Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c8.s5.t3: 1. Die ältesten Anschauungen des Buddhismus über die Höllen
Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c8.s5.t3
- Language
- German
1. Die ältesten Anschauungen des Buddhismus über die Höllen
c8.s5.t3.1
Der älteste Buddhismus kennt nur sieben Haupthöllen. Dieses ergibt sich ganz klar aus einer Stelle im Aṅguttara-Nikāya 1 S. 141 f., die sich Majjhima-Nikāya 3 S. 166 und mit wenigen Varianten, aber einigen Zusätzen am Schluss 3 S. 182 f. wiederfindet. Dieser Passus gibt eine Schilderung der Vorgänge in den einzelnen Höllenabteilungen, erwähnt aber leider nur den Namen der siebten, untersten Hölle. Dieselbe führt hier den Namen Mahāniraya „Grosse Hölle“, eine Bezeichnung, die sonst der Hölle Avīci beigelegt wird. Während die sechs ersten Höllen ziemlich kurz abgetan werden, ist die Schilderung der siebten eine weitläufigere. Die in den einzelnen Abteilungen beschriebenen Qualen stimmen zum Teil mit jüngeren Höllenschilderungen überein. Unsere Stelle ist natürlich zu lang, als dass ich sie ganz zitieren könnte, ich gebe deshalb nur kurz den Inhalt derselben nach dem Majjhima-Nikāya an.
c8.s5.t3.2
In der ersten Hölle erleidet der Sünder die fünffache Fesselung. Die Höllenknechte treiben ihm glühende Eisenstücke durch Hände, Füsse und Brust (tam enam . . . nirayapālā pañcavidhabandhanan nāma kāraṇam karonti; tattam ayokhīlam hatthe gamenti . . . dutiye hatthe g., . . . pāde g., dutiye pāde g. . . ., majjhe urasmim g.).
c8.s5.t3.3
In der zweiten Hölle legen die Höllenknechte die Sünder hin und behauen ihn mit Äxten (tam enam nirayapālā samvesetvā kūṭhārīhi tacchanti . . .).
c8.s5.t3.4
In der dritten Hölle wird der Sünder kopfunten hingestellt und mit Beilen bearbeitet (tam enam . . . nirayapālā uddham pādam adho siram ṭhapetvā vāsīhi tacchanti).
c8.s5.t3.5
In der vierten Hölle wird der Sünder an einen Wagen geschirrt und über einen flammenden glühenden Boden hin- und hergetrieben (tam enam . . . nirayapālā rathe yojetvā ādittāya paṭhaviyā sampajjalitāya sañjotibhūtāya sārenti pi paccāsārenti pi).
c8.s5.t3.6
In der fünften Hölle muss der Sünder einen grossenden glühenden Kohlenberg auf- und absteigen (tam enam . . . nirayapālā mahantam aṅgārapabbatam ādittam sampajjalitam sañjotibhūtam āropenti pi oropenti pi . . .).
c8.s5.t3.7
In der sechsten Hölle stürzen die Höllenknechte den Sünder kopfüber in einen glühenden, flammenden Kupferkessel, in dem er kocht, wobei Schaum aus seinem Körper heraustritt. Während er diese Qual erduldet, geht er einmal nach oben, ein andermal nach unten, ein andermal in die Quere (tam enam . . . nirayapālā uddhaṃ pādaṃ adho siraṃ gahetvā tattāya lobakumbhiyā pakkbipanti ādittāya sampajjalitāya sañjotibhūtāya . . . So tattha pheṇuddehakaṃ paccamāno sakim pi uddhaṃ gacchati, sakim pi adho gacchati, sakim pi tiriyam . . .).
c8.s5.t3.8
Die unterste Hölle und ihre Nebenhöllen. Die siebente Hölle, der Mahāniraya, ist viereckig, hat vier Türme, ist in Teile ausgemessen, mit eisernen Mauern umgeben und mit Eisen gepflastert. Ihr Erdboden ist glühend und hat nach jeder Richtung hin hundert Yojana Ausdehnung. Von oben, unten und den Seitenwänden brechen Flammen hervor und verbrennen die Sünder. Von Zeit zu Zeit öffnet sich eine von den vier Türen und die Verdammten rennen durch die Glut nach derselben hin, um aus den Qualen zu entkommen. Bisweilen gelingt es einem, durch die offenstehende Türe zu entkommen, meistens schliesst sich die Türe aber, gerade bevor er dieselbe erreicht.
c8.s5.t3.9
Entkommt er durch die östliche Türe, so kommt er in den Gūthaniraya „Aashölle“. In dieser Höllenabteilung sind Lebewesen mit Nadeln an den Mäulern, mit denen sie Haut, Fleisch, Sehnen und Knochen der Verdammten durchbohren, um das Mark derselben zu fressen.
c8.s5.t3.10
Neben dem Gūthaniraya liegt der Kukkuḷaniraya (Sanskr.: Kukūla „Hölle mit Pfählen“), wo die Sünder gepeinigt werden.
c8.s5.t3.11
Neben diesem Qualort liegt der Simbalivana (Sālmalī-Wald). Dieser ist hundert Yojana hoch, mit sechzehn Aṅgula langen Dornen versehen und glühend heiss. In diesem müssen die Verdammten auf- und abklettern.
c8.s5.t3.12
Unmittelbar neben dem Simbalivana liegt der grosse Asipattavana (Schwertblätterwald). Ein Windstoss bewegt die Blätter und diese schneiden den in ihm befindlichen Sündern die einzelnen Glieder ab.
c8.s5.t3.13
Unmittelbar neben dem Asipattavana liegt die Kṣārodakā nadī (der Fluss „Ätzlauge“). In diesen fallen die Sünder mit ihren verwundeten Körpern hinein und erleiden grosse Qualen. Mit Hacken fangen die Höllenknechte sie aus dem Salzwasser auf und werfen sie auf den Boden. Ihren Hunger und Durst stillen sie, indem sie ihnen mit glühenden Eisenpflöcken den Mund öffnen und als Speise glühende Eisenkugeln hineinwerfen und als Trank glühendes rotes Eisen hineingiessen, das ihnen das ganze Innere verbrennt und am unteren Körperende wieder herauskommt. Alsdann werfen die Höllenknechte sie wieder in den Mahāniraya zurück.
c8.s5.t3.14
Sonstige Erwähnung von Höllennamen in den älteren Teilen des Kanons. Erwähnt werden mit Namen sonst in den älteren Teilen des Kanons folgende Höllen. Samyutta-Nikāya 1 S. 92 wird die Hölle Mahāroruva, Majjhima-Nikāya 1 S. 333 die Hölle Sañjīva, Samyutta-Nikāya 4 S. 307 die Hölle Pahāsa und Aṅguttara-Nikāya 5 S. 172 und Samyutta-Nikāya 1 S. 151 in übereinstimmendem Wortlaut die Paduma-Hölle genannt. Was es mit letzterer für eine Bewandtnis hat, wird sich gleich zeigen. Majjhima-Nikāya 1 S. 337 wird gesagt, dass der Mahāniraya die drei Namen hat: chaphassāyatanika (ṣaṭsparśāyatanika), saṅkusamāhata (śaṅkusamāhata) und paccattavedaniya (pratyātmavedanīya) ¹).
c8.s5.t3.15
¹ Windisch übersetzt diese Ausdrücke in seinem Werk Māra u. Buddha (1895) S. 156 Anm. 1: „auf die sechs Sinnesbereiche bezüglich“, „mit Pfählen durchbohrt“, „mit individuellen und besonderen Schmerzen verbunden“.
c8.s5.t3.16
Die Dauer der Höllenqualen. Die Dauer der Qualen in der Hölle wird in etwas eigentümlicher Weise ausgedrückt. Aṅguttara-Nikāya 5 S. 173, Samyutta-Nikāya 1 S. 151 f. und Suttanipāta S. 123 f. wird in fast übereinstimmendem Wortlaut ausgeführt, dass, wenn man von einem Haufen Sesamkörner von zwanzig Khari (ein bestimmtes Hohlmass) jedes Jahrhundert oder Jahrtausend ein Körnchen wegnehmen würde, die Zeit, die zur Wegschaffung des ganzen Haufens nötig wäre, noch nicht einer Abbuda-Hölle gleichkommen werde. Wie weiter gelehrt wird, sind
c8.s5.t3.17
| 20 | Abbuda-Höllen | gleich | einer | Nirabbuda-Hölle, |
| 20 | Nirabbuda-Höllen | " | " | Ababa-Hölle, |
| 20 | Ababa-Höllen | " | " | Ahaha-Hölle (Saṃyutta-Nik.: Aṭaṭa-), |
| 20 | Ahaha-Höllen | " | " | Aṭaṭa-Hölle (Saṃyutta-Nik.: Ahala-), |
| 20 | Aṭaṭa-Höllen | " | " | Kumuda-Hölle, |
| 20 | Kumuda-Höllen | " | " | Sogandhika-Hölle, |
| 20 | Sogandhika-Höllen | " | " | Uppalaka-Hölle, |
| 20 | Uppalaka-Höllen | " | " | Puṇḍarīka-Hölle, |
| 20 | Puṇḍarīka-Höllen | " | " | Paduma-Hölle. |
c8.s5.t3.18
Dass man sich diese Liste nicht als eine Aufzählung von Höllen zu denken hat, wie es in späterer Zeit geschah, ergibt sich aus folgendem. Nach der Abhidhānappadīpikā stellt die Reihe: Abbuda, Nirabbuda, Ahaha, Ababa, Aṭaṭa, Sogandhika, Uppala, Kumuda, Puṇḍarīka und Padma die achte bis siebzehnte Potenz von 10 000 000 dar ¹). In ähnlicher, oft noch komplizierterer Weise pflegen Brāhmaṇen und Jaina hohe Zahlen auszudrücken. Ausdrücklich sagt aber noch eine Stelle des Kommentars zum Sutta-Nipāta ²), dass unter Abbuda keine bestimmte Hölle zu verstehen sei, sondern dass dieser Ausdruck nur den Ort in der Hölle Avīci bezeichnen wolle, wo man eine Zeit, deren Länge eben durch Abbuda ausgedrückt wird, büssen muss. Was die Spekulation aber dann aus diesem Zahlensystem später gemacht hat, werden wir gleich sehen.
c8.s5.t3.19
¹ Siehe Anhang.
c8.s5.t3.20
² Die Stelle wird zitiert von L. Feer in: Journal Asiatique S. VIII, T. 20 S. 220: „Ambudo nāma pātieko niriyo natthi, Avicimhi niraye pana Ambudagaṇanāya paccitabbaṭṭhānesetaṃ nāmam Nirambudādīsu pi eseva nayo, vassagaṇanāpi panettha evam veditabbā“.
c8.s5.t3.21
Nach Aṅguttara-Nikāya 1 S. 138 ff. ist der König Yama Richter in der Unterwelt, und die Seelen der Verstorbenen werden nach ihrer Ankunft von den Höllenknechten vor seinen Thron geführt.
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