Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.11
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.11
- Language
- German
c6.11
Haben wir hier schon das Gebiet der auf blosse Nachlässigkeit zurückführbaren Varianten verlassen und Textabweichungen constatirt, welche die absichtliche Alteration des Gegebenen auf der einen Seite voraussetzen, so verräth sich eine gleiche Absichtlichkeit auch in der Consequenz, mit welcher gewisse Varianten an zahlreichen Stellen immer wiederkehren. So findet sich der im Ṛigveda häufige Genetiv avyas ¹) (verbunden mit vâra) im Sâmav. stets in der Gestalt avyâs (s. die Sâman-Parallelen zu Ṛv. VIII, 2, 2; IX, 6, 1; 7, 6; 12, 4; 20, 1; 38, 1; 50, 3); nur einmal (IX, 28, 1) entspricht im Sâmaveda das adjectivische avyam (vâram). Weniger consequent ist die Differenz der beiden Texte in Bezug auf das alterthümliche, früh nahezu ungebrauchlich gewordene ²) Wort îm: an den meisten Stellen des Sâmav. hat es sich erhalten; aber es ist gewiss kein Zufall, wenn für Ṛv. IX, 75, 3 abhîm ṛitasya dohanâ’ anûshata und ebenso 77, 1 abhîm ṛitasya sudughâ ghṛitaṣcutaḥ im Sv. beidemal die Lesart abhy ṛitasya erscheint, wenn IX, 86, 17 abhi dhena-vaḥ payasem aṣiṣrayuḥ im Sv. mit der Variante payased wiederkehrt, und I, 81, 1 der Sv. für utem (= uta îm) ûtim liest. Mit der beginnenden, aber entfernt nicht durchgeführten Beseitigung des îm aus dem Texte mag es verglichen werden, wenn die zweisylbig zu messenden Vocale, die man im Grossen und Ganzen aus dem Sâmaveda-Text nicht herauscorrigirt hat, doch in einer Reihe von Stellen verschwunden sind, die gross genug scheint, um einen blossen Zufall auszuschliessen. So ist VIII, 1, 5 dreisylbiges deyâm unter Verletzung der Construction durch dîyase, IX, 18, 1 akshâr durch aksharat, VI, 46, 5 prâḥ durch paprâḥ ersetzt worden; VIII, 19, 4 ist die Dreisylbigkeit von ṣreshṭha- durch die Einfügung eines u, VIII, 70, 7 die von âpat durch Einschiebung von tam beseitigt. Es mag hier auch VIII, 17, 14 drapso bhettâ purâm ṣaṣvatînâm erwähnt werden; schwerlich würde der Sv. den Vers durch die Umstellung von purâm und bhettâ zerstört haben, wenn seine Redactoren über die Form puraam und damit über den durchaus einfachen und regulären metrischen Bau der Zeile im Klaren gewesen wären ¹).
Linked texts (1)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit