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Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.162

Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.162

Language
German

c6.162

Auf die im Atharvaveda (excl. Buch XX) vorliegende Textgestalt der Ṛigverse finden die Beobachtungen, welche wir in Bezug auf den Sâmaveda und auf die schwarzen Yajurveden machten, vielleicht noch in verstärktem Maasse Anwendung. Die lockerere Fügung, der nicht in gleicher Weise wie bei jenen Veden feststehende canonische Character des Atharvaveda bedingte offenbar eine noch weitergehende Wirkung der Nachlässigkeiten einerseits, der modernisirenden Tendenzen andrerseits, welche wir in der Textbehandlung jener andern Veden nachgewiesen haben. Wir dürfen uns für diese deutlich am Tage liegenden Erscheinungen mit wenigen Beispielen begnügen. Wie im Atharvaveda gewisse später zur Alleinherrschaft gelangte Formen, Declinationsendungen u. s. w. in viel höherem Procentsatz den alten, später verdrängten Formen gegenüberstehen als im Ṛigveda¹), so herrscht auch die Tendenz, in den aus dem Ṛv. stammenden Versen jene dem älteren Gebrauch angehörigen Formen zu beseitigen. So lässt sich beispielsweise sehr häufig im Atharvaveda das Auftreten von Absolutivis auf -tvâ beobachten, wo im Ṛigveda andre, später ausser Gebrauch gekommene Formen überliefert sind: so Ṛigv. X, 14, 8 hitvâ (mit Hiatus) für hitvâya, X, 15, 12 kṛitvâ für kṛitvî, X, 85, 29 bhûtvâ für bhûtvî, X, 85, 33 dattvâ für dattvâya. Formen des Instr. plur. auf -ebhis sind im Av. vielfach beseitigt worden; so X, 14, 5 yajñiyebhis, das. 7 pûrvyebhis; X, 85, 32 sugebhis. Von der Wurzel grabh (grah) kennt der Av. vor folgendem ṇ fast ausnahmslos nur die Formen mit h; so werden denn auch in den Ṛigversen, welche Formen mit bhṇ enthalten, diese durch die moderneren ersetzt: so IX, 86, 43 gṛibhṇate; X, 85, 36 gṛibhṇâmi. — X, 85, 20 ist im Ṛv. überliefert: syonam patye vahatum kṛiṇushva; der Av. liest patibhyo und kṛiṇu tvam. Es ist klar, dass die Aenderung von patye in patibhyas (vergl. Vers 38) auf der im Atharvaveda weitaus überwiegenden zweisylbigen Messung des Worts syona beruht, das im Ṛigveda ausnahmslos dreisylbig ist (siona)¹). — Für den alten Nom. plur. panthâs X, 85, 23 giebt der Av. trotz der dadurch entstehenden metrischen Unebenheit das moderne panthânas. Der alte Dativ yudhaye X, 84, 4 hat dem modernen yuddhâya, der Nominativ adurmaṅgalîs X, 85, 43 der Form adurmaṅgalî²) weichen müssen. — So wie wir auch im Sâmaveda ein Vordringen des so sehr im Vordergrunde der jüngeren vedischen Denk- und Redeweise stehenden Nomens diṣ bemerkt haben, setzt der Av. gleichfalls X, 15, 2 dikshu für vikshu³). Damit steht es auf einer Linie, wenn X, 85, 43 das im späteren Veda so häufige Compositum ahorâtra, welches im Ṛv. sich nur einmal im vorletzten Sûkta der ganzen Sammlung findet, das sicher richtige âjarasâya¹ verdrängt hat. Dass X, 85, 13 die alten Nakshatranamen aghâsu arjunyos, von denen der eine ganz, der andre fast² verschollen ist, beseitigt und statt ihrer die modernen maghâsu, phalgunîshu in den Text gesetzt sind, versteht sich von selbst.

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