Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c4.s8: Anhang. Vocale mit zweisylbiger Geltung
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c4.s8
- Language
- German
Anhang. Vocale mit zweisylbiger Geltung
c4.s8.2
In unsrer obigen Erörterung der hinter der normalen Sylbenzahl zurückbleibenden Verszeilen (S. 35 fg.) haben wir eine Erscheinung nicht berücksichtigt, welche nach der Auffassung mehrerer Forscher jenem Typus der metrischen Anomalie zugehören würde: das Fehlen einer vom Metrum geforderten Sylbe, das besonders bei den Genetiven Pluralis auf -âm, daneben aber auch bei einer Reihe andrer Formen und Worte (wie akshâr, pânti, ṣreṣṭha etc.) in vielfacher Wiederkehr sich beobachten lässt.
c4.s8.3
Liegen in jenen Fällen Verdunklungen der vom Dichter gebrauchten Wortformen seitens der Ueberlieferung vor, oder ist die Erklärung der Erscheinung auf dem Boden der Metrik zu suchen? Ist also z. B. ein Pâda wie der folgende
c4.s8.4
râjantam adhvarâṇâm
c4.s8.5
so zu lesen, wie wir ihn hier, der Tradition folgend, geschrieben haben, und ist er etwa mit Hülfe eines Begriffes wie der Katalexis metrisch zu erklären, oder hat man zu lesen
c4.s8.6
râjantam adhvarânaam —
c4.s8.7
wobei seine metrische Gestalt genau der Norm entsprechen würde?
c4.s8.8
Zur Entscheidung dieser Frage haben wir zunächst den Thatbestand im Einzelnen klar zu legen. Wir müssen einerseits zeigen, in wie weit die in Rede stehende Erscheinung an bestimmte Stellen der metrischen Schemata gebunden ist, andrerseits, bei welchen Worten und Formen sie sich zeigt.
c4.s8.9
Beschränken wir uns zunächst auf den häufigsten und in seinen einzelnen Erscheinungen am wenigsten zweifelhaften Fall, den des Gen. plur. auf -âm ¹), so finden wir zunächst innerhalb der achtsylbigen (Gâyatrî-) Verszeile ²) jene Sylbe, als das Aequivalent von zwei Sylben auftretend, in einer Reihe verschiedener Stellungen. Am häufigsten nimmt das -âm die Stellen 7 und 8 des Schemas ein. So z. B. allein in VIII, 39:
c4.s8.10
¹ Dass die mit dem Nasal, dem Zischlaut (in der Pronominalflexion), oder mit blossem -âm gebildeten Genetive in gleicher Weise in Betracht kommen, hat schon Kuhn Beitr. IV, 180 gezeigt.
c4.s8.11
² Selbstverständlich ist es gleichgültig, ob die Combination, in welcher diese Verszeile steht, die der Gâyatrî, der Anushṭubh, des Pragâtha u. s. w. ist.
c4.s8.12
2. tanûshu ṣamsam eshâm
4. ûrjâhutir vasûnâm
5. sa hotâ ṣaṣvatînâm
6. agnir jâtâ devânâm
agnir veda martânâm (vergl. oben S. 40).
c4.s8.13
Nächstdem folgen zahlreiche Fälle, in welchen die betreffende Sylbe die fünfte und sechste Stelle der Gâyatrîreihe einnimmt, z. B.:
c4.s8.14
VIII, 40, 2 ṣavishṭham nṛiṇâm naram
46, 22 daṣa ṣyâvînâm ṣatâ
53, 3 â no viṣveshâm rasam.
c4.s8.15
Aber auch in der ersten Hälfte des Gâyatrî-Pâda lässt sich die betreffende Erscheinung, obgleich erheblich seltener, beobachten. So bei den Sylben 3 und 4:
c4.s8.16
VIII, 25, 23 harîṇâm nitoṣaṇâ
31, 15 fg. devânâm ya' in manaḥ
41, 2 pitṛiṇâm ca manmabhiḥ.
c4.s8.17
Endlich auch vereinzelt bei den Sylben 2 und 3: VIII, 20, 14 teshâm hi dhunînâm.
c4.s8.18
Also in der zweiten Hälfte des Pâda, welche mit verhältnismässiger Bestimmtheit jambischen Rhythmus verlangt, findet sich jene für zwei geltende Sylbe -âm überall da, wo sie auf die Stelle eines Jambus fällt. In der ersten Pâdahälfte mit ihrer grösseren, jedoch nicht vollständigen Loslösung vom jambischen Rhythmus findet sie sich wenigstens überwiegend in analoger Position. Ausgeschlossen dagegen ist sie, ausser von den Sylben 1. 2, wo an und für sich ihr Erscheinen unmöglich ist, von den Sylbenpaaren, bei welchen die zweite eine Kürze ist, also 4. 5 und 6. 7.
c4.s8.19
Wenden wir uns jetzt zu den Versmaassen Trishṭubh und Jagatî, so treten uns genau analoge Erscheinungen entgegen. Wir finden jenes -âm zunächst recht häufig so, dass es die zweite und dritte Stelle nach der Cäsur ausfüllt, also wieder einen Complex, der in seiner regulären metrischen Gestalt mit einer Kürze anfängt. So besonders oft bei zweisylbigen Genetiven wie apâm (vergl. Grassmann s. v.; Lanman 484), purâm, girâm, welche einem Anapäst äquivalent gerechnet werden: dies ist eben die einzige Stelle, an welcher die vedischen Versmaasse gern einen Anapäst ertragen. Z. B.
c4.s8.20
I, 61, 12 ishyann arṇâmsi || apâm caradhyai
I, 122, 3 mamattu vâto || apâm vṛishaṇvân
VI, 24, 1 dyuksho râjâ || girâm akshitotiḥ.
c4.s8.21
Ebenso fügen sich dreisylbige Genetivformen wie marutâm in der Art in den Vers, dass das -âm die dritte und vierte Stelle nach der Cäsur einnimmt: dann nämlich, wenn die Cäsur hinter der vierten Sylbe des Pâda steht, jene beiden Sylben also im regulären Schema die Messung ◡ - haben. Z. B.
c4.s8.22
V, 56, 1 viṣo’ adya || marutâm ava hvaye VI, 48, 12 yâ mṛḷike || marutâm turâṇâm VIII, 20, 3 ṣushmam ugram || marutâm ṣimîvatâm.
c4.s8.23
Sodann im Ausgang der Jagatî an Stelle eines Jambus (also an viert- und drittletzter Stelle, oder an vorletzter und letzter ¹)); ferner vor der Cäsur der Jagatî resp. Triṣṭubh insonderheit in der dritten und vierten Sylbe, also wieder an einem Orte, wo die metrische Neigung den Jambus bevorzugt. Wenn ich Belege für das Erscheinen jenes -âm an dritt- und vorletzter Stelle der Triṣṭubh (◡-) nicht zu geben weiss, wird dies einfach darauf beruhen dass dann der Pâda mit einem einsylbigen Wort hinter dem Gen. plur. schliessen müsste. Ich führe nun einige Beispiele für die erwähnten Fälle an:
c4.s8.24
¹ Die Fälle des -âm am Schluss der Jagati sind insofern Zweifeln unterworfen, als bekanntlich Jagatireihen häufig durch Triṣṭubhreihen vertreten werden.
c4.s8.25
VII, 35, 13 ṣam no’ apâm || napât perur astu ²) 56, 24 janânâm || yo’ asuro vidhartâ VIII, 70, 12 dhanânâm na || ṣam gṛibhâya asmayuḥ 71, 13 agnir iṣhâm || sakhie dadâtu naḥ 60, 9 pâhi gîrbhis || tiṣribhir ûrjâm pate VII, 32, 5 ṣravac chrutkarṇa’ || îyate vasûnâm das. 7 bhavâ varûtham || maghavan maghonâm.
c4.s8.26
² Oder ist es hier das â von napât, welches zweisylbige Geltung hat?
c4.s8.27
Dass in der fünfsylbigen Virâj-Zeile (◡--◡-) die hier besprochene Verwendung des genetivischen -âm keine häufige sein kann, lässt sich nach dem bisher Gesagten erwarten; jene Sylbe müsste, um das Aequivalent eines Jambus zu bilden, die dritt- und vorletzte Stelle der Reihe einnehmen, diese also mit einem einsylbigen Wort hinter einem Gen. plur. schliessen. Sieht man z. B. die Virâj-Hymnen der Parâṣara- Sammlung (I, 65—70) durch, so findet man in der That unter so zahlreichen Genetivformen, dass man nach den sonst vorliegenden Verhältnissen eine Anzahl von Fällen des zweisylbigen -âm zu erwarten berechtigt wäre, nur die eine Stelle 67, 10 cittir apâm. Zieht man es nicht vor, hier etwa nach 70, 8 (garbho yo’ apâm) zu schreiben cittir yo’ apâm — welche Aenderung doch ein immerhin bedenklicher Ausweg ist —, so würde hier in der That das -âm auf zwei Sylben des metrischen Schemas von der Gestalt ◡◡ treffen. Es liegt am Tage, dass ein vereinzelter derartiger Fall ¹) um so viel weniger eine hinreichende Instanz gegen das bisher in Bezug auf die metrische Stellung des -âm gefundene Resultat bilden kann, als auch sonst das ausnahmsweise Auftreten der Kürze an der vorletzten Stelle der Virâjreihe nicht ganz selten ist.
c4.s8.28
¹ Kuhn's beide Fälle der Messung ◡◡ (Beitr. IV, 180 am Ende), IV, 1, 19 und X, 88, 6 sind gänzlich zweifelhaft.
c4.s8.29
Ehe wir von den bisher besprochenen Genetivformen zur Erörterung andrer Fälle fortschreiten, fassen wir das gewonnene Resultat dahin zusammen, dass die verschiedensten Stellen der verschiedensten Versmaasse ²) das genetivische -âm in der Geltung zweier Sylben, von denen die erste eine Kürze ist, aufweisen. Wir haben uns oben (S. 35) dahin ausgesprochen, dass das gelegentliche Auftreten »katalektischer« oder an andern Stellen als am Schluss defecter Pâdas im Ṛigveda zuzugeben ist: aber es scheint klar, dass hier eine Erscheinung vorliegt, die mit jener nichts gemein hat, als das zufällige, äusserliche Zusammentreffen, dass nämlich hier wie dort der Text in seiner überlieferten Gestalt jedesmal eine Sylbe zu wenig hat. Die ausserordentliche Häufigkeit der hier in Rede stehenden Erscheinung, ihr Gebundensein an gewisse Worte oder Wortelemente mit langem Vocal wie vor Allem an die Genetive auf -âm, ihr Nichtgebundensein an irgend eine bestimmte Stelle des Metrums ¹) löst sie auf das sichtbarste von der Erscheinung der Katalexis ab. Vielmehr muss es sich offenbar um eine bestimmte Eigenschaft eben jener betreffenden langen Vocale handeln: entweder muss in denselben geradezu ein von der Tradition verdunkelter zweisylbiger Complex stecken, oder die vedischen Dichter müssen diesen im Unterschied von andern langen Vocalen die Fähigkeit beigelegt haben, zwei Sylben des Schemas auszufüllen: was offenbar auf einen Gegensatz von Ueberlängen und einfachen Längen hinführen würde. Wir werden später auf diese Frage zurückzukommen haben und bemerken hier nur noch, dass uns als der unzulässigste Weg von allen der erscheint, den Lanman in seiner Darstellung der Nominalflexion gegangen ist, einen Theil der betreffenden Fälle von der Beurtheilung der übrigen, in der That absolut gleichartigen abzulösen: dann nämlich, wenn jenes -âm am Ende eines Gâyatrî- oder Jagatî-Pâda steht, von einem »katalektischen Pâda« zu sprechen, dagegen bei andrer metrischer Stellung des -âm seine Auflösung in -aam zuzulassen. Die Thatsache, dass es sich im einen wie im andern Falle um eine zunächst an das -âm, sodann an einen bestimmten Kreis andrer Sylben geknüpfte Erscheinung handelt, lässt keinen Zweifel darüber, dass am Ende der Gâyatrî oder Jagatî diese Erscheinung in derselben Weise erklärt werden muss, wie an allen übrigen Stellen der Versmaasse.
c4.s8.30
² Einigemale (z. B. V, 24) erscheinen hinter Gâyatrî-Reihen kleine selbständige Versfüsse von der Gestalt ◡◡ (oben S. 112). Es ist offenbar nur ein bei der grossen Seltenheit dieser Füsse sehr begreiflicher Zufall, dass in denselben, wenn ich nicht irre, das zweisylbige -âm nirgends vorkommt. Andre jener zweisylbig zu messenden Vocallängen erscheinen in der That auch in jenen Füssen: rayim dâḥ V, 24, 2; samasmât das. Vers 3.
c4.s8.31
¹ Wird man annehmen wollen, dass auch die in der vorigen Note besprochene viersylbige Verszeile eine »katalektische« Form ◡ ◡ ◡ besitzt?
c4.s8.32
Wir haben bisher gefunden, dass von den beiden Vocalen, in welche das *â* der Endung *-âm* sich zerlegt oder deren Stelle es in welcher Weise auch immer einnimmt, der erste eine Kürze ist ¹): wir untersuchen jetzt die Quantität des zweiten Vocals. Dadurch dass das *-âm* überaus häufig am Versende steht oder einen Consonanten hinter sich hat, welcher die Sylbe positionslang macht, ist die Entscheidung dieser Frage erschwert; ich glaube trotzdem, dass eine vollständige Statistik der in Betracht kommenden Fälle ein ziemlich sicheres Urtheil ermöglicht. Finden wir, dass, wenn das Metrum an der dem zweiten jener beiden Vocale entsprechenden Stelle eine Länge fordert, stets oder in einer unverhältnismässig überwiegenden Zahl von Fällen ein Consonant folgt, so dürfen wir schliessen, dass die Positionslänge ein Bedürfniss, der Vocal selbst also kurz ist. Die für diese Untersuchung in Betracht kommenden Fälle zeigen uns den fraglichen Vocal theils an der viertletzten Stelle der Trishtubh oder, was auf dasselbe herauskommt, an der fünftletzten der Jagatî, theils — ziemlich häufig — an der drittletzten der Gâyatrî, ganz vereinzelt an der vorletzten der Trishtubh resp. drittletzten der Jagatî. Ich finde nun, dass im Rigveda an 86 Stellen der bezeichneten Art auf das *-âm* ein Consonant folgt, welchen Stellen nur folgende Ausnahmen gegenüberstehen: *eshâm* I, 134, 6; *narâm* I, 167, 10; *marutâm* V, 56, 1; *pathâm* VII, 73, 3 ²); *somânâm* VIII, 93, 33; dazu als zweifelhaft wegen des speciellen metrischen Characters des betreffenden Sûkta *apâm* X, 46, 1; *damâm* 7; endlich *martânâm* I, 63, 5, wenn dort nicht *martiânâm* zu schreiben ist.
c4.s8.33
¹ Uebrigens ist dies auf Grund der Regel *vocalis ante vocalem* schon an sich zu erwarten.
c4.s8.34
² Die Stelle ist vermuthlich verderbt. Vergl. Gaedicke Accusativ S. 183. Sollte *pathiâm* zu lesen sein?
c4.s8.35
Mir scheint klar, dass wir auf Grund dieser Materialien die Kürze des zweiten der in dem -âm enthaltenen Vocale behaupten dürfen. Die Fälle, welche auf die Länge desselben hinführen würden, sind zunächst an sich unverhältnismässig selten ¹); sodann ist zu beachten, dass die viertletzte Stelle der Trishṭubh und die entsprechende der Jagatî, um welche es sich in der Mehrzahl jener Fälle handelt, gerade am Wortschluss vergleichsweise häufig eine Kürze statt der die Regel bildenden Länge gestattet (S. 59 fg.).
c4.s8.36
¹ Was hier verhältnismässig und was unverhältnismässig ist, mögen die folgenden Bemerkungen zeigen. Man nehme an, das -âm sei nicht, wie wir meinen, einem -aam, sondern einem -aâm gleichwerthig. Nun zähle man innerhalb irgend eines vedischen Abschnitts die Fälle, in welchen eine Gâyatrîreihe an drittletzter Stelle (wo allein regelmässig eine Länge gefordert ist) eine wortschliessende Sylbe zeigt, die mit jenem in dem -aâm enthaltenen -âm unter gleichen Bedingungen steht, und beachte, wie oft auf dieselbe ein Consonant, wie oft ein Vocal folgt. Unter gleichen Bedingungen aber mit jener Sylbe steht nur eine Sylbe mit langem Vocal und schliessendem Consonanten: hätte sie einen kurzen Vocal, so würde um des Metrums willen die Neigung zu consonantischem Anfang des folgenden Worts obwalten; schlösse sie vocalisch, so würde auch dieser Umstand bei der herrschenden Abneigung gegen Hiatus und bei der verkürzenden Wirkung eines folgenden Vocals auf den vorangehenden Vocal zur Bevorzugung eines consonantisch anlautenden Wortes an der nächsten Stelle führen. Nur ein Wortschluss auf ai, au und Pragṛihya-Vocale wäre, als von den bezeichneten Bedenken frei, bei der Zählung noch mit zu berücksichtigen. Bei einer nach den bezeichneten Gesichtspuncten vorgenommenen Untersuchung der langen Gâyatrî-Abschnitte IX, 61-67 habe ich nun gefunden: auf Sylben der beschriebenen Art folgt consonantischer Wortanfang 2 mal, vocalischer 21 mal, ausserdem liegt einmal eben der zur Erörterung stehende Fall mit dem Gen. plur. vor (64, 10: priyaḥ kavinâm mati). Bei einer ähnlichen Zählung, die sich auf die viertletzte Sylbe von Trishṭubh-Stollen richtete, fand ich in VII, 1-3 neben 6maligem vocalischen Wortanfang nur fünfmaligen consonantischen (darunter 3 mal hinter einem Pragṛihya-Vocal). Auch ohne dass derartige Zählungen weiter ausgedehnt würden, wird man leicht sehen, dass das oben festgestellte etwa 17fache Ueberwiegen des consonantischen Wortanfangs hinter dem zweisylbig gebrauchten -âm kein Zufall sein kann.
c4.s8.37
Der Nachweis, dass die Endung -âm keineswegs schlechthin zwei Sylben vertreten kann, sondern dass ihr â die Geltung von zwei Kürzen hat, und dass, damit jene Endung einen Jambus ausmache, Position hinzukommen muss, wird dazu beitragen, unsre Ueberzeugung davon zu befestigen, dass der Erklärungsgrund der in Rede stehenden zweisylbigen Messungen nicht in einer metrischen Synkope, sondern in der eigenartigen sprachlichen Natur der betreffenden Sylben, oder doch wenigstens — was aber vielleicht eine minder wahrscheinliche Annahme ist — in einer durch die conventionelle Kunstübung der vedischen Recitation ihnen beigelegten eigenartigen Qualität zu suchen ist.
c4.s8.38
Man muss nun die Frage aufwerfen, wie weit sich das eben gefundene Resultat verallgemeinern lässt: sind, wie das á der Endung -ám, so auch andre jener zweisylbig geltenden Vocale als zwei Kürzen und nur im Fall der Position als Jambus zu messen?
c4.s8.39
Die Untersuchung hierüber wird dadurch wesentlich erschwert, dass die vedischen Versmaasse nirgends zwei Kürzen hinter einander verlangen; in den prosodisch verhältnissmässig scharf bestimmten Ausgängen der Gâyatrî, Trishtubh und Jagatî finden wir stets die Abwechslung von Kürzen und Längen, und nur die Stelle unmittelbar hinter der Cäsur von Trishtubh und Jagatî liebt die Aufeinanderfolge zweier Kürzen, ohne dieselbe auch nur entfernt zur Regel zu erheben. Es empfiehlt sich nun, zweisylbig gemessene Vocale vor einfacher Consonanz, wie in der ersten Sylbe von vâtaḥ, bhàsâ, sûraḥ, der Untersuchung zu unterwerfen. Die betreffenden Worte haben meist in verschiedenen ihrer häufig gebrauchten Casus eine Gestalt, die sich bei trochäischer oder jambischer Messung des zweisylbigen Vocals sehr bequem für den Ausgang von Gâyatrî, Trishtubh oder Jagatî eignen würde; finden sie sich nicht an diesen Stellen, und zeigen sie dafür eine bemerkliche Vorliebe für die Stelle unmittelbar hinter der Trishtubh-Cäsur, so werden wir auf die pyrrhichische Messung des Vocals zu schliessen berechtigt sein.
c4.s8.40
Man betrachte nun folgende Reihen von Stellen ¹):
c4.s8.41
¹ Ich benutze selbstverständlich die Zusammenstellungen Grassmann's, die übrigens vielfach der Berichtigung und Ergänzung bedürfen.
c4.s8.42
dâsa ²): I, 104, 2; II, 20, 6. 7; V, 33, 4; VI, 26, 5; X, 23, 2; 49, 6. 7: an allen acht Stellen ³) haben wir dies Wort (in den Formen dâsam, dâsîḥ, dâsasya) unmittelbar hinter der Cäsur, also an der einzigen Stelle der vedischen Metra, die den Pyrrhichius entschieden bevorzugt. In Daivodâsaḥ VIII, 103, 2 ist die Messung des ersten im â enthaltenen Vocals nicht bestimmbar; der zweite ist kurz.
c4.s8.43
² dâsa und dâsá zu sondern ist hier überflüssig.
c4.s8.44
³ Neben ihnen liegen noch die metrisch nicht characteristischen Stellen VI, 20, 10; VIII, 46, 32; X, 148, 2 vor; endlich als zweifelhaft wegen der in dem betr. Lied herrschenden eigenthümlichen metrischen Praxis II, 11, 4. — VI, 25, 2 wird die Messung ◡ ◡ für das â von Kuhn und Grassmann mit Unrecht angenommen.
c4.s8.45
Sudâs, dâsvant: I, 63, 7; VII, 32, 10. Von diesen Stellen spricht die erste für die Kürze des ersten, die zweite für die des zweiten Elements des â. Für die des ersten treten auch zwei Stellen ein, welche die Form sudâstarâya enthalten und wegen der Position selbstverständlich über den zweiten Vocal nichts lehren können: I, 184, 1; 185, 9. Aehnlich steht es mit dâsvant, von welchem Wort sich mehrere Formen mit zweisylbiger Messung des â in den verschiedensten metrischen Stellungen finden ⁴); die Kürze des ersten Elements ist durchweg gesichert.
c4.s8.46
⁴ S. die Citate bei Grassmann. Nach Gr. wäre nur einmal (II, 4, 3) das â nicht zweisylbig zu messen; aber auch an dieser Stelle ist jene Messung wenigstens möglich. So kann ich mich auch nicht entschliessen, mit Joh. Schmidt (Vocalismus II, 264) für IV, 2, 7 nach einer Auffassung zu greifen, welche jenes â einsylbig liesse.
c4.s8.47
vâta: I, 174, 5; 180, 6; 186, 10; VII, 40, 6; IX, 97, 52; X, 22, 4. 5; 23, 4; 158, 1. An allen ausser der letzten Stelle (vâtaḥ im Eingang einer achtsylbigen Reihe) steht vâtaḥ oder vâtasya unmittelbar hinter der Cäsur.
c4.s8.48
vâja: I, 63, 9; 162, 22; II, 31, 7; IV, 37, 4; VI, 13, 1; VII, 48, 1. Die Formen vâjaḥ, vâjâḥ, vâjam, vâjî, vâjinaḥ stets unmittelbar hinter der Cäsur ¹.
c4.s8.49
¹ IV, 3, 12 (und VI, 45, 29?) ist metrisch nicht signifikant.
c4.s8.50
bhâs: VI, 10, 4; VIII, 23, 11; X, 3, 1 ²): am Ende der Gâyatrî nur bhâḥ, so dass der zweiten Kürze des zweisylbig zu messenden Vocals die prosodisch freie Beschaffenheit des Versschlusses zu Gute kommt; sonst (bei bhâsâ) fällt stets das â auf die meist pyrrhichische Stelle unmittelbar nach der Cäsur. Die erste und dritte der angeführten Stellen ergeben für das â, wenn auch nicht sicher die Messung ◡◡, so doch ziemlich zuverlässig ◡◡; die zweite Stelle ergiebt ◡◡; aus der Combination des einen und des andern Resultates schliessen wir die Messung ◡◡.
c4.s8.51
² VIII, 1, 28 insignificant; X, 77, 5 zweifelhaft.
c4.s8.52
sûra, sûri, sûria ³).
c4.s8.53
³ Metrisch nicht signifikant: I, 149, 3; IX, 111, 1. Nicht mit Recht ist VII, 82, 3 angeführt worden. Auch I, 180, 6 ist die zweisylbige Messung des û unwahrscheinlich.
c4.s8.54
I, 61, 3(?) suvṛktibhiḥ || sûrim vâvṛdhadhyai 71, 9 ekaḥ satrâ || sûro vasva' iṣe 122, 15 syûmagabhastiḥ || sûro na adyaut II, 11, 20 avartayat || sûrio na cakram 19, 3 ajanayat || sûriam vidad gâḥ VI, 51, 2 abhi caṣṭe || sûro' arya' evân VIII, 46, 24 mamhiṣṭhaḥ sûrir abhût X, 59, 5 rârandhi naḥ || sûriasya saṃdṛṣi ⁴).
c4.s8.55
⁴ Ganz ähnlich, aber ohne die zweisylbige Messung des û, X, 37, 6.
c4.s8.56
pâyu.
c4.s8.57
VII, 37, 8 sadà no divyaḥ || pâyuḥ sishaktu.
c4.s8.58
Die zweite Stelle, an welcher pâyu mit zweisylbiger Messung erscheint, II, 1, 7, ist metrisch nicht signifikant. Doch sei bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, dass auf die Formen der zugehörigen Wurzel pâ sich die Fälle zweisylbiger Messung des â auffallend ungleichmässig vertheilen: diese Messung findet sich nämlich fast nur bei denjenigen Formen — und zwar bei diesen ziemlich häufig — welche hinter dem â Doppelconsonanz haben ¹) (pânti, pântu, pântam, pântaḥ; ausserdem noch bei dem einsylbigen pât, das begreiflicherweise keine Instanz gegen unsre Beobachtung bildet); die an sich so gebräuchlichen Formen pâti, pâtu, pâhi liefern kaum ein sicheres Beispiel der in Rede stehenden Erscheinung ²). Dies Verhältniss kann nicht befremden, wenn wir für das zweisylbige â die Messung ◡◡ annehmen: dann, und nur dann, erklärt es sich, dass pânti (paanti) für die vedischen Metriker bequemer verwendbar war, als pâti (paati) mit seinen drei Kürzen, die wegen des vocalischen Ausgangs dem Metrum einen wesentlich schwereren Widerstand leisteten, als etwa die Kürzen von vâtaḥ, apâm, dâsam (vaataḥ etc.).
c4.s8.59
¹ Siehe Grassmann s. v.
c4.s8.60
² Nur pâhi I, 129, 11. Wenig wahrscheinlich ist die zweisylbige Messung in X, 158, 1. 2 (pâtu und pâhi); I, 120, 7 (pâtam) ist metrisch ganz unklar.
c4.s8.61
vîra, vîria ³).
c4.s8.62
³ Nicht durch das Metrum characterisirt: I, 61, 5 (?); II, 4, 9 (?); V, 29, 13; X, 85, 44. An der letzten Stelle ist die zweisylbige Messung des î nicht sicher.
c4.s8.63
I, 61, 14 ⁴) sadyo bhuvad || vîrâya Nodhâḥ
c4.s8.64
⁴ Unsicher wegen der eigenthümlichen metrischen Praxis dieses Sûkta.
c4.s8.65
VI, 21, 6. 8 arcâmasi || vîra brahmavâhaḥ
c4.s8.66
brahmaṇyato || vîra kârudhâyaḥ.
c4.s8.67
dâṣ- ¹). I, 61, 11 ²) îṣânakṛid || dâṣushe daṣasyan 76, 1 kena vâ te || manasâ dâṣema II, 20, 2 tuam ino || dâṣusho varûtâ ³).
c4.s8.68
¹ Nicht characterisirt: dadâṣus I, 147, 1.
c4.s8.69
² Unsicher wegen der eigenthümlichen metrischen Praxis dieses Sûkta.
c4.s8.70
³ Man berücksichtige, wie bequem sich dâṣushe, dâṣushaḥ für das Ende des Gâyatrî- oder Jagatî-Pâda geeignet haben würde, wenn den vedischen Dichtern die jambische Messung des â zulässig geschienen hätte.
c4.s8.71
Die zweite Stelle würde auf trochäische Messung des â von dâṣema hindeuten. Uebrigens steht die zweisylbige Qualität des â an dieser Stelle nicht ganz fest. Abgesehen von der Möglichkeit, die sich hier wie an mancher andern Stelle geltend machen liesse, dass nämlich bei der Cäsur nach der vierten Sylbe der Pâda weitergehen könnte, als hätte die Cäsur nach der fünften Sylbe gestanden — wobei das Fehlen einer Sylbe sich ohne zweisylbige Messung eines Vocals erklären würde ⁴) —, kann auch gefragt werden, ob nicht die zweisylbige Messung vielmehr für das vâ anzunehmen wäre, wie möglicherweise I, 83, 6: arko vâ || ṣlokam âghoshate divi.
c4.s8.72
⁴ Siehe oben S. 68 fg.
c4.s8.73
In jedem Fall finden wir in den unter einander sehr verschieden gearteten Fällen, die wir bisher betrachtet haben, bei der wortschliessenden Sylbe -âm mit ihrer Abneigung gegen trochäische Stellen der Metra und ihrer Neigung am Versende oder vor folgendem Consonanten zu stehen, und andrerseits bei den Anfangssylben von vâta, bhâsâ etc. mit ihrer Vorliebe für die Stellung unmittelbar hinter der Cäsur — wir finden für alle diese Fälle übereinstimmend das nämliche Resultat: der zweisylbig zu messende lange Vocal hat in allen diesen Worten oder Wortelementen den Werth zweier Kürzen.
c4.s8.74
Ich sehe von weiteren Zusammenstellungen ab, die sich über eine nicht geringe Reihe der in weniger häufiger Wiederkehr begegnenden Vocale zweisylbiger Messung leicht würden ausdehnen lassen. Statt dessen verzeichne ich einige Fälle, in welchen das Metrum nicht mit derselben Entschiedenheit auf die Gleichsetzung des langen Vocals mit zwei Kürzen hinweist.
c4.s8.75
Nom. plur. auf -âsas ¹).
c4.s8.76
¹ Vergl. Kuhn, Beitr. IV, 183. Die Belege sind nicht derart, dass die zweisylbige Messung des â durchaus feststände.
c4.s8.77
Eine Anzahl von Fällen stimmt zu dem sonst beobachteten Verhältniss: das erste Element des â erscheint an einer Stelle, welche die Kürze bevorzugt; die Quantität des zweiten Elements bleibt unbestimmt:
c4.s8.78
I, 127, 7 dvitâ yad în || kîstâso' abhidyavaḥ VI, 67, 10 vi yad vâcaṃ || kîstâso bharante ²) 44, 8 śriye manâṃsi || devâso' akran ³). 63, 7 â vâṃ vayo' || aṣvâso vahiṣṭhâḥ ⁴).
c4.s8.79
² Oder sollte in diesen Beispielen das î von kîsta zweisylbig zu messen sein?
c4.s8.80
³ Die Messung dieses Pâda als Triṣṭubh ist nicht völlig sicher; man könnte auch an die zehnsylbige Virâj denken.
c4.s8.81
⁴ Der Sitz der zweisylbigen Messung könnte auch â oder vâṃ sein; vielleicht ist auch aṣvâso zu lesen.
c4.s8.82
Dazu einige Fälle, in welchen es sich fragt, ob nicht die Aenderung von marta in martia die fehlende Sylbe einbringen müsste; martâsaḥ steht zweimal hinter der Cäsur, dreimal an einer metrisch indifferenten Stelle ⁵):
c4.s8.83
⁵ Doch begründet in I, 38, 4 und VII, 4, 3 auch das Metrum einen Vorzug der Lesung martiâsaḥ vor der zweisylbigen Messung des â.
c4.s8.84
I, 38, 4 martâsaḥ siàtana VI, 15, 8 devâsaṣ ca || martâsaṣ ca jâgrivim VII, 4, 3 yam martâsaḥ || sietaṃ jagribhre 25, 2 abhi ye no || martâso' amanti VIII, 81, 3 na martâso ditsantam.
c4.s8.85
Der metrischen Characteristik entbehrt ferner noch I, 191, 3 ṣarâsaḥ kuṣarâsaḥ. Dies ist der erste Pâda einer Anushṭubh aus der späten Zeit, in welcher der Ausgang des ersten und dritten Pâda dieses Metrums sich von der alten Regel bereits gelöst hatte (oben S. 28). Sodann VII, 97, 6 tam ṣagmâso’ || arushâso’ aṣvâḥ, falls hier in der That das â von ṣagmâsaḥ aufzulösen ist ¹); wählt man das â von arushâsaḥ, würde das Metrum für dasselbe die Messung ◡ - ergeben.
c4.s8.86
¹ Man könnte auch ohne solche Auflösung den in ṣagmâsaḥ zwischen g und m entwickelten Stimmton für die Ausfüllung der metrischen Lücke in Anspruch nehmen.
c4.s8.87
Der sicheren metrischen Characteristik entbehrt ferner noch II, 4, 9 suvîrâso’ ²) || abhimâtishâhaḥ V, 41, 17 devâso || vanate martio vaḥ.
c4.s8.88
² Doch vergl. S. 174 Anm. 3.
c4.s8.89
Es bleiben, oder es blieben, wenn die metrische Praxis eine ausnahmslos feste wäre, als wirkliche Ausnahmen übrig: VIII, 2, 10 tîvrâ’ asme sutâsaḥ (â = - ◡) X, 114, 10 rathasya dhûrshu || yuktâso’ asthuḥ (â = ◡ -). Sodann, falls der betreffende Pâda nicht statt als Jagatî, vielmehr als Trishṭubh zu messen ist: VIII, 26, 22 sutâvanto || vâyum dyumnâ janâsaḥ (â = - ◡).
c4.s8.90
Für jambische Messung des â wird schwerlich V, 43, 14 angeführt werden dürfen: vipanyavo || râspirâso’ agman. Hier ist es wahrscheinlich das erste â von râspirâsaḥ, das zweisylbig zu messen ist; vergl. râspinasya I, 122, 4.
c4.s8.91
Suffix -âna. Die meisten Stellen ergeben kein prosodisches Resultat:
c4.s8.92
I, 127, 3; IV, 3, 14 ¹); 21, 5; VI, 15, 4; 44, 8; 63, 2 (?); VIII, 1, 19; IX, 18, 7; 97, 31; X, 132, 1. Zu unsrer Regel (â = ◡◡) passt, abgesehen von der zweifelhaften, aber in keinem Fall entgegenstehenden Stelle I, 61, 13,
c4.s8.93
¹ Es scheint, dass hier rârakshâṇaḥ, nicht priṇânaḥ (vielmehr priṇânaḥ) der Sitz der zweisylbigen Messung ist.
c4.s8.94
VII, 75, 4 eshâ siâ || yujânâ parâkât
c4.s8.95
X, 30, 9 madacyutam || auṣânaṃ nabhojâm (?).
c4.s8.96
Der Regel, zugleich aber auch einander, widerstreiten drei keineswegs sichere Stellen, von welchen die erste jambische, die beiden folgenden trochäische Messung des â ergeben würden:
c4.s8.97
IV, 4, 1 tṛishvâm anu || prasitim dṛuṇânaḥ ²)
c4.s8.98
² Vielleicht ist hier die zweisylbige Messung überhaupt entbehrlich. Für rûṇânaḥ ist druṇânaḥ zu schreiben; prasitim druṇânaḥ zeigt eine so normale metrische Gestalt, dass man gern vermeiden möchte, sie durch die Annahme zweisylbiger Messung anzutasten.
c4.s8.99
VIII, 24, 30 ³) yat tvâ pṛichâd îjânaḥ
c4.s8.100
³ Aus einer Dânastuti; man kann auch iat oder tuâ lesen.
c4.s8.101
101, 9 ⁴) antaḥ pavitra’ || upari śṛiṇânaḥ.
c4.s8.102
⁴ Lies śṛiṇânaḥ. Die zweisylbige Messung verschwindet, wenn wir Triṣṭubh statt Jagatî annehmen, wie auch z. B. im ersten Pâda von V. 10 geschehen muss.
c4.s8.103
mâtar ⁵).
c4.s8.104
⁵ Keine der Stellen erweist die zweisylbige Messung des â mit Sicherheit. I, 89, 4 kann leicht tan no mâtâ geschrieben, in X, 79, 3; 94, 14 die Svarabhakti in pra resp. kṛiḷayaḥ zu Hülfe genommen werden.
c4.s8.105
Insignificant ist I, 89, 4; X, 79, 3; in unsre Regel fügt sich
c4.s8.106
X, 94, 14 kṛiḷayo na || mâtaraṃ tudantaḥ.
c4.s8.107
Derselben widerspricht
c4.s8.108
V, 7, 8 sushûr asûta mâtâ (â = - ◡).
c4.s8.109
pûshan.
c4.s8.110
Dem vorherrschenden Verhältnis würde sich fügen (mit â = ◡◡):
c4.s8.111
I, 89, 6 suasti naḥ || pûshâ viṣvavedâḥ X, 26, 3 indur na pûshâ vṛishâ. Es widerspricht (mit û = ◡◡) X, 26, 4. 8 asmâkam deva pûshan â te rathasya pûshan. ṣûra. I, 122, 10 viṣvâsu pritsu || sadam ic chûraḥ [II, 11, 5 ahann ahim || ṣûra vîrieṇa X, 78, 4 jigîvâmso na || ṣûrâ’ abhidyavaḥ ¹)].
c4.s8.112
¹ Die beiden eingeklammerten Stellen beweisen nichts wegen der eigenthümlichen metrischen Natur von II, 11 und X, 78 (vergl. oben S. 87. 92). Zweifelhaft ist auch I, 173, 5 yaḥ ṣûro || maghavâ yo ratheshṭhâḥ. Statt der zweisylbigen Messung des û empfiehlt sich vielmehr zur Vermeidung des unbeliebten Verseingangs ◡◡◡ die so häufig erforderte Lesung iaḥ.
c4.s8.113
Die erste dieser Stellen würde jambische Messung des û ergeben.
c4.s8.114
maghon-.
c4.s8.115
Die Formen maghonas, maghonos erscheinen an einigen Stellen (s. Grassmann) so, dass das Metrum an Stelle des o zwei Sylben von der Beschaffenheit ◡◡ verlangen würde. Will man nicht, was durchaus unbedenklich wäre, eine metrische Ungenauigkeit annehmen, so liegt es nahe, den betreffenden Formen ein Thema maghâvan (vergl. ṛiṇâvan, ṛitâvan, aṣvâvant neben aṣvavant etc.) zu Grunde zu legen, von welchem maghâvanas, maghâvanos abgeleitet wäre. —
c4.s8.116
Es schien zweckmässig, die vorstehenden Worte und Formen für sich zu erörtern; ein paar weitere durchaus sporadische Fälle, in welchen das Metrum auf jambische oder trochäische Auffassung der betreffenden Vocale führen würde, bringen zu der beschriebenen Sachlage nichts Neues hinzu. Uebrigens sind die Stellen, welche jene prosodische Beschaffenheit aufzuweisen scheinen, so wenig zahlreich, dazu theilweise aus metrisch verwahrloster Umgebung stammend oder anderweitig zweifelhaft, dass man, namentlich wenn man die im Veda überall so nahe liegende Möglichkeit wirklicher Abweichungen von der metrischen Norm gebührend in Anschlag bringt, die Gleichsetzung der zweisylbig zu messenden Vocale mit zwei Kürzen mindestens als das weitaus Vorherrschende anzuerkennen kein Bedenken tragen wird.
c4.s8.117
In welcher Weise haben wir uns nun jene Gleichsetzung langer Vocale mit zweisylbigen Complexen vorstellbar zu machen? Wir wiesen schon oben (S. 168) darauf hin, dass die in Rede stehende Erscheinung, an gewisse Worte und Formen, aber nicht an gewisse Stellen der Metra gebunden, mit einem Begriff wie dem der Katalexis nicht wohl etwas zu thun haben kann. Entweder spielt hier ein Gegensatz überlanger und langer Vocale mit, und müssten die ersteren die Fähigkeit besessen haben, an welcher Stelle der Versmaasse es auch immer sei, zwei Kürzen resp. bei hinzukommender Position einen Jambus zu vertreten: oder jene Vocale wurden in der That geradezu als zweisylbige Complexe oder denselben sehr ähnlich ausgesprochen. So ungern man sich nun auch, wenn man die Frage allein von der sprachgeschichtlichen Seite aus betrachtet, zur Annahme von bhaasâ, devânaam und ähnlichen mit dem Hiatus behafteten Gebilden entschliessen mag, so scheint mir doch nach der ganzen Lage der Sache die überwiegende Wahrscheinlichkeit für das Factum solcher im Veda zu statuirender Formen zu sprechen, gleichviel ob die sprachliche Erklärung derselben uns gegenwärtig leicht oder schwer wird. Vor Allem scheint mir hier nahezu entscheidend, dass, wie die Metrik des Avesta beweist, eine Reihe der hervortretendsten und sichersten Fälle der vedischen zweisylbigen Messungen auf die indisch-iranische Periode zurückgeht und sich dann bei beiden Völkern gleichmässig erhalten hat: so weist das Avesta, unabhängig von der Stelle des Metrums, an welcher die betreffende Form steht, die zweisylbige Messung auf bei dem Gen. plur. auf -ām, bei Formen der Wurzeln auf â wie dât, pât, gât, im Gen. sing. geus (altind. gos) und den Accusativen gãm, pantãm, mãm ¹); vedischen Verszeilen wie barhir na yat || Sudâse vṛithâ vark, oder nakiḥ Sudâso ratham, stellen sich eine Reihe von Gâthâ-Versen an die Seite, welche mehrere Casus des Stammes hudâh stets mit zweisylbiger Messung des â (áo) aufweisen (Bartholomae, Gâthâs, 7. 96. 166): die Uebereinstimmung erstreckt sich also auf eine Reihe von Fällen, aus welchen die Identität der in Rede stehenden Erscheinung auf indischem und auf iranischem Boden ohne Weiteres mit Sicherheit hervorgeht. Nun scheint es auf der Hand zu liegen, dass, selbst wenn man der Dichtung der indisch-iranischen Zeit eine so subtile Unterscheidung wie die des langen â und des überlangen â zuschreiben wollte, derartige Nuancen doch viel zu fein sind, als dass mit irgend welcher Wahrscheinlichkeit ihr gleichmässiges Ueberdauern in Indien wie in Iran über alle die Einflüsse, welche solche Unterschiede zu nivelliren streben, erwartet werden könnte. Die blosse Thatsache des hohen Alters und der übereinstimmenden Verbreitung jener Erscheinung über die beiden Literaturen scheint mir zu beweisen, dass es sich hier um etwas Greifbareres, Unzweideutigeres und darum auf die Dauer Widerstandsfähigeres gehandelt haben muss, als um den Unterschied zweier langer â von verschiedener Quantität: mit andern Worten, mir scheint hervorzugehen, dass zwei Sylben vertretende *-âm* in der That als zwei Sylben, als *-aam* zu lesen ist.
c4.s8.118
¹ Geldner, Metrik des jüngeren Avesta, 9 fg., 12, 16 fgg.; A. Mayr, Sitzungsberichte der Wiener Akademie 68 (1871), 758 fgg.; Bartholomae, Gâthâs, 7 fg. 171.
c4.s8.119
Zu demselben Resultat führt, wie ich meine, die oben dargelegte Thatsache, dass wenn nicht alle so doch viele jener langen Vocale, um einen Jambus vertreten zu können, die Position bedürfen. Ist das *â* jener Genetive wirklich als eine continuirliche Länge zu sprechen, welche über zwei Stellen des metrischen Schemas hinüberreicht, und gilt, wie wir sehen, die Verwendung einer solchen Länge im jambischen Versausgang an sich keineswegs für eine zu vermeidende Verdunklung des Rhythmus, so würde in dem Verhältniss, dass indro munînâm sakhâ als correct gilt, dagegen etwa indro munînâm asat nicht oder doch nur als Licenz zulässig wäre — es würde in diesem Verhältniss eine überspitze Subtilität liegen, die man rein theoretisch vielleicht vertheidigen mag, deren thatsächliches Vorkommen aber auf einem aller Haarspalterei so entgegengesetzten Gebiet, wie die vedische Metrik ist, nicht leicht Jemandem, der Wahrscheinliches von Unwahrscheinlichem zu unterscheiden weiss, acceptabel sein wird. Und ferner: warum steht das *-âm*, mit oder ohne Position, nicht auch für einen Trochäus?
c4.s8.120
Sehen wir uns so zu der Ersetzung der einsylbigen Gebilde durch zweisylbige gedrängt, so wird der Widerspruch, auf welchen dies Verfahren zu stossen erwarten muss, wohl am wenigsten lebhaft in einigen Fällen sein, in welchen der *e*-Diphthong vorliegt und es am leichtesten ist dem Hiatus zu entgehen. Wenn śreṇi und śreṇiṣas im Rigveda immer¹) eine Sylbe mehr beanspruchen, als in der überlieferten Textgestalt vorhanden sind, so wird in der That die Schreibung ṣrayaṇi ¹) schwer abzuweisen sein. Aehnlich führt das überwiegende Erscheinen eines dreisylbigen tredhâ neben dem zweisylbigen offenbar auf trayadhâ, und werden wir neben netar, praṇetar auch ṇayitar, praṇayitar anzusetzen haben (vergl. nayitum Aitareya Br. neben netum) ²). — Wie zur Wurzel jû der Superlativ javiṣṭha gehört, wird zu prî, ṣrî ein dreisylbiges prayiṣṭha, ṣrayiṣṭha an den Stellen, an welchen das überlieferte preṣṭha, ṣreṣṭha dem Metrum nicht genügt, angenommen werden dürfen und müssen. — Bei den Superlativen, welche zu Wurzeln auf â gehören, wie jyeṣṭha, dheṣṭha, mag als dreisylbige Gestalt jyaïṣṭha, dhaïṣṭha, aus welchem jene Formen hervorgegangen sind ³), anzusetzen sein.
c4.s8.121
¹ Nicht, wie Grassmann sagt, oft. Nur śreṇidan an der metrisch problematischen Stelle X, 20, 3 ist nicht vollkommen sicher, widerspricht aber in keinem Fall.
c4.s8.122
¹ Ich ziehe diese Form dem von Grassmann vorgeschlagenen ṣrayiṇi vor.
c4.s8.123
² Siehe auch Saussure, Mémoire, 246 A. 1.
c4.s8.124
³ Joh. Schmidt KZ. XXVI, 380.
c4.s8.125
Bedenklich wird der Sprachforschung das Zulassen der Vocalgruppe aa erscheinen. Auch in den Fällen, in welchen die Herkunft der beiden a klar sein würde, wie im Nom. plur. der a-Stämme auf -aas, wird das Erscheinen des Hiatus noch in der Zeit des Einzellebens der altindischen Sprache nicht ohne Zögern zugestanden werden ⁴), und vollends Formen wie devânaam oder asthaat, deren Einordnung in bekannte Zusammenhänge einstweilen schwer oder unmöglich scheint, werden von jenem Bedenken noch in verstärktem Maasse getroffen werden. Ich glaube, dass der Erforscher des vedischen Textes dem gegenüber wenigstens eine annähernde Berechtigung hat zu behaupten, dass devânaam und asthaat nun einmal durch genügend sichere Ueberlieferung bezeugt ist, gleichviel ob es gegenwärtig erklärt werden kann oder nicht: denn so wie jetzt jene Formen sich hinter dem überlieferten devânâm und asthât verbergen — und sich, wenn sie nicht schon früher verdunkelt waren, nach den von der späteren Diaskeuase adoptirten orthoepischen Principien unvermeidlich verbergen müssen —, ist es in der That nicht weit davon entfernt, dass sie geradezu überliefert wären, so gut wie wir etwa martiam oder avatu ûtaye oder candraagrâs der Sache nach als überliefert ansehen dürfen.
c4.s8.126
⁴ Man sehe z. B. Joh. Schmidt KZ. XXIV, 304; Saussure, Mémoire S. 91 A. 1.
c4.s8.127
Uebrigens darf es zur Beschwichtigung aller Bedenken ausgesprochen werden, dass eine volle Erklärung aller der in Rede stehenden Formen als sprachlicher Erscheinungen vielleicht überhaupt gar nicht das wäre, was hier geleistet werden müsste. Denn man wird zu berücksichtigen haben, dass die hieratisch-künstliche Vortragsweise der vedischen Texte, die schon für die Zeit ihrer Abfassung mit Wahrscheinlichkeit angenommen werden darf, den Erscheinungen, wie die Sprache sie darbot, eine willkürliche Steigerung und Ausdehnung aufgedrängt haben kann, welche auf die Rechnung der altindischen Sprache zu setzen verfehlt sein würde ¹). Wies diese einmal bei gewissen Formen ein Schwanken zwischen einsylbigen und zweisylbigen Worten oder Wortelementen auf, so kann das Gutdünken der priesterlichen Verskünstler von solchen Analogien einen viel weiter gehenden Gebrauch gemacht haben, als die Sprache selbst ihn jemals gemacht haben würde.
c4.s8.128
¹ Man erinnere sich an die Formen, von denen die Sâman voll sind, wie vâitayâi für vîtaye, gâyirâh für girah u. dergl. mehr. Dass wie die singende so in bescheidenerem Maasse auch die recitirende Technik des Opfervortrags sich derartige Freiheiten gegenüber dem von der Sprache dargebotenen Material an irgend welchen Stellen herausgenommen habe, wird man nicht für undenkbar halten können.
c4.s8.129
Wir versuchen es schliesslich, indem wir die Behandlung aller Einzelheiten der Textconstitution vorbehalten, einen orientirenden Ueberblick über die wesentlichsten Fälle der zweisylbig zu messenden Vocale zu liefern. Die Thatsache jener Messungen in vielen Fällen, ihr Ausgeschlossensein in andern ist klar genug erkennbar: in der Mitte aber zwischen beiden Gebieten liegt eine zweifelhafte Grenzregion, indem offenbar einerseits die Praxis der vedischen Poeten hier wie sonst nicht selten die im Uebrigen innegehaltenen Linien verlassen hat, andrerseits aber für unsre Beurtheilung zahlreiche Fälle mehrdeutig oder durch Mängel der Ueberlieferung in zweifelhaftes Licht gerückt sind. Insonderheit in der Abgrenzung der oben (S. 34 fg., 66 fg.) von uns verzeichneten Fälle metrischer Unvollständigkeiten gegen die Fälle der zweisylbigen Messung, sowie in der Beurtheilung von Wortformen aus den Hymnen, für welche wir eigne metrische Typen glaubten in Anspruch nehmen zu müssen, wie II, 11 oder X, 46, werden Meinungsverschiedenheiten kaum vermieden werden können.
c4.s8.130
In der Declination treffen wir zweisylbiges â, abgesehen von dem häufigsten Fall des Gen. plur. auf -âm, noch im Abl. sing. der a-Stämme auf -ât (resp. -smât beim Pronomen) ¹), z. B. sadhasthât VIII, 11, 7, antarikshât X, 158, 1, samasmât V, 24, 3. — Nom. Voc. plur. der männlichen a- und â-Stämme auf -âs ²), z. B. devâh (häufig), somâh VIII, 2, 7. 10. 28 (?), stomâh VIII, 64, 1, — gopâh VIII, 31, 13, sugopâh V, 38, 5 etc. — Nom. Acc. plur. der weiblichen â-Stämme auf -âs ³), z. B. puṇyagandhâh VII, 55, 8, manîshâh X, 26, 1, saṃvidânâḥ X, 97, 14. — Nom. Acc. plur. fem. auf -îs (zu lesen -ias?) ¹), z. B. aṣastiḥ IV, 48, 2, adevîḥ VIII, 61, 16. — Nom. dual. fem. auf -e (lies aî?): abudhyamâne I, 29, 3. — Durchaus zweifelhaft sind einige Stellen, an welchen man zweisylbige Geltung des -â im Nom. Acc. plur. neutr. vermuthen könnte ²); ähnlich steht es bei den neutralen Pluralen auf -âni (-âmśi, -ûni etc.), dem Nom. Acc. dual. auf -â ³), dem Nom. Acc. sing. fem. auf -â, -âm ⁴), -îm, dem Instr. plur. fem. auf -âbhis. Auch in Bezug auf den Instr. pl. auf -ais lassen die von Kuhn (Beitr. IV, 189) und Lanman (350) besprochenen Stellen durchweg andre Auffassungen als die Annahme einer Endung -aïs zu.
c4.s8.131
¹ Vergl. Lanman 337 fg.; Geldner Metrik d. jüng. Avesta 18; Bartholomae Gâthâs 7.
c4.s8.132
² Lanman 345; Geldner 10. — Ueber die Formen auf -âsas s. oben S. 176.
c4.s8.133
³ Lanman 362. 363.
c4.s8.134
¹ Lanman 371.
c4.s8.135
² Lanman 348.
c4.s8.136
³ Bei tanûpâ VII, 66, 3, gopâ VIII, 25, 1, kakshiaprâ I, 10, 3 kann die zweisylbige Messung des â auf Rechnung der Wurzelsylbe kommen, vergl. unten.
c4.s8.137
⁴ Wohl aber ist zweisylbige Messung bei dem â von nasalischer Herkunft in Formen wie abjâm (VII, 34, 16) zu verzeichnen.
c4.s8.138
Auf spärlichen und unsicheren Materialien beruht auch die Annahme eines zweisylbig zu messenden â im Nom. sing. der as-Stämme auf -âs ⁵) sowie im Nom. Acc. sing. der Stämme auf -tar (-tâ, -târam). — Nicht unwahrscheinlich ist zweisylbiges â in mahân VI, 25, 1; VII, 52, 3 ⁶), möglich auch in havishmân I, 127, 10 ⁷). Einige Nominative auf -â, -mâ, -vâ von Stämmen auf -an, -man, -van sind dagegen durchaus zweifelhaft, sowie Nominative auf -vân (vidvân etc.), bei welchen die fehlende Sylbe durch vocalische Aussprache des v gewonnen werden kann. Von Nominativen der Comparative gehört vielleicht sahîyân X, 176, 4 hierher.
c4.s8.139
⁵ Vergl. Lanman 559.
c4.s8.140
⁶ Lanman 506. Die von Grassmann noch angeführte Stelle X, 46, 1 fällt fort; siehe das oben S. 91 über das Metrum jenes Liedes Bemerkte.
c4.s8.141
⁷ Lanman 517.
c4.s8.142
Bei Stämmen von dem Typus gir-, pur- ist die zweisylbige Messung häufig und sicher für das îr und ûr im Nominativ und vor consonantisch beginnendem Casussuffix belegt. So bei pûḥ, pûrbhiḥ I, 58, 8 ¹); 189, 2; VII, 15, 14; gîrbhiḥ VI, 21, 2; X, 92, 14. Hier findet wohl auch seine Erklärung der Vers VI, 24, 6 ậjim na jagmur || girvâho' aṣvâḥ. Es wäre ein textkritisches Wagniss, mit Grassmann die Sâmavedalesart girvâho anzunehmen, die offenbar nur, wie häufig im Sâmaveda, die scheinbare metrische Lücke auszufüllen bestimmt ist. Vielmehr ist die Schreibung gîrvâho mit zweisylbiger Messung von gîr- anzunehmen, vergl. dhûrshad, pûrbhid etc.
c4.s8.143
¹ Joh. Schmidt Voc. II, 235 schlägt pûrubhis oder purubhis vor; ich halte puurbhis für wahrscheinlicher.
c4.s8.144
Von dem Nomen go haben wir mit häufiger zweisylbiger Messung die Casus gâm, goḥ, gâḥ ²), von vi den Gen. vẹḥ; auch bei dem Acc. dyâm, der häufig zwei Sylben ausfüllt (s. die Stellen bei Grassmann; vergl. Lanman 432), kann neben der Lesung diâm die zweisylbige Messung des â in Betracht kommen. Ferner ist das â von panthâḥ, panthâm ³), kshâm, kshâḥ ⁴), vâḥ zu erwähnen.
c4.s8.145
² Lanman 431 etc.; vergl. Geldner Metrik 12. 17.
c4.s8.146
³ Lanman 441; Geldner Metrik 17.
c4.s8.147
⁴ L. 485. 556; G. 16.
c4.s8.148
Sehr häufig ist, wie bereits erwähnt, zweisylbige Geltung des e in Superlativen, bei welchen wurzelhaftes a oder ay mit suffixalem i zusammentrifft: ṣreshṭha, preshṭha ⁵), deshṭha, dheshṭha, yeshṭha. Danach wird auch für jyeshṭha sich vielfach die Annahme eines jyaïshṭha mehr als die von jieshṭha empfehlen: gegen Letzteres spricht die Seltenheit des Comparativs jiâyas sowie eine Reihe von Stellen, welche die Annahme des positionsbildenden Anlauts jy wenn auch nicht gewiss so doch wahrscheinlich machen: II, 18, 8; IV, 22, 9; VII, 86, 4; 97, 3; X, 120, 1. Wir schliessen hier deṣṇa, deyâm, dheyâm ¹) an, ferner netar praṇetar; von einzeln stehenden Worten tredhâ (s. oben S. 183), śreṇi śreṇiṣas (oben S. 182).
c4.s8.149
⁵ Wenn preshṭham I, 186, 3; VIII, 84, 1 viersylbig gilt, ist nicht mit Grassmann prayishitham zu lesen: an Vocalentwicklung zwischen Zischlaut und th ist nicht zu denken, und auch dem Metrum wird wenig genügt. Wie die Präposition pra häufig als pᵃra zu lesen ist, muss offenbar pᵃrayishṭham angenommen werden.
c4.s8.150
¹ Hübschmann Indog. Vocalsystem 13. 16; Aufrecht Rigv. II, p. XLIII.
c4.s8.151
Andre einzeln stehende Nomina mit â, î, û wie dâsa, vâja, śûra, vîra sind bereits oben (S. 172 fg.) besprochen worden; es kann etwa noch râjan (zweifelhaft: X, 61, 16. 23; vergl. X, 132, 7), nâbhi (IV, 44, 5; X, 1, 6), dûra (IV, 20, 1; X, 108, 11) u. A. m. hinzugefügt werden.
c4.s8.152
Von Pronominalformen stellen sich einige an die Seite bereits erörterter Formen des Nomens: so die Genetive auf -sâm (-śhâm), Accusative wie yàn, tâmṣ ca, asmân, der Abl. samasmât. Auch das ai von asmai ²) kann als zweisylbig gelten (III, 13, 1; V, 33, 1; VIII, 2, 41; 31, 2). Häufig ist zweisylbiges mâm ³) und vâm. Für das â von asmâkam liegen entscheidende Stellen m. E. nicht vor.
c4.s8.153
² Geldner Metrik 9.
c4.s8.154
³ Geldner Metrik 17; Gaedicke Accusativ 14.
c4.s8.155
Auf dem Gebiet der Verbalflexion begegnen zunächst einige Fälle, in denen die Contraction des Augments mit dem anlautenden Wurzelvocal aufgelöst werden muss, so bei âñjan VI, 63, 3, aurṇoḥ VII, 79, 4, âvam X, 49, 3, aichaḥ X, 108, 5, vielleicht auch bei âstâm X, 85, 11. — Zweisylbig kann das â gemessen werden, das aus thematischem a mit dem Conjunctiv-character a contrahirt ist: sphurân VI, 67, 11; vardhâs X, 50, 5 ⁴). Vermuthlich gehen vom Conjunctiv auch die aa enthaltenden Formen der Wurzeln auf â — der abstufenden wie der nicht abstufenden — aus. Standen im Conjunctiv paanti, daas neben pânti, dâs, so konnten nach diesem Muster auch zum Indicativ pânti, dâs die Formen mit aa hinzutreten ¹). Bei den zu diesen Wurzeln gehörigen Nominalformen ²) mag vornehmlich der Nom. plur. (gopâs und daneben gopaas) den Ausgangspunct für die zweisylbigen Messungen gegeben haben. Von der Aufzählung der häufigen Belege — beide Wurzeln pâ, dâ, dhâ, sthâ, yâ ³) u. A. sind hier vertreten — dürfen wir absehen.
c4.s8.156
⁴ Vergl. Geldner 9; Bartholomae Gâthâs 7. 115.
c4.s8.157
¹ Auf den Conjunctiv als die Heimath des aa weist auch der Gâthâdialect hin (Bartholomae Gâthâs 7. 115 A. 1. 119. 123).
c4.s8.158
² Lanman 443 fgg.
c4.s8.159
³ Bei dieser Wurzel kann die fehlende Sylbe auch durch die Lesung iâ gewonnen werden; an manchen Stellen aber genügt zweisylbiges â dem Metrum besser.
c4.s8.160
Mehrfach scheint das û der Wurzel bhû zweisylbig gemessen zu sein: so in bhût I, 77, 3; 173, 8; IV, 43, 4; V, 41, 16; bhûtâ VI, 50, 15; bhûtu I, 94, 12 etc.: die Belegstellen verlieren übrigens dadurch an Sicherheit, dass stets Formen wie bhuvat, bhavatu sich zu leichten Aenderungen darbieten könnten.
c4.s8.161
Häufig ist die zweisylbige Messung bei dem langen Wurzelvocal des sigmatischen Aorists: so bei akshâr, bhâk, asvârshtâm. Nicht sicher stehen dritte Personen des Aorist auf -i wie vâci (VII, 58, 6), târi (IX, 93, 5).
c4.s8.162
Von Präpositionen und Partikeln endlich ist zuvörderst die Präposition â zu erwähnen (z. B. I, 131, 6; III, 62, 16; IV, 21, 6; VI, 11, 1; 17, 12; 29, 2; VII, 56, 18; VIII, 31, 10 etc.). Fraglich scheinen vâ und mâ; dagegen ist zweisylbiges nû häufig. Die Annahme von Grassmann (Wörterb.) und Benfey (Quantitätsversch. IV, 2, 27 fg.), dass in diesem nû die Partikel u enthalten sei, betrachte ich als verfehlt: gegen dieselbe spricht einmal, dass das zweisylbige nû sich auch im Gâthâdialect findet (Bartholomae Gâthâs 8), welcher die Partikel u nicht kennt, und sodann, dass auch in nûtanasya II, 20, 4 das û zweisylbige Geltung zu haben scheint.
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