Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.33
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.33
- Language
- German
c7.33
Mehrere Nominative sing. fem. von Stämmen auf wurzelhaftes â erscheinen im Saṃhitâtext ausgehend auf -â, das mit folgendem Vocal nicht zusammengezogen ist. Die Fälle sind nach der Aufzählung Lanman’s ¹) und des Prâtiśâkhya (Sûtra 163) die folgenden: VI, 75, 3 jyâ iyam; VII, 32, 14 śraddhâ it; VIII, 48, 14 nidrâ iṣata; X, 4, 1 prapâ asi; X, 129, 5 svadhâ avastât. Warum haben die Ordner des Saṃhitâtextes hier nicht der sonst von ihnen befolgten Praxis gemäss Contraction eintreten lassen? Dass der alte, wahre, durch das Metrum erkennbare Text nicht contrahirte, kann nicht der Grund gewesen sein: die Fälle sind zahllos, welche beweisen, dass es diese Rücksicht für die Diaskeuasten nicht gab ²). So hat unzweifelhaft Lanman Recht, wenn er annimmt, dass die betreffenden Nominative von den Redactoren des Saṃhitâtextes als -âḥ ausgehend angesetzt wurden, wo dann natürlich die Contraction ausgeschlossen war. Diese Auffassung der Formen ist nicht nur, wie bekannt, sehr gut möglich, sondern der grosse Procentsatz der Fälle, in welchen hier das Metrum den (scheinbaren) Hiatus fordert, verglichen mit der viel geringeren Häufigkeit des Hiatus bei den wirklich auf -â ausgehenden Formen (s. unten S. 385 fg. Anm. 1) lässt dieselbe als nahezu gesichert erscheinen. Der Padaverfasser aber, — auch dies hat schon Lanman hervorgehoben —, verleitet offenbar durch die später immer häufiger werdenden Nominative auf -â von derartigen Stämmen, setzte die Padaformen als jyâ, śraddhâ u. s. w. an: wodurch die Bewahrung des Hiatus im Saṃhitâtext zu einer unerklärlichen, im Prâtiśâkhya denn auch (a. a. O.) ausdrücklich verzeichneten Singularität wurde. Aehnlich übrigens wie bei diesen Nominativen auf -âs ist der Hergang offenbar noch in zwei andern in demselben Sûtra des Prâtiśâkhya verzeichneten Fällen gewesen: bei manîshâ agniḥ I, 70, 1 und ayâ iṣânaḥ I, 87, 4. An der ersten Stelle haben die Ordner der Saṃhitâ offenbar nicht contrahirt, weil sie richtig den Acc. plur. manîshâs, an der zweiten, weil sie den Nom. sing. ayâs erkannten. Der Padapâṭha aber nahm irrig manîshâ und ayâ an (vergl. Analoges bei Lanman 363). Hier haben wir also eine Anzahl sehr klarer Fälle, in welchen nicht einfach — was häufig ist — der Saṃhitâtext in seinen aus alter Ueberlieferung bewahrten Elementen sich dem Padatext überlegen zeigt, sondern vielmehr in einem Punct jener moderneren phonetischen Diaskeuase, welche die Vocalcontractionen etc. durchgeführt hat: die Textordner, auf deren Rechnung ṣukraitu für ṣukrâ etu, madhyamendra für madhyamâ indra zu setzen ist, bewiesen, indem sie vor jyâ iyam, nidrâ iṣata, ayâ iṣânaḥ mit ihren Contractionen Halt machten, eine weitergehende Kenntniss resp. eine richtigere Beurtheilung der Wortformen, als sie in Śâkalya’s Padapâṭha und in Śaunaka’s Prâtiśâkhya zu finden ist¹).
Linked texts (1)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit