Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s2.36.2
Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s2.36.2
- Language
- German
c6.s2.36.2
Wenn es nun auch zu gewagt ist, diese eigenartige Parallele schon zu einer Entlehnung Indiens von Babylon her stempeln zu wollen, so darf man doch wohl die Vermutung aussprechen, dass hinsichtlich dieser Vorstellung zwischen beiden Ländern eine gewisse geistige Verbindung besteht. Ferner ist die Entwicklung des ursprünglichen Weltbildes durch die Einführung der Weltbergidee in beiden Ländern theoretisch die gleiche, wenn man auch in Babylon in älterer Zeit der astronomischen Orientierung entsprechend, die dieser Vorstellung ja doch zu Grunde liegt, die Erde als den Berg Harsag-(gal-)kurkura, d. h. diebelde als nach Norden hin gewölbt angesehen haben sollte, während sich in Indien mit dieser Idee die Vorstellung des zentralen die Erde beherrschenden Berges Meru verbunden hat. In jüngerer Zeit hat man dann in Babylon, was ja auch Jensen und besonders Hommel annimmt, den Harsag- (gal-)kurkura aber als „einen Berg auf der Erde“, als den „grossen Berg (des) Bīl“ aufgefasst, und auch der von Babylon abhängige vorderasiatische Kulturkreis lässt noch die Vorstellung eines im Norden, d. i. doch wohl im Zentrum der Erdscheibe gelegenen von Göttern bewohnten gewaltigen Berges erkennen, und diese Vorstellung bildet mit dem ebenfalls von Göttern bewohnten Berge Meru der indischen Kosmographie eine vollkommene Parallele, für die wir eine Erklärung schliesslich nur in der Annahme einer Einführung dieser Idee aus Babylon finden können.