Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c4.s8.29
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c4.s8.29
- Language
- German
c4.s8.29
Ehe wir von den bisher besprochenen Genetivformen zur Erörterung andrer Fälle fortschreiten, fassen wir das gewonnene Resultat dahin zusammen, dass die verschiedensten Stellen der verschiedensten Versmaasse ²) das genetivische -âm in der Geltung zweier Sylben, von denen die erste eine Kürze ist, aufweisen. Wir haben uns oben (S. 35) dahin ausgesprochen, dass das gelegentliche Auftreten »katalektischer« oder an andern Stellen als am Schluss defecter Pâdas im Ṛigveda zuzugeben ist: aber es scheint klar, dass hier eine Erscheinung vorliegt, die mit jener nichts gemein hat, als das zufällige, äusserliche Zusammentreffen, dass nämlich hier wie dort der Text in seiner überlieferten Gestalt jedesmal eine Sylbe zu wenig hat. Die ausserordentliche Häufigkeit der hier in Rede stehenden Erscheinung, ihr Gebundensein an gewisse Worte oder Wortelemente mit langem Vocal wie vor Allem an die Genetive auf -âm, ihr Nichtgebundensein an irgend eine bestimmte Stelle des Metrums ¹) löst sie auf das sichtbarste von der Erscheinung der Katalexis ab. Vielmehr muss es sich offenbar um eine bestimmte Eigenschaft eben jener betreffenden langen Vocale handeln: entweder muss in denselben geradezu ein von der Tradition verdunkelter zweisylbiger Complex stecken, oder die vedischen Dichter müssen diesen im Unterschied von andern langen Vocalen die Fähigkeit beigelegt haben, zwei Sylben des Schemas auszufüllen: was offenbar auf einen Gegensatz von Ueberlängen und einfachen Längen hinführen würde. Wir werden später auf diese Frage zurückzukommen haben und bemerken hier nur noch, dass uns als der unzulässigste Weg von allen der erscheint, den Lanman in seiner Darstellung der Nominalflexion gegangen ist, einen Theil der betreffenden Fälle von der Beurtheilung der übrigen, in der That absolut gleichartigen abzulösen: dann nämlich, wenn jenes -âm am Ende eines Gâyatrî- oder Jagatî-Pâda steht, von einem »katalektischen Pâda« zu sprechen, dagegen bei andrer metrischer Stellung des -âm seine Auflösung in -aam zuzulassen. Die Thatsache, dass es sich im einen wie im andern Falle um eine zunächst an das -âm, sodann an einen bestimmten Kreis andrer Sylben geknüpfte Erscheinung handelt, lässt keinen Zweifel darüber, dass am Ende der Gâyatrî oder Jagatî diese Erscheinung in derselben Weise erklärt werden muss, wie an allen übrigen Stellen der Versmaasse.