Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c7.s2.t20: k) Die Gaṅgā
Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c7.s2.t20
- Language
- German
k) Die Gaṅgā
c7.s2.t20.1
(Agnip. 108. 19 ff, Bhāgavatap. V. 17. 1 ff., Brahmāṇḍap. Pū. Bhā. 18. 25 ff., Devībhāgavatap. VIII. 7. 12 ff., Mahābhārata VI. 222 ff., Mārkaṇḍeyap. 56. 1 ff., Matsyap. 121. 23 ff., Padmap. III. 3. 45 ff., Rāmāyaṇa I. 43. 1 ff., Varāhap. 82, Vāyup. 42. 1 ff., 47. 25 ff., Viṣṇup. II. 2. 31 ff.)
c7.s2.t20.2
Im Anschluss an die Schilderung des Jambūdvīpa möge die Herabkunft der Gaṅgā und ihr Lauf bis zur Mündung im Salzozean noch kurz geschildert werden.
c7.s2.t20.3
Die Gaṅgā tritt aus dem Fuss des Nārāyaṇa hervor, tritt dann in den Mond ein und kommt von diesem in den Sternenkreis. In einer Ausdehnung von 84 Yojana geht sie in Eile an der südlichen Seite des Meru vorbei. Von einem feurigen Wind in vier Teile geteilt, stürzt sie auf die vier höchsten Kuppen des Meru und von diesen durch den Luftraum auf die nach den vier Himmelsrichtungen liegenden Stützgebirge.
c7.s2.t20.4
Der östliche Strom, Sītā (Agnip.: Śo), fällt auf den Mandara (Bhāgavata- u. Devībhāgavatap.: Gandhamādana), durchströmt den Wald Caitraratha und den See Aruṇoda (Mārkaṇḍeyap.: Varuṇoda). Nach dem Austritt aus diesem fällt er immer tiefer, zuerst auf den Berg Śītānta, von diesem auf den Mukuñja (= Mukuṭa), dann auf den Sumañjasa, den Mālyavat, erreicht dann den Vaikaṅka, Maṇiparvata, Ṛṣabha, Jaṭhara, Devakūṭa, stürzt alsdann auf die Erde, durchfliesst Wiesen, Wälder und Seen, durchströmt von tausend Flüssen begleitet, Bhadrāśva und mündet im Osten des Kontinentes ins Meer.
c7.s2.t20.5
Der südliche Strom, Alakanandā, stürzt auf den Gandhamādana, durchströmt den Nandana-Wald, den See Mānasa, stürzt dann der Reihe nach auf die Berge Triśikhara (Mārkaṇḍeyap.: Śikhara), Kaliṅgaśikhara, Rucaka, Niṣadha, Tāmrābha, Śvetodara, Sumūla, Vasudhāra. Auf dem Hemakūṭa angelangt, kommt sie auf den Berg Devaśṛṅga (= Devaśaila?), gelangt von da auf den Piśācaka, den Pañcakūṭa und den Kailāsa. Von letzterem aus erreicht er den Himavat, steigt von diesem herab und mündet, nachdem er tausende Felsen durchbrochen, tausende Wiesen, Wälder und Höhen passiert hat, im Süden in sieben Armen in's Meer.
c7.s2.t20.6
Der westliche Strom Sucaḳṣu (Mārkaṇḍeyap.: Svarakṣu, Agni-, Bhāgavata-, Devībhāgavata-, Varāha- u. Viṣṇup.: Caḳṣu) stürzt vom Meru auf den Berg Vipula (Brahmap.: Mālyavat), durchströmt den Hain Vaibhrāja, den See Sitoda, stürzt sich dann auf den Berg Supakṣa (Mārkaṇḍeyap.: Svarakṣu) und von diesem auf den Śikhi (Mārkaṇḍeyap.: Triśikha), Kaṅka, Vaidūrya, Kapila, Gandhamādana, Piñjara, Kumuda, Madhumat, Jana, Mukuṭa, Kṛṣṇa, Śveta, Sabasraśikhara, Pārijāta, erreicht dann die Erde, durchquert Ketumāla und mündet im Westen in's Meer.
c7.s2.t20.7
Im Norden stürzt der Strom Bhadrasomā (Mārkaṇḍeyap.: Somā (Agnip.: Saumyā, Bhāgavata-, Devībhāgavata-, Varāha- u. Viṣṇup.: Bhadrā) auf den Supārśva, durchströmt den Wald Saviturvana, den See Mahābhadra und erreicht den Berg Śaṅkhakūṭa, und von diesem aus der Reihe nach den Vṛṣaparvata, den Vatsagiri, Nāgaśaila, Nīla, Kapiñjala, Indranīla, Mahānīla, Hemaśṛṅga, Śveta, Sunaga, Śataśṛṅga, Puṣkara, Dvirāja, Varāhaparvata, Mayūra, Ekaśikhara (= Ekaśṛṅga?) und den Jātudhi (Jārudhi). Von diesem aus erreicht er den Triśṛṅga (Śṛṅgavat) und mündet dann im Norden in's Meer.
c7.s2.t20.8
Das Bhāgavata- und Devībhāgavatap. geben über den Ursprung der Gaṅgā folgendes an. Als Viṣṇu die Dreiwelt überschritt, durchbohrte der Nagel des dicken Zehes seines linken Fusses im oberen Teile des Welteies die Schale. Die das Weltei umgebenden äusseren Gewässer traten ein und bildeten einen Strom, der nun den Namen Bhagavatpadī hatte und während der ungeheuer langen Dauer von Tausenden von Yuga auf den Gipfel des Himmels herabstieg. Nachdem er den Lotus der Füsse Viṣṇu's benetzt und sich an den roten Verzierungen derselben gefärbt hatte, war er fähig geworden, durch die blosse Berührung mit seinen Wassern den Sünden-Schmutz aller Welten abzuwaschen. Von hier ging der Strom zu den Saptarṣi, von da zum Monde, von da zur Stadt des Brahma, wo er sich in vier Ströme mit verschiedenen Namen teilte, die nach ihrem Abstieg zur Erde an den vier Kardinalpunkten in's Meer stürzen.
c7.s2.t20.9
Matsyap. und Rāmāyaṇa erzählen die bekannte Sage von der Herabkunft der Gaṅgā in kurzen Worten. Nachdem die Gaṅgā vom Himmel durch den Luftraum zur Erde gekommen war, wurde sie von Bhava (d. i. Śiva) mit dem Kopfe aufgefangen und lange Zeit durch die Wunderkraft des Yoga von ihm gefesselt. Die Tropfen, die von der erzürnten Gaṅgā zur Erde fielen, bildeten den Teich Bindusaras. Als endlich Bhava, von der Askese des Bhagīratha besänftigt, dieselbe entliess, teilte sie sich in sieben Ströme, von denen drei nach Osten, drei nach Westen und der siebte dem Bhagīratha nach Süden folgte und nach ihm seinen Namen erhielt. Nach Osten wandten sich Nalinī, Hlādinī und Pāvanī, nach Westen Sītā, Cakṣus und Sindhu. Die Aufzählung der Völker, die diese Ströme während ihres Laufes durch Bhārata nach den Angaben des Matsyap. berühren, darf wohl hier übergangen werden.
Linked texts (13)
- Padmapurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Devībhāgavatapurāṇa — Sanskrit
- Agnipurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Bhāgavatapurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Matsyapurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Mārkaṇḍeyapurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Viṣṇupurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Vālmīkirāmāyaṇa — Vālmīki, Sanskrit
- Varāhapurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Brahmāṇḍapurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Brahmapurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Vāyupurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Mahābhārata — Vyāsa, Sanskrit