Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.43
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.43
- Language
- German
c7.43
Ueberall aber wird natürlich als letztes Ziel festzuhalten sein, dass der Weg zur Herstellung der echten, ursprünglichen Lautgestalt des Textes gefunden werden muss. Im Hinblick auf dieses Ziel nun werden wir besonders häufig auf die Nothwendigkeit geführt werden, die im einzelnen Fall vorliegenden Materialien auf eine bestimmte, stehend wiederkehrende Fragestellung hin zu prüfen: wir werden nämlich nach Maassstäben dafür suchen müssen, wie überall da, wo die Ueberlieferung irgend welche Regeln in phonetischer Beziehung beobachtet und diese dann durch Ausnahmen durchbricht, das Verhältnis von Regel und Ausnahme beurtheilt werden muss. Ist in solchen Fällen — und bei der Betrachtung fast aller zum Gebiet des Prâtiśâkhya gehörenden Gegenstände wird man auf Fälle dieser Art geführt — Verlass auf die häufig gezogene Schlussfolgerung: die Diaskeuasten würden nicht von der Regel abgewichen sein, wenn nicht altfeststehende, von uns zu achtende Ueberlieferung ihnen die Abweichung zur Pflicht gemacht hätte? Oder wäre der richtige Weg der Kritik vielmehr in einem nivellierenden Verfahren zu erkennen, das zu Gunsten einer Regel, sobald sich diese nur mit hinreichender Sicherheit als solche hat feststellen lassen, die Ausnahmen aus dem Text beseitigte? Es handelt sich also mit andern Worten darum, in dem Nebeneinanderstehen von Regeln und Ausnahmen taxiren zu lernen, wie weit etwa an Inconsequenzen des alten, echten Textes gedacht werden müsste, wie weit an Irrthümer der ihn fortpflanzenden Tradition, wie weit an Entstellungen der ihn durcharbeitenden Diaskeuase.