Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.201.1
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.201.1
- Language
- German
c6.201.1
Dass der Text, wie ihn die zweite Periode von der ersten empfing, an hundert Stellen nicht derjenige der Liedverfasser selbst gewesen ist und gewesen sein kann, braucht ja Niemandem erst gesagt zu werden. Den Glauben an die Unfehlbarkeit unsrer Ueberlieferung zu bekämpfen ist heute nicht mehr nöthig. Wohl aber darf es ausgesprochen werden, dass, alle jene unleugbaren Verderbnisse im Einzelnen zugegeben, doch im Allgemeinen der Text an dem Punct, wo ihn die zweite Periode überkam, auf einem bemerkenswerth hohen Niveau der Authenticität gestanden hat. Es ist nicht schwer, eine erhebliche Reihe verschiedenartiger Erscheinungen in Bezug auf das Detail der Textgestalt zusammenzustellen, von denen gesagt werden kann, dass sie schon in sehr früher Zeit, lange vor dem Abschluss jener ersten Periode, in Verwirrung gerathen und verwischt werden mussten, wenn nicht schon damals eine auch den Buchstaben schützende Sorgfalt erfolgreich über dem Text waltete. An derartigen Erscheinungen lässt sich die Entscheidung darüber, wie es mit solcher Sorgfalt in der alten und ältesten Zeit bestellt war, leicht gewinnen. Man betrachte z. B. den dualischen Nom. Acc. Voc. auf -â und auf -au. Die Untersuchungen Lanman's (340 fg., 574 fg.) haben einerseits die ursprüngliche Abgrenzung der beiden Gestalten dieses Casus, andrerseits das Auftreten und Anwachsen von Verwischungen der Norm klar gestellt.