- und Westflügel der mittelsten Zone Ilāvṛta, in der sich der Meru erhebt, werden in den Purāṇa die vier Blütenblätter des Weltlotus genannt ¹), wobei der Meru selbst als Fruchtkapsel desselben gedacht ist. Mahābhārata VI. 207 f. und Padmap. III. 3. 30 f. werden vollständig übereinstimmend die Haupt Landteile der mittelsten Zone, Bhadrāśva und Ketumāla, östlich und westlich des Meru, und Jambūdvīpa und Uttarakuru, nach diesen beiden Texten unmittelbar südlich und nördlich desselben gelegen, sogar als Inseln (dvīpa) bezeichnet, und Nīlakaṇṭha erklärt in seinem Kommentar zum Mahābhārata die Stelle dahin, dass durch das Wort „dvīpa“ angedeutet werden soll, dass diese vier Länder durch Flüsse von einander getrennt seien und deswegen gewissermassen Inseln bilden ²).
Linked texts (7)
- Padmapurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit
- Atharvavedasaṃhitā — Atharvan & Aṅgiras, Sanskrit
- Śatapathabrāhmaṇa — Yājñavalkya & Śāṇḍilya (Vedic teacher), Sanskrit
- Taittirīyāraṇyaka — Sanskrit
- Mahābhārata — Vyāsa, Sanskrit
- Purāṇa — Sanskrit