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Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.2

Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.2

Language
German

c7.2

Die Textgestalt des Ṛigveda stand nicht allein in der Brâhmaṇazeit, sondern schon in der Entstehungszeit der jüngeren Saṃhitâs im Wesentlichen fest: das haben uns die vorangehenden Untersuchungen gelehrt. Aber diesem Satz muss in einer bestimmten Richtung eine Einschränkung hinzugefügt werden: das was wir mit einem Worte die orthoepischen Details des Textes nennen können, war damals von der uns vorliegenden Gestalt noch weit entfernt; die definitive Ordnung des Textes in dieser Hinsicht ist ein Vorgang, welcher einem späteren Zeitraum der vedischen Textgeschichte zugehört und ihn erfüllt. Wir denken vor Allem an die Behandlung der Sandhierscheinungen: beispielsweise die genauere Festsetzung und Begrenzung der Elision und der Nichtelision von anlautendem a hinter e und o, die Verwandlung von i und u in y und v vor Vocalen, die Contraction der Vocale, der Uebergang und der Nichtübergang von s in ḥ vor k und p. Ein andrer wichtiger Kreis von Fällen, die vermuthlich in demselben Zeitalter ihre endgiltige Feststellung empfangen haben, betrifft die neben einander liegenden äquivalenten Formen mit kurzem und langem Vocal, insonderheit mit kurzem und langem Endvocal, die Setzung z. B. von abhi und abhî, von tena und tenâ: Formenpaare, deren Behandlung in unsrer Ueberlieferung zwar, wie wir zeigen werden, im Ganzen auf die Ṛishis selbst zurückgeht, in vielen Einzelheiten aber die Hand von Grammatikern verräth. Kurz gesagt: für das Zeitalter, dessen Thätigkeit in Bezug auf den Vedatext wir jetzt untersuchen müssen, standen zwar die Worte — bis auf geringfügige Ausnahmen — fest. Ob es an irgend einer Stelle heissen sollte sumnam oder dyumnam, ob inakshat oder inakshan: derartiges war, im Ganzen wenigstens, nicht zweifelhaft. Aber die Regelung der Buchstaben, die Unterscheidung von divaḥ pari und divaḥ pari, von pra sma vâjeshu und â smâ ratham, von divo’ antân und indrovatu u. dergl. mehr gab zu Speculationen Anlass, bei welchen die theologischen Grammatiker sich nicht in derselben Weise, wie in Bezug auf die eigentliche Substanz der Worte, an Vorhandenes, Ueberliefertes gebunden fühlten, sondern sich berechtigt hielten die betreffenden Erscheinungen selbstgefundenen Normen zu unterwerfen.