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Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c4.s2.t2.10

Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c4.s2.t2.10

Language
German

c4.s2.t2.10

Eine Vorfrage, welche auf diesen Punct unsrer Zählungen und damit auf die weiteren eben dargelegten Auffassungen entscheidenden Einfluss hat, ist bis jetzt stillschweigend übergangen worden: muss die Position als über die Cäsur wirkend angesehen werden? Vielleicht würde, der sonstigen Natur der Cäsur entsprechend, auch in dieser Beziehung ein Schwanken in der Praxis der Liedverfasser sich am ehesten erwarten lassen. Für die Zwecke von Zählungen muss natürlich doch die eine oder andre Auffassung zu Grunde gelegt werden, und da schien mir das Gebotene, die Position als wirkend zu betrachten. Die Beschaffenheit der so sich ergebenden Zahlenreihen spricht, glaube ich, hinreichend dafür, dass damit, wenn nicht das Richtige, so doch die möglichste Annäherung an dasselbe erreicht ist. Zur Controle hierüber habe ich Zählungen derart angestellt, dass ich die naturlangen, die positionslangen und die kurzen Sylben an der vierten Stelle von einander schied. Hierbei ergab sich zunächst die auch a priori kaum denkbare Annahme als ausgeschlossen, dass allein die natürliche Länge ohne Berechnung der Position als das Regelmässige anerkannt sei. Als möglich blieben zwei Fälle übrig. Entweder gilt die Länge als Regel, dann aber mit Berücksichtigung der Position. Oder die Kürze hat gleiches Recht mit der Länge. Auch von diesen Möglichkeiten erwies sich bei weiterer Untersuchung die zweite als ausgeschlossen: wäre die Kürze anders als in secundärer Geltung zugelassen gewesen, so müssten sich nach der sonst in vedischen Wortausgängen zu beobachtenden Vertheilung der Quantitäten grössere Massen unzweideutiger Kürzen (die nicht durch Position beseitigt werden) an der vierten Stelle finden¹). Es blieb mithin nur die Auffassung übrig, dass im Grossen und Ganzen die Länge die Regel bildete, und dass dabei die Position berücksichtigt wurde. Allerdings aber herrscht in der vierten Sylbe, wenn auf dieselbe die Cäsur folgt, die Länge nicht entfernt in demselben Maasse vor, wie bei dem Eintreten der Cäsur nach der fünften²): und dass, wenn so die Cäsur der Pause am Reihenende in Bezug auf das Eintreten der syllaba anceps gelegentlich gleichgestellt wurde, auch die Wirkung der Position über die Cäsur hinüber nicht als eine absolut feststehende empfunden worden sein wird, scheint mir in der Natur der Sache zu liegen.