Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c5.s1: I
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c5.s1
- Language
- German
Contents
- c5.s1.t1 a. Ausnahmen von der Folge der Lieder nach abnehmender Verszahl — 42 parts
- c5.s1.t2 b. Ausnahmen von der metrischen Folge — 9 parts
- c5.s1.t3 c. Die Serienfolge — 6 parts
I
c5.s1.1
Die Familienbücher (II—VII) und das Somabuch (IX).
c5.s1.2
Bekanntlich zerfallen die Bücher II—VII in Liederserien je nach den Gottheiten, das neunte Buch ähnlich je nach den Versmaassen. In den Büchern II—VII steht jedesmal eine Agniserie und nach ihr eine Indraserie an der Spitze. Die übrigen Serien eines jeden dieser Bücher sind, wie Bergaigne ¹) gezeigt hat, im Ganzen nach ihrer absteigenden Liedzahl geordnet, so dass bei gleicher Liedzahl die Verszahl des ersten Liedes (in absteigender Ordnung) entscheidet ²); dasselbe Princip beherrscht die Ordnung der metrischen Serien von Buch IX. Innerhalb der einzelnen Serie sodann folgen die Lieder wieder nach absteigender Verszahl auf einander: ein längst bekanntes Gesetz, welches Bergaigne noch durch die Bestimmung vervollständigt hat, dass bei gleicher Verszahl die Länge des Metrums, auch hier in absteigender Richtung, entscheidet (Jagatî, Trishtubh, Anushtubh, Gâyatrî, um die selteneren Versmaasse bei Seite zu lassen).
c5.s1.3
¹ Journ. Asiatique, Sept. Oct. 1886; Févr. Mars 1887. Ich citire nach dem Separatdruck.
c5.s1.4
² Es ergiebt sich hieraus als Consequenz, dass die einzeln stehenden Lieder hinter den gruppenweise zusammengehörigen, also am Ende der Bücher, nach absteigender Länge geordnet erscheinen. Bergaigne I, 82.
c5.s1.5
Der Beweis für die regelmässige Gültigkeit dieser Sätze braucht nach den scharfsinnigen Ausführungen Bergaigne's hier nicht von Neuem geführt zu werden. Aber es wird nicht überflüssig sein, die entgegenstehenden Ausnahmen einer eingehenderen Betrachtung zu unterwerfen. Die Abgrenzung der scheinbaren unter diesen Ausnahmen von den wirklichen, die Folgerungen über die Zerlegung von Hymnenconglomeraten in ihre Theilhymnen oder umgekehrt über die Vereinigung getrennt überlieferter Stücke zu einem Hymnus, über die Ausscheidung späterer Hinzufügungen u. s. w. -- alle diese Gesichtspuncte führen auf eine Reihe noch offener Fragen, deren Beantwortung nur durch die vereinigende Prüfung aller gleichartigen Einzelheiten auf den erreichbar höchsten Grad der Bestimmtheit gebracht werden kann.
c5.s1.6
Wir beschäftigen uns zuerst mit den Verletzungen der absteigenden Liedfolge innerhalb der einzelnen Serien, sodann mit den Verletzungen der vom Metrum beherrschten Ordnung der gleich langen Lieder; endlich untersuchen wir die Fälle, in welchen die Anordnung der Serien unter einander den oben aufgestellten Regeln zuwiderläuft.
a. Ausnahmen von der Folge der Lieder nach abnehmender Verszahl
c5.s1.t1.1
Schon die flüchtigste Betrachtung zeigt, dass die Verletzungen der auf der Verszahl beruhenden Liedordnung fast ausschliesslich am Ende der Serien auftreten. Wir erörtern daher zunächst abgesondert die überaus spärlichen Verletzungen des Gesetzes im Innern derselben.
c5.s1.t1.2
II, 36. 37. Diese Lieder durchbrechen die von 33 anhebende Ordnung einzelnstehender Hymnen. Bergaigne (I, 33; vergl. aber II, 14) lässt es zweifelhaft, ob die beiden Lieder interpolirt oder ob sie zu einem Liede zu verbinden sind, in welchem Falle die Ordnung hergestellt sein würde. Der zweite Weg ist der richtige: dies lehrt die Vergleichung von I, 15, welches Lied nach der Anukramaṇî ebenso wie die Lieder II, 36. 37 an die »ṛitavaḥ«, d. h. an die Gottheiten der ṛituyâjas gerichtet ist. Auch ohne dass man die zahlreichen Uebereinstimmungen jenes einen Liedes und dieser zwei im Einzelnen verfolgt, sieht man leicht, dass es sich hier ähnlich wie etwa in den Âprîliedern oder in den Praügaliedern um eine feststehende rituelle Folge handelt, welche durch beide Hymnen II, 36 und 37 hindurchgeht. Man wird also durch Verbindung derselben zu einem Liede zugleich dem rituellen Inhalt Genüge thun und eine Ausnahme von dem Anordnungsgesetz beseitigen.
c5.s1.t1.3
V, 84. Hinter dem Parjanyalied 83 von 10 Versen und vor dem Varuṇalied 85 von 8 Versen steht ein dreiversiges Lied an die Erde; lässt man mit 83 die Reihe der Einzellieder anfangen, so verletzt es die Ordnung. Indicien jüngerer Entstehungszeit bietet das Lied nicht; immerhin ist es möglich, dass es ursprünglich nicht an jener Stelle stand, sondern wegen seines mit 83 sich nah berührenden Inhalts nachträglich dorthin geschoben wurde. Dass jene kleine Serie von Einzelliedern an verschiedene Gottheiten einer solchen Einschiebung geringeren Widerstand entgegensetzte, als die deutlich characterisirten Serien, die einer und derselben Gottheit gehören, ist wohl denkbar.
c5.s1.t1.4
VI, 15, 16-19. Nach den in 15, 1-15 an einander geschobenen Ṛcaliedern in Jagatī und Triṣṭubh und vor der Sammlung der Gāyatrī-Ṛcas (VI, 16) erscheint ein vierversiges Stück in wechselnden Versmaassen; sein Inhalt ist dem des gleichfalls interpolirten Liedes III, 29 nahe verwandt; auch der Ausdruck gārhapatyāni (V. 19) spricht für späte Entstehung. So liegt offenbar eine Hinzufügung vor, die hier ausnahmsweise vor dem Ende der Serie auftritt ¹.
c5.s1.t1.5
¹ Sollte das Stück zu einer Zeit an diese Stelle gerathen sein, als VI, 15, 1-15 und VI, 16 schon als Liedeinheiten betrachtet wurden? Dann wäre es einigermaassen begreiflich, dass es von dem ihm metrisch näher stehenden Liede 15 und nicht von 16 attrahirt wurde.
c5.s1.t1.6
IX, 5. Dieser auf den Soma pavamāna gedichtete Āprī-hymnus mit seinen durch die rituelle Natur des Āprīliedes erforderten und gesicherten 11 Versen steht zwischen den zehnversigen und den neunversigen Liedern. Es kann kaum bezweifelt werden, dass dies Lied jünger ist, als seine Umgebung. Dafür spricht das Wort prajāpatiḥ (V. 9); dafür spricht vor Allem, wie oben S. 28 Anm. 1 gezeigt ist, das Metrum. Wie die Uebertragung der Āprīliedform auf Soma offenbar eine reine Spielerei ist, hervorgegangen aus dem Wunsch, auch dem neunten Buch seinen Âprîhymnus zu geben, so wird, scheint es, auch die Einschiebung des betreffenden Liedes an fünfter statt, wie seine Länge es bedingen würde, an erster Stelle einen sehr äusserlichen Grund haben: in den übrigen Maṇḍalas steht das Âprîlied nie an der Spitze, sondern stets einige Stellen hinter derselben, z. B. wie im Maṇḍala V, gerade eben an fünfter Stelle. —
c5.s1.t1.7
Mit diesen vier Fällen, von denen der erste als bloss scheinbar fortfällt und wenigstens der vierte eine specielle Erklärung zulässt, sind alle durch die Verszahl angezeigten Verletzungen des Anordnungsgesetzes im Innern der Serien erschöpft, und so ist es kaum zu viel gesagt, wenn wir in dieser Beziehung dem Gesetz eine nahezu ausnahmslose Gültigkeit beilegen. Wesentlich anders steht es am Ende der Serien, wo neben scheinbaren Ausnahmen auch die wirklichen bedeutendere Häufigkeit zeigen. Die Grundthatsachen, welche hier der Kritik ihre Richtung zu geben haben, können wohl gegenwärtig als allgemein anerkannt und einer erneuten Beweisführung nicht bedürftig erachtet werden. Wenn hinter den kürzesten Liedern zahlreicher Serien in stehender Wiederkehr längere Sûktas auftreten, so kann und muss meist ein erster Theil derselben durch Zerlegungen auf einen Umfang zurückgeführt werden, welcher dem Anordnungsgesetz Genüge thut ¹): die sich so ergebenden Lieder sind in wenigen Fällen länger als drei Verse; gewöhnlich sind es Tṛicas und sodann zweiversige Pragâthas ¹). Hinter ihnen aber bleiben Sûktas übrig, welche der Subsumirung unter das Gesetz endgültig widerstehen und in ihrer festen Stellung am Schluss der Serien sich deutlich als Zufügungen zum ursprünglichen Bestande der Sammlung zu erkennen geben. Die Mittel, welche wir besitzen, jene scheinbaren und diese wirklichen Ausnahmen vom Anordnungsgesetz zu unterscheiden, reichen in den meisten Fällen hin, sichere Ergebnisse zu liefern. Werden durch die Abschnitte des Inhalts, durch Refrains, durch die rituelle Verwendung, durch Parallelen in andern Veden, durch metrische Besonderheiten solche Zerlegungen gefordert oder doch ermöglicht, welche einen dem Anordnungsgesetz entsprechenden Lied- resp. Strophenumfang ergeben, so wird man, namentlich wenn die betreffenden Erscheinungen — der Trica- oder Pragâtha-Umfang etc. — in einer Reihe von Fällen wiederkehren, kaum an der nur scheinbaren Natur der betreffenden Ausnahmen zweifeln können: wobei noch zu berücksichtigen ist, dass, wenn auf diese Weise irgend ein Punct der scheinbaren Anhänge sich als in Wahrheit der geordneten Serie zugehörig erwiesen hat, damit zugleich über Alles, was diesem Punct vorangeht, entschieden ist ²). Auf der andern Seite für die wirklichen Anhänge characteristisch ist ein Umfang der Stücke und ein Zusammenhang der einzelnen Verse, welcher den durch das Anordnungsgesetz gebotenen Zahlenverhältnissen widersteht: sodann vielfach ein häufiger Wechsel des Metrums und vornehmlich der moderne Character der Sprache, des Metrums (Anushtubh der Uebergangsperiode) und des Inhalts (Âkhyâna-Hymnen, Zaubersprüche u. dergl.) ¹).
c5.s1.t1.8
¹ Nachdem Delbrück zuerst einen Fingerzeig in dieser Richtung gegeben (Jenaer Literaturzeitung 1875, S. 867) und Grassmann denselben in seiner Uebersetzung durchgehend ausgenutzt hatte, habe ich (ZDMG. XXXVIII, 439 fgg.) eine zusammenhängende Behandlung der betreffenden Einzelheiten versucht, deren Resultate durch die Untersuchungen Bergaigne's werthvolle Bestätigungen erhalten haben.
c5.s1.t1.9
¹ Dass gelegentlich an solchen Stellen auch Strophen, die zu einem grösseren Ganzen zusammengehören, von den Ordnern der Samhitâ wie unabhängige Lieder behandelt worden sind, ist von mir (a. a. O. 460) und Bergaigne (I, 6 fg.) dargethan worden.
c5.s1.t1.10
² Die oben (S. 194) besprochene Ausnahme in VI, 15 steht offenbar allein da.
c5.s1.t1.11
¹ Weitere Momente für die Unterscheidung der zu zerschneidenden Schlusstheile der Serien und der eigentlichen Anhänge würden sich aus Bergaigne's Regeln über die metrische Folge und über die Folge der Serien nach ihrer Liedzahl ergeben. Ich sehe hiervon vorläufig ab, indem später untersucht werden wird, wie weit die Sicherheit geht, mit der im Einzelnen sich auf jene Regeln bauen lässt; zunächst scheint es zweckmässig, das Aussehen der Sache zu ermitteln, wie es sich bei einer von ihnen unabhängigen Analyse herausstellt.
c5.s1.t1.12
Wir versuchen nun auf Grund dieser Gesichtspuncte eine nach den Maṇḍalas geordnete Uebersicht aufzustellen, welche die scheinbaren und wirklichen Anhänge der geordneten Serien auseinanderlegt ²). Lieder, die durch Zerschneidung in Ṭricas resp. Pragâthas der Reihenfolge anzupassen sind, bezeichnen wir mit tr. resp. pr.; mit * ist bezeichnet, was als wirklicher Anhang an die ursprüngliche Serie übrig zu bleiben scheint.
c5.s1.t1.13
² Es sei hier auf den Abschnitt »Strophenbildung und Mischhymnen« (oben S. 119 fgg.) hingewiesen, der das Problem der Liedzerlegungen von anderen Seiten her in Angriff nimmt und sich mit dem hier Gesagten zu ergänzen bestimmt ist.
c5.s1.t1.14
II.
c5.s1.t1.15
* 32, 6-8. — 41 tr. Bergaigne ³), der einige dieser Ṭricas verwirft, weil sie seiner Theorie der metrischen Reihenfolge entgegenstehen, übersieht, dass dieselben — abgesehen vom letzten — in eben dieser Zusammenstellung durch die rituelle Natur des Praüga-ṣastra gefordert werden ⁴). — * 42-43.
c5.s1.t1.16
³ I, 17. 33.
c5.s1.t1.17
⁴ Vergl. Ṛv. I, 2 und 3 mit Aitareya Br. III, 1 etc. — Vers 1-18 des in Rede stehenden Liedes, in Ṭricas zerlegt, entsprechen genau der Götterfolge der Praügalitanei. Vers 19-21, allem Anschein nach auf die beiden Havirdhâna-Wagen bezüglich (Ait. Br. I, 29, 3), haben mit jener Litanei wohl nichts mehr zu thun: ein unabhängiger Ṭrica, der natürlich mit jenen Ṭricas zusammenge-rathen ist.
c5.s1.t1.18
26-27 tr. * 28-29. — 51 tr. * 52-53 ¹). — 62 tr.
c5.s1.t1.19
¹ Man bemerke die Zusammengehörigkeit der beiden Anhangslieder 28 und 52.
c5.s1.t1.20
IV. 15, 1-3 tr. * 4-10 ²). — 30-32 tr. — 37 vielleicht nach dem Metrum zu zerlegen (1-4, 5-8); dass die beiden Bestandtheile hier wie in ähnlichen Fällen dem Sammler als eins gegolten haben, ist möglich. — * 48? Oder gehört das Lied in die Reihe und ist nur Vers 5 zu streichen? — 50: zunächst sondert sich 1-6 als Einheit ab (Vers 6 deutlicher Schlussvers; 1-6 im Atharvaveda zusammen auftretend). Der Rest zerlegt sich in die Abschnitte 7-9. 10-11, die nicht den Eindruck der Zusammengehörigkeit machen. Die absteigende Verszahl würde in diesen Stücken in Ordnung sein, und gegen die Zugehörigkeit von 10. 11 zur ursprünglichen Sammlung liegt an sich kein Bedenken vor. Doch fällt die Entscheidung auch gegen dies Stück, wenn man Vers 7-9 wegen der modern aussehenden Verherrlichung der Purohitawürde verwerfen zu müssen glaubt. — 55, 1-7. 8-10. — 56, 1-4. 5-7. — * 57, 4-8. Die ersten drei Verse können ein der ursprünglichen Sammlung zugehöriges Lied gebildet haben. — * 58.
c5.s1.t1.21
² Wenn nicht das ganze Lied 15 zu den Anhängen zu stellen ist.
c5.s1.t1.22
V. 25-26 tr. 27. 28 tr. oder Anhang? — * 40, 5-9. Vers 1-4 scheint ein der Reihenfolge entsprechendes Lied zu sein (Trica mit Refrain; dahinter Schlussvers in anderm Metrum) ³). — 51, 1-4. 5-7. 8-10. * 11-15. — * 61. Als natürliche Abschnitte ergeben sich die folgenden: 1-4 Anrufung der Maruts. 5-10 Dâ- nastuti und Aehnliches. 11-13. 14-16 Tṛicas an die Maruts. 17-19 anhangsweise Anrufung an die Nacht. Man sieht, dass höchstens V. 1-4 zu dem Gesetz der Verszahlen passen würde; da aber das nächste Stück als Dânastuti mit diesem zusammenzugehören scheint, wird wohl Alles eher den Anhängen zuzurechnen sein, wofür auch das einsylbige kva in V. 2 spricht. — 78, 1-3 oder wahrscheinlicher 1-4 (Tṛica mit Refrain, dahinter Schlussvers in anderm Metrum, vergl. V, 40, 1-4) der ursprünglichen Sammlung zugehörig. * 78, 5-9 ¹). — 82 tr. Die regelmässige Tṛicatheilung und das alterthümliche Metrum des letzten Tṛica (Gâyatrî mit troch. Ausgang) macht es nicht besonders wahrscheinlich, dass ein Theil des Sûkta den Anhängen zuzurechnen ist. -- * 87.
c5.s1.t1.23
³ Dass hinter Vers 4 und nicht mit Bergaigne (I, 17) hinter Vers 3 zu zerlegen ist, zeigt der Inhalt deutlich. Das Metrum steht nach dem oben S. 146 Ausgeführten nicht entgegen.
c5.s1.t1.24
¹ Vielleicht ist die Sonderstellung dieser Verse der Grund, dass in der Vargatheilung das Lied 78 nicht, wie bei neunversigen Liedern die Regel ist, in 5 + 4, sondern in 4 + 5 Verse zerlegt ist. Der Bau des Liedes 78, 1-4 ist genau demjenigen des eben besprochenen Liedes V, 40, 1-4 gleich.
c5.s1.t1.25
VI.
c5.s1.t1.26
15, 1-15 tr. (über * 15, 16-19 s. oben S. 194); 16 tr. — 44-45 tr. 46 pr. * 47. — In Bezug auf die in 51 und 52 geforderten Zerlegungen scheinen mir die folgenden Momente in Betracht zu kommen. Auf Grund des Metrums scheiden sich zunächst die Abschnitte 52, 1-6. 7-12. Sollen diese sechsversigen Stücke so stehen bleiben, oder soll durch ihre Halbirung eine Reihe von Liedern in der so häufigen Tṛicaform hergestellt werden? Ich meine das Letztere. Denn für die Trennung von 52, 1-3 (Gebet gegen den atiyâjasya yashtar, den brahmadvish) und 4-6 spricht die Verschiedenheit des Inhalts; haben wir aber hier Tṛicas, so ist nach dem Gesetz der Verszahlen in 7-12 kein sechsversiges Lied zu erwarten, und in der That macht V. 9 den Eindruck eines Schlusses, V. 10 den eines Neuanfangs. Es kommt aber, um die Zerlegung dieser zwölf Verse in Tricalieder — erst zwei in Trishtubh, dann zwei in Gâyatrî — zu empfehlen, noch die Rücksicht auf 51 hinzu: die am Schlusse dieses Sûkta vom Vorhergehenden sich offenbar — nicht nur metrisch — abtrennenden Verse 13-16 ¹) stehen dann als vierversiges Lied genau an der rechten Stelle vor den Tricas. So ergiebt sich folgendes Resultat: 51, 1-12. 13-16. 52, 1-12 tr. * 13-17.
c5.s1.t1.27
¹ Gegen die, so viel ich sehe, durch nichts gestützte Auffassung derselben als späteren Zusatzes spricht ihre Stellung vor den offenbar der Serie zugehörenden Tricas von 52.
c5.s1.t1.28
59, 1-6. 7-10. 60, 1-12 tr. Ob 13-15 als ein weiterer Trica der Serie oder als Anhang aufzufassen ist, wird nicht bestimmt zu entscheiden sein ²). — 61, 1-12 tr.; 13-14 zweiversiges Lied. — * 74-75.
c5.s1.t1.29
² Bei strenger Durchführung des Bergaigne'schen Gesetzes über die Serienfolge müsste hier ein Anhang vorliegen.
c5.s1.t1.30
VII.
c5.s1.t1.31
15 tr. ³) 16 pr. * 17. — 31 tr. 32 pr. * 33. — * 55 ⁴). — 59, 1-6 pr. ⁵) 7-8 der Serie zugehörig oder Anhang? * 9-11. * 12 (späteste Zufügung; im Padapâtha nicht abgetheilt). — 66, 1-9 tr. 10-16 pr. ⁶). * 17-19. — 74 pr.. — 81 pr. — 94 tr. — 96, 1-3 (erweiterter Pragâtha; vergl. oben S. 106). 4-6 zur Serie gehörig oder Anhang? ¹) — * 103. Das Froschlied scheint wegen Vers 1 als Anhang zur Parjanyaserie (101. 102) gesetzt zu sein. — * 104 (schwerlich ist auch nur der erste Theil des Liedes der ursprünglichen Sammlung zuzurechnen).
c5.s1.t1.32
³ Die Gâyatrî-tricas sind hier in der Ueberlieferung zu einem Sûkta verbunden; die Trishtubh-tricas 12-14 offenbar nur deshalb nicht, weil die bekannten Schlussworte yûyam pâta etc. ihre Selbständigkeit allzu augenfällig machten.
c5.s1.t1.33
⁴ Vers 1 könnte für sich ein Sûkta bilden und als Schluss der geordneten Serie anzusehen sein; offenbar steht der Vers ausser Verbindung mit dem Folgenden.
c5.s1.t1.34
⁵ Für die Zerlegung von 56 in mehrere Hymnen, wie Bergaigne vorschlägt, sprechen, wie mir scheint, keine ausreichenden Momente; dagegen entscheidet die offenbare Parallelität von Lied 34. Vergl. auch den Abschnitt über dvipadâ virâj in der Metrik, S. 97 fg.
c5.s1.t1.35
⁶ Vers 16 gehört dem Pragâtha 14-15 als Erweiterung an (vergl. S. 105); Inhalt wie Metrum verbieten ihn mit Bergaigne zum Folgenden zu ziehen.
c5.s1.t1.36
IX.
c5.s1.t1.37
61-67, 18 tr. * 67, 19-32. Ich nehme 67, 18 als wahrscheinlichen Endpunct der geordneten Serie an, weil der metrisch eigenthümliche Tṛica 16-18 (dvipadâ gâyatrî) passend den Abschluss der Gâyatrî-Partie geben würde. An sich könnte aber auch 19-21 noch als ein der Serie zugehöriger Tṛica anzusehen sein. Von 22 an ist der Character der Hinzufügung nicht zweifelhaft. — 85 ist in Lieder von je vier Versen zu zerlegen. 86 tr. — 96 zu je vier Versen zu zerlegen. 97 tr. (sicher bis V. 54; in 55-58 liegt eine Störung vor, über deren Natur ich nicht zu entscheiden wage). — 100, 1-5. 6-9 ²). 101 tr. (V. 16 steht als Einzelvers, vielleicht als spätere Hinzufügung, für sich). — 106, 1-12 tr.; 13-14 ein zweiversiges, vermuthlich der ursprünglichen Serie zugehöriges Lied ³). Die vorangehenden Lieder derselben Serie (102-105) wird eine Kritik, die sich nicht durch den Wunsch den Serien bestimmte Liedzahlen aufzunöthigen zu Wagnissen bestimmen lässt, schwerlich Anlass finden zu zerlegen ⁴). — 107-108 pr. — 109 tr.; der letzte Vers (22)
c5.s1.t1.38
¹) Anders Bergaigne I, 40. Warum 95 in zwei Tṛicas zerlegt werden soll, sehe ich nicht.
c5.s1.t1.39
²) Für die Begründung dieser Zerlegung verweise ich auf S. 128. — Bergaigne's (I, 25) Zerlegung von 98. 99 ist ähnlich zu beurtheilen wie diejenige von 102-105, s. Anm. 4.
c5.s1.t1.40
³) Dass hinter Vers 14 noch ein den Tṛica vollmachender Vers ausgefallen ist (Bergaigne I, 26), wird dadurch unwahrscheinlich, dass der Sâmaveda, um einen Tṛica herzustellen, zu IX, 101, 13 greifen musste.
c5.s1.t1.41
⁴) Die Lieder in ihrer überlieferten Abgrenzung zeigen in Bezug auf ihre Verszahlen genau das in den übrigen Serien stehend wiederkehrende Aussehen: abnehmende Verszahlen; zum Schluss Störung der Reihe. Die Präsumtion könnte als Erweiterung des Tṛica 19-21 anzusehen sein, welcher bei der Anordnung so wenig gezählt wurde, wie etwa IX, 107, 16. — 110 tr. ¹). — * 112-114. Diese Paṅkti-lieder werden durch das Versagen der Anordnung, durch ihren von den übrigen Pavamânaliedern sich weit entfernenden Inhalt und durch die Characteristica der Sprache und des Metrums als Zusätze erwiesen.
c5.s1.t1.42
¹ Wenn nicht Vers 4-9 als ein Stück aufzufassen ist; vergl. oben S. 130. — Die Zugehörigkeit dieser in seltenen Versmaassen abgefassten Stücke zur ursprünglichen Sammlung zu beanstanden finde ich keinen hinreichenden Grund.
b. Ausnahmen von der metrischen Folge
c5.s1.t2.1
Innerhalb jeder Serie sind die Lieder von gleicher Verszahl in der Regel nach der absteigenden Reihenfolge der Metra geordnet (Jagatî, Triṣṭubh, Anuṣṭubh, Gâyatrî). So sicher dies von Bergaigne gefundene Gesetz im Grossen und Ganzen sich bewährt, so bedenklich scheint es mir, auf Grund desselben die einschneidenden Operationen zu wagen, welche zu seiner ausnahmslosen Durchführung unentbehrlich sind. Glaubt man aus den Verletzungen jenes Gesetzes auf Störungen des ursprünglichen Textzustandes schliessen zu dürfen — sei es nun, dass einzelne Verse oder dass ganze Lieder dem echten Text hinzugefügt sein sollen —, wie kommt es dann, dass solche Störungen im Innern der Serien so oft das Gesetz der metrischen Folge, aber nie zugleich
c5.s1.t2.2
spricht also für dieselbe Behandlung, die anerkanntermaassen in den analogen Fällen eintreten muss: Belassen der Lieder in ihrem überlieferten Umfang, so weit die abnehmende Ordnung reicht (hier: 8. 6. 6. 6); Auflösungen am Schluss. Aller Analogie nach wären, wenn nur Tṛicalieder vorlagen, dieselben zu einem oder zwei Complexen vereinigt worden, würden aber nicht als viele, noch obendrein dem Anordnungsgesetz entsprechende Lieder erscheinen. Der Text selbst lädt absolut nicht zu den von Bergaigne (I, 25 fg.) vorgeschlagenen Zerschneidungen ein; in 102 widerstrebt denselben die Verszahl 8, in 103 das stehende Anfangswort pari, in 104. 105 die Vâlakhilya-artige Parallelität der beiden Lieder (vergl. Pañc. Br. XIII, 11, 3. 4; XIV, 5, 4).
c5.s1.t2.3
dasjenige der Folge nach der Verszahl durchbrochen haben? Wir sahen, dass die nahezu unabänderliche Stelle der später hinzugefügten Lieder das Ende der Serien ist; dort beobachtet man in stehender Wiederkehr ein Zusammentreffen von Störungen der Verszahl mit sprachlichen und metrischen Indicien jüngerer Herkunft. Nichts derartiges lässt sich von den Fällen sagen, in welchen die übliche Folge der Metra vernachlässigt ist. Die Hymnen, welche auf Grund dieser Erscheinung gestrichen werden sollen, passen der Verszahl nach an ihre Stellen; den allermeisten von ihnen fehlt auch jedes sonstige Kriterium später Entstehung. Die einzelnen Verse, die gestrichen werden sollen — in einer Reihe von Fällen die Schlussverse mehrerer Lieder hinter einander —, sind an sich unverdächtig und bringen die Liedfolge nach der Verszahl nicht in Unordnung. Vielleicht möchte man diesen Bedenken zu entgehen suchen, indem man Interpolationen, welche nur die metrische Ordnung, aber nicht die Verszahl verletzen, als eine ältere Schicht von denen der andern Art unterschiede. Aber einem solchen Ausweg steht meines Erachtens entgegen, dass in manchen der betreffenden Fälle — dass es in allen gelingen sollte, wird man nicht erwarten — sich direct plausible Gründe dafür geltend machen lassen, dass die Lieder unter Abweichung von der sonst üblichen Succession der Metra eben in diese Reihenfolge gebracht worden sind. Man betrachte etwa den Fall von VI, 44. 45. Hier liegen die Tricacomplexe einer Indaserie vor; die Versmaasse sind die folgenden:
c5.s1.t2.4
44, 1-6 2 Tricas in Anushtubh. { 7-9 1 T. in einer Abart der Trishtubh. 10-24 5 T. in Trishtubh. 45 11 T. in Gâyatrî.
c5.s1.t2.5
Weil hier die Trishtubh, der sonstigen Gewohnheit zuwider, der Anushtubh nachfolgt, will Bergaigne die sechs Ṭricas 44, 7-24 streichen. Die Sprache dieser Abschnitte enthält nichts, was auf junge Herkunft hinwiese; die regelmässige Folge von 6 (oder wenn man will 5) gleich langen Liedern in demselben Versmaass trägt den deutlichen Stempel der ursprünglichen, geordneten Sammlung im Gegensatz zu der unförmlichen Regellosigkeit der Zusätze; und endlich — sollen dieser Indraserie Ṭricas in Trishṭubh überhaupt gefehlt haben? Zu einer Streichung der sechs Lieder werden wir uns also nicht berechtigt fühlen. Wohl aber scheint sich auf anderm Wege eine hinreichende Erklärung der ungewöhnlichen Anordnung zu finden. Lied 43 hat Vers für Vers den Refrain: ayam sa soma' indra te sutaḥ piba; mit einem auf dies ayam bezogenen Relativpronomen fängt jeder Vers an. Ganz ähnlich sieht unter den Ṭricas von 44 einer, und zwar der erste, in unmittelbarer Nachbarschaft von 43 stehende aus: jeder Vers hat denselben, dem Refrain von 43 sehr ähnlichen Ausgang somaḥ sutaḥ sa' indra te asti svadhā-pate madaḥ, und in jedem Verse weist ein an der Spitze stehendes Relativum auf diesen Ausgang hin. Dürfen wir es nicht für wahrscheinlich halten, dass eben wegen dieser Gleichartigkeit die beiden Lieder neben einander gestellt, und dass auf diese Weise das letztere — und dann natürlich auch das ihm durch gleiche Länge und gleiches Versmaass verbundene Stück 44, 4-6 — vor die Trishṭubh-Ṭricas gerathen ist?
c5.s1.t2.6
Wir wenden uns zu einem andern Fall. V, 57-60 sind vier Lieder von gleicher Länge; das erste und dritte ist überwiegend in Jagatī verfasst; ein Trishṭubhlied steht hinter ihnen (60), ein andres (58), dem Gebrauch entgegen, zwischen ihnen. Bergaigne will 59 und 60 am Ende um einen resp. zwei Verse verkürzen. Es ist wahr, dass diese Verse ein andres Metrum haben, als die Lieder selbst, aber eben im fünften Buch ist nichts häufiger, als ein derartiger Wechsel des Versmaasses als Kennzeichen des Liedausgangs. Ich glaube, dass für die Ordnung dieser Lieder der Umstand entscheidend gewesen ist, dass 57 und 58, wenn auch das erste Lied überwiegend in Jagatî, das zweite in Trishtubh verfasst war, als zwei Parallelhymnen mit demselben Schlussvers zu einander gehörten: diese, gewissermaassen den compacten Haupttheil der ganzen Gruppe bildend, stellte man voran, geordnet nach der Reihenfolge Jagatî-Trishtubh, und ihnen liess man in derselben Ordnung die beiden einzeln stehenden Hymnen folgen.
c5.s1.t2.7
Mich bestärkt in dieser Auffassung, dass sich auf demselben Wege auch an einer andern Stelle die Verletzung der metrischen Reihenfolge erklärt, in Bezug auf IV, 43-45. Unter diesen gleich langen Hymnen gehen zwei Trishtubhlieder einem Jagatîliede voran: aber auch hier bilden die beiden ersteren ein Paar von Parallelhymnen, gekennzeichnet durch den gleichen Schlussvers, und als solche offenbar den Vorrang erhaltend.
c5.s1.t2.8
Etwas anders, aber doch vergleichbar ist die Sachlage bei den Ṛibhuhymnen IV, 35. 36: gleichfalls ein Jagatîlied nach einem Trishtubhliede. Hier ist wohl die Ordnung durch ein Moment des Inhalts resp. der rituellen Verwendung beeinflusst worden. Durch das Lied 35 gehen in fortwährenden Wiederholungen die Ausdrücke ratnadheyam, ratnadhebhiḥ, ratnam dhâta hindurch, welche sich unter den übrigen Liedern dieser Ṛibhuserie in 33. 36. 37 auch nicht ein einziges Mal, wohl aber in 34, und zwar hier ebenso stehend wie in 35 finden. Der gemeinsame Bezug dieser beiden Lieder auf das ratnadheyam wird bewirkt haben, dass sie neben einander gestellt wurden, und dass also 35 vor 36 zu stehen kam, obgleich jenes Lied in Triṣṭubh, dies in Jagatī verfasst ist.
c5.s1.t2.9
Die gegebenen Auseinandersetzungen zeigen wohl hinreichend, dass die Regel der metrischen Reihenfolge nicht in dem Sinne als ausnahmslos gelten kann, um für Versausstossungen oder Liedausstossungen eine genügend sichere Basis zu liefern. Wir werden, scheint es, die Vorsicht kaum zu weit treiben, wenn wir von der Bestimmtheit, mit welcher jene Regel durch ihren Entdecker formulirt worden ist, ein wenig nachlassen. Die Lieder mit gleicher Verszahl, so werden wir uns auszudrücken vorziehen, sind nach sonstigen Momenten der Zusammengehörigkeit unter einander gruppirt worden: unter solchen Momenten aber war allerdings dasjenige, welches am stehendsten und augenfälligsten sich darbot, unzweifelhaft das metrische. Neben diesem jedoch konnten, meinen wir, auch andere Momente entscheiden, bisweilen vielleicht nicht zu ermittelnde: und wenn wir hier sogar ein gelegentliches Wirken des reinen Zufalls nicht für ausgeschlossen halten, so wird dieser Mangel an Vertrauen zu der durchgehenden, ich möchte sagen maschinenmässigen Exactheit der Saṃhitâordner vielleicht nicht für ganz unnatürlich gehalten werden.
c. Die Serienfolge
c5.s1.t3.1
Wurde schon die Folge der einzelnen Hymnen gelegentlich von Neigungen beherrscht, die doch nicht ausnahmslose Gesetze waren, so ist es natürlich, dass auch die Ordnung der ganzen Serien ähnliche Erscheinungen aufweist: um so viel mehr, als zu einer absolut exacten Handhabung der Serienordnung offenbar ein weitläufigeres Vor- und Rückwärtsblicken erforderlich war und die hier in Betracht kommenden Momente eine wesentlich geringere Uebersichtlichkeit und Einfachheit besassen, als wo Hymnus für Hymnus neben einander gestellt werden sollte. Wenn gleichwohl Bergaigne’s (I, 25 fgg.) Uebersicht über die Serien eine fast — übrigens auch nicht ganz — ausnahmslose Reihenfolge derselben nach abnehmender Liedzahl, in zweiter Linie nach abnehmender Verszahl des ersten Liedes aufweist, so hängt dies, glaube ich, mit einem wesentlichen Vorwurf zusammen, von welchem die so werthvollen Untersuchungen jenes Forschers kaum freigesprochen werden können. Das einzelne vedische Sûkta ist ihm, wenn ich mich nicht täusche, zu wenig eine concrete, individuelle Wesenheit, die mit bestimmten Eigenthümlichkeiten ihrer Form und ihres Inhalts Anspruch auf eine bestimmte Behandlung macht: er erblickt allzusehr in dem Sûkta einen mathematischen Begriff, ein Lied von so und so viel Versen in dem und dem Metrum, über welches der Kritiker eine ähnliche Herrschaft besitzt, wie der Rechner über eine arithmetische Grösse, die er durch Subtraction verkleinern, durch Division zertheilen darf ohne dem Substrat, welches er verkleinert oder theilt, eine nähere Betrachtung schuldig zu sein. Beschäftigt man sich mit den Liedzerlegungen hingegen so, dass man dem Aussehen jedes einzelnen Falles ein grösseres Gewicht einräumt, als der Tendenz, bestimmte Zahlenverhältnisse durch ihre absoluten Consequenzen hindurch zu verfolgen, so wird man hier ebenso wie bei dem Gesetz der metrischen Anordnung auf eine solche Reihe von Ausnahmen zur Bergaigne’schen Regel stossen, dass man kaum den Muth haben wird, gewaltsamere Operationen zur Durchführung derselben zu wagen. Wir machten beispielsweise oben (S. 201 Anm. 2 und 4) darauf aufmerksam, dass die Anushtubh- und Ushnihserie des neunten Buches nicht, wie B. will, 14 resp. 12—13 Lieder, sondern eine erheblich geringere Anzahl ergeben, so dass ihre Stellung vor den 12 Bârhata Pragâthas nicht mehr dem Gesetz entspricht. Aehnlich ist im siebenten Buch nicht nur, wie B. selbst früher mit Recht zugab ¹), die Stellung der Marutserie (wohl 7 Lieder) vor der Âdityaserie (12 Lieder) in Unordnung, sondern ein ähnlicher Anstoss kehrt bei der Indrâgnîserie wieder ²). Behandelt man Lied 94 ohne Voreingenommenheit, so wird man es zerlegen, wie man alle übrigen die Reihe scheinbar verletzenden Lieder von VII zerlegt (soweit sie nicht aus Pragâthas bestehen), in Tricas, wie sich dem auch der Inhalt ³) hier genau so gut wie an allen andern Stellen fügt. Dann besteht aber die Indrâgnîreihe aus fünf Liedern, und ihre Stellung hinter mehreren Serien von 4 und 3 Liedern ist anomal. Glaubt man sich nun doch zu Operationen berechtigt, welche der Serie in Bezug auf die Liedzahl (3 Lieder) den richtigen Platz verleihen, so bleibt immer noch das Factum übrig, dass dann eine Liedtriade mit einem achtversigen Anfangslied hinter einer solchen mit einem siebenversigen Anfangslied steht: so müssen also weiter, der Anordnung zu Liebe, zwei Verse eines am Anfang der Serie stehenden Liedes getilgt werden ⁴). — Aehnlich wird bei IV, 42 nicht Jeder es leicht finden, sich von der Zweitheilung des Liedes, der Serienordnung zu Liebe, zu überzeugen; überwindet man aber die Bedenken dagegen, so hat immer noch Lied 41 mindestens einen Vers mehr, als es nach dem B.’schen Princip haben dürfte.
c5.s1.t3.2
¹ I, 39. Später (II, 10 fg.) hat er den Anstoss durch die Verbindung einer Reihe von Operationen zu beseitigen versucht, von denen, scheint mir, jede für sich allein wenig Wahrscheinlichkeit hat.
c5.s1.t3.3
² Vergl. Bergaigne II, 15. 17.
c5.s1.t3.4
³ Ebenso die Sâmavedaparallelen.
c5.s1.t3.5
⁴ Die Evidenz davon, dass 93, 7. 8 eine Zufügung sein sollen, kann ich nicht einsehen.
c5.s1.t3.6
Die angeführten Fälle, denen sich weitere zur Seite stellen lassen, werden genügen, um es zu rechtfertigen, wenn wir von der Benutzung der Serienfolge zum Zweck kritischer Operationen in Bezug auf die einzelnen Lieder absehen.
Cites (4)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit
- Pañcaviṃśabrāhmaṇa — Sanskrit
- Aitareyabrāhmaṇa — Mahidāsa Aitareya, Sanskrit
- Sāmavedasaṃhitā — Sanskrit