Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s2.3
Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s2.3
- Language
- German
c6.s2.3
Es haben nun auch schon mehrere Forscher die Ansicht ausgesprochen, dass die Inder hinsichtlich ihrer kosmographischen Anschauungen von aussen her stark beeinflusst worden seien. Meines Wissens hat als erster Karl Theodor Johannsen ¹) — der Vollständigkeit halber sei er erwähnt — die Kosmologie des Manu mit der des Moses verglichen und den gemeinsamen Ursprung dieser beiden Kosmologien angenommen. Mit mehr Autorität hat denn Albrecht Weber in seinem 1853 geschriebenen Aufsatze „Die Verbindung Indiens mit den Ländern im Westen“ ²) bei einem gelegentlichen Vergleiche des indischen Dvīpa- mit dem persischen Keshvar-System die Vermutung ausgesprochen, dass ersteres „etwa gleichzeitig mit den sieben Planeten und der siebentägigen Woche, in seleucidischer Zeit von den Chaldäern nach Indien übergegangen ist, in welch letzterem Falle die Annahme näher liegen würde, dass auch die Perser dasselbe ebenfalls von den Chaldäern entlehnt hätten“. Weiter sagt er in der „Analyse der in Anquetil du Perron’s Übersetzung enthaltener Upaniṣad ³)“ bei Besprechung der Nṛsiṃhatāpanīya-Upaniṣad: „Die Vermutung liegt nahe, dass die Siebenzahl [er spricht von den 7 Dvīpa] mit den sieben Planeten in Verbindung steht.“ Er habe bereits früher — die vorhin angeführte Stelle ist gemeint — „die Vermutung angestellt, dass der gemeinsame Ursprung“ des indischen und persischen Systems „bei den Chaldäern zu suchen sei“. Auch Friedrich Spiegel ¹) konnte sich die selbständige Entstehung des indischen Dvīpa- und des ihm sehr ähnlichen persischen Keshvar-Systems in Indien und Iran nicht gut vorstellen und hielt es für möglich, „dass die beiden arischen Völker dies Weltsystem von aussen her empfangen haben“. Sodann vertritt P. Jensen in seinem Werke „Die Kosmologie der Babylonier“ ²) die Ansicht, dass das indische und das persische Weltsystem babylonischen Ursprungs sei, und auch Ernst Leumann, der dem genannten Werke ³) einen kurzen Abriss über die kosmographischen Anschauungen der Inder beigefügt hat, sagt am Schlusse desselben, „dass in den früheren Jahrhunderten unserer Zeitrechnung von irgend welcher Seite her das Dogma von der Siebenzahl der Erdteile eindrang, welches die Jaina unberührt liess, das Mahā-Bhārata aber leichthin, die Purāṇen dagegen vollständig beeinflusste“. Endlich stellt William Fairfield Warren in seinem Buche „The earliest cosmologies, New-York 1909“ die These auf, dass alle kosmographischen Systeme der alten Welt Ableger des altbabylonischen Weltsystems gewesen und mithin auch die Systeme der Inder babylonischen Ursprungs seien.
Linked texts (1)
- Nṛsiṃhatāpanīyopaniṣad — Sanskrit