Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.55
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.55
- Language
- German
c6.55
Den Momenten, durch welche wir bisher die überwiegende Vortrefflichkeit des Riktextes gegenüber dem des Sâmaveda darzuthun versucht haben, stehen selbstverständlich, wie in dem zuletzt Gesagten bereits berührt ist, überaus zahlreiche andre Fälle zur Seite, in welchen die beiden Veden zwei an und für sich gleich mögliche Lesarten aufweisen: wie sollen auch die Anordner des Sv., selbst wenn sie sich ein noch so willkürliches und ungeschicktes Verfahren erlaubten, in jedem einzelnen Fall unabänderlich nur auf solche Lesarten, die sich unmöglich verrathen, verfallen sein? Wenn III, 9, 1 sich gegenübersteht apâm napâtam subhagam sudîditim und a. n. s. sudamsasam, oder V, 38, 1 urosh ṭa’ indra râdhasaḥ und vibhosh ṭa’ i. r., so ist natürlich eine Entscheidung aus inneren Gründen undenkbar. Nur das grössere Gewicht der Bezeugung kann hier den Ausschlag geben, und somit muss, wenn die im Obigen versuchte Characteristik der Sâman-Lesarten zutreffend ist, diese Entscheidung im zweifelhaften Falle durchaus zu Gunsten der Ṛigüberlieferung ausfallen — falls sich nicht etwa dem Sündenregister des Sâmantextes, aus dem wir eine Anzahl von Proben mitgetheilt haben, eine wenigstens annähernd gleiche Gegenrechnung zu Ungunsten des Ṛv. gegenüberstellen lässt. Dass hiervon nicht die Rede sein kann, hat mir die vergleichende Prüfung der beiden Texte je länger je entschiedener gezeigt. Sie hat mir die Ueberzeugung gegeben, dass in einigen wenigen Fällen der Sv. in der That brauchbare Verbesserungen des Riktextes giebt, dass aber diese Stellen entfernt nicht hinreichend sind, um die Berechtigung der aus den obigen Erörterungen sich ergebenden Präsumtion, welche im zweifelhaften Falle stets zu Gunsten des Ṛv. zu entscheiden gebietet, irgend zweifelhaft zu machen. Niemand wird, oder wenigstens Niemand sollte darüber schwanken, dass I, 9, 4 die Gebete, die sich zum Indra erheben, nicht freudlos (ajoshâḥ), sondern, wie der Sv. ergiebt, einmüthig (sajoshâḥ) genannt werden¹). Ebenso wird man nicht bezweifeln, dass X, 156, 3 Agni angerufen wird, die Radbüchse zu schmieren und die Radschiene (pavim, so Sv.), nicht aber den Geizigen (paṇim, Ṛv.) sich drehen zu lassen²). Wie die Sâmaveda-Diaskeuasten sich uns zeigen, wird man es nicht sehr wahrscheinlich finden, dass ihnen an diesen Stellen die fehlerhaften Lesarten des Ṛv. überliefert vorlagen und sie das Richtige ihrerseits durch Conjectur gefunden haben. In andern Fällen wird man hierüber zweifelhaft sein. Bei der Herstellung des Metrums IX, 70, 1 durch die Einsetzung von duduhrire für duduhre, bei der übrigens nicht unbedenklichen Verbesserung von X, 23, 1 durch ṣmaṣrubhiḥ für ṣmaṣru¹), bei der Ausfüllung der metrischen Lücke von VIII, 69, 8 durch Einfügung von naraḥ (hinter prârcata), bei der möglichen, aber keineswegs evidenten Lesung parame (für pûrvie) viomani IX, 70, 1 wird die Annahme von Conjecturen, welche in diesen Fällen keineswegs über den Horizont jener Textordner hinausgehen würden, nicht ausgeschlossen werden können.
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- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit