Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.120
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.120
- Language
- German
c6.120
Man sieht, dass auch hier V ohne jede Abweichung mit R stimmt, und ferner, dass die durch V R vertretene Textrecension, bis auf eine einzige Abweichung in Vers 4, auch durch den Text von S gestützt wird. Auf der andern Seite erweisen sich TM durch einige Textvarianten wie durch die Versfolge als zusammengehörig; es wiederholt sich jedoch die Erscheinung, dass diese Texte ihr gemeinsames Original im Einzelnen mit vielen Freiheiten und Abweichungen reproduciren. Untersuchen wir den Werth der einzelnen Varianten, so dürfte den Abweichungen der Versfolge kaum ein Resultat abzugewinnen sein¹. Die wichtigste, einer Erwägung bedürftige Variante ist die in Vers 2, wo für priṇakshi rodasî ubhe (RVS) die schwarzen Yajustexte haben obhe priṇâsi rodasî (M) resp. ubhe priṇakshi rodasî (T). Unter den beiden letzteren Formulierungen ist es offenbar, wie Ṛv. VIII, 64, 4 wahrscheinlich macht, die von M, von welcher auszugehen ist und die im Grundtext von TM gestanden haben wird, während in T diese Lesart durch den Einfluss der in RVS erscheinenden afficirt ist. Erwiese sich die Autorität der Yajusredaction im Uebrigen als zulänglich gegenüber dem — in diesem Falle obendrein durch den Sâmaveda unterstützten — Ṛigveda, so würde selbstverständlich gegen obhe pṛṇási rodasî nichts einzuwenden sein. Unsre Darlegung wird aber immer mehr zeigen, wie bedenklich es ist, auf die Autorität des Yajus als solche sich zu verlassen. Zudem ist es schwer verständlich und unwahrscheinlich, dass in verhältnismässig später Zeit in der guten Ueberlieferung von R aus obhe pṛṇási rodasî nicht sowohl durch einfache Corruptel, sondern unter durchgreifender Umgestaltung des ganzen Wortlauts pṛṇakshi rodasî ubhe hätte werden können. Der umgekehrte Vorgang ist viel leichter begreiflich: nichts ist häufiger, als die Verbindung von â apṛṇat, â apṛṇât, â pṛṇa, â pṛṇási, â paprâtha u. s. w. mit dem Object rodasî¹). So lag es für die Diaskeuasten ungemein nahe, dieses geläufige pṛṇási statt pṛṇakshi in den Text einzuführen, wobei dann als der bequemste Weg für die Präposition â Raum zu schaffen sich die Annahme der in VIII, 64, 4 vorliegenden Formulirung obhe pṛṇási rodasî darbot. Sollten wir conjiciren — wozu aber das unanstössige, wenn auch zufällig an keiner andern Stelle mit demselben Object wiederkehrende pṛṇakshi²) durchaus keinen Anlass giebt —, so wäre es das Gebotene von der in R überlieferten Wortstellung auszugehen und innerhalb dieser pṛṇási statt pṛṇakshi zu setzen: dann würde aber die nicht unterzubringende Präposition einen ernsten Stein des Anstosses bilden³). Mit einem Wort: die Lesung von M würde Beachtung verdienen, wenn das Gewicht der betreffenden Ueberlieferungslinie anderweitig feststände; für dies Gewicht aber einen Beweis abzugeben ist die vorliegende Stelle nicht geeignet.
Cites (1)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit