Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.s2.31.2
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.s2.31.2
- Language
- German
c7.s2.31.2
Eine Gruppe von Fällen, welche der Regel constant oder annähernd constant entsprechen, beweist, meine ich, mehr für eine feste Praxis der Lieddichter, als selbst mehrere Gruppen, die der Norm nicht entsprechen, dagegen beweisen. Bei einem durchaus schwankenden Verfahren der Verfasser würden die Schwankungen überall ziemlich gleichmässig wiederkehren. Wie kommt es nun, dass beispielsweise die Imperative sedha und vardha der Regel entsprechend behandelt sind, während piba¹, bodha, ṣiksha, bhava überall oder fast überall, sogar eigenthümlicherweise vor einer Position, den Endvocal verlängern? Oder wenn bei kṛidhí nas und avǎ nas es schon die Liedverfasser selbst waren, die das Gesetz des Wechsels von Kürze und Länge vernachlässigt haben, wie kommt es, dass bei tenǎ nas dies Gesetz so streng befolgt wird, wie wir oben (S. 402 Anm. 1) zeigten? Man wird sich der Annahme zuneigen dürfen, dass, wo jene doch offenbar über den Horizont der Diaskeuasten weit hinausgehende Regelmässigkeit herrscht, die alte und echte Verstechnik der Ṛishis vor uns liegt, und dass andrerseits, wo völlig unter den gleichen Bedingungen jene Regelmässigkeit versagt, die Fehler und vielleicht noch in höherem Maasse die willkürlichen Ausgleichungsversuche der Diaskeuase eingegriffen haben. Wie diese Ausgleichungsversuche allem Anschein nach wirkten, davon können z. B. die Stellen, an welchen die Form ṣrudhí im Anfang des Pâda erscheint (Benfey III, 38) eine Vorstellung geben.