Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.71
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.71
- Language
- German
c6.71
Die auf den ersten Blick befremdende Erscheinung, dass es unter den Ṛigvedins einen Lehrcursus gab, der mit Uebergehung des Brâhmaṇa von der Saṃhitâ zum Âraṇyaka fortschritt, wird dadurch scheinbar noch weiter complicirt, dass ein grosser Abschnitt des Âraṇyaka, die Darstellung des Mahâvrata, offenbar nichts andres ist als ein Stück Brâhmaṇa oder ein Nachtrag zum Brâhmaṇa. Lesen wir das Aitareya Brâhmaṇa, so finden wir, dass dessen Verfasser von den Ceremonien des Mahâvrata sehr wohl weiss; er stellt sie aber nicht an dem Orte, an welchen sie im Zusammenhang des übrigen Rituals gehören würden, dar, sondern die Brâhmaṇa-artige Erörterung des Mahâvrata wird — eben wegen der besonderen mystischen Dignität, welche man dieser Ceremonie zuschrieb — im Âraṇyaka gegeben. Wir fragen von Neuem: wie kann, auf die Saṃhitâ der Hymnen folgend, das Mahâvrata — wie es scheint, ein Anhang zum Brâhmaṇa — gelernt werden, aber nicht das Brâhmaṇa selbst?