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Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.s8.26

Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.s8.26

Language
German

c7.s8.26

Wir werden kaum fehl gehen, wenn wir uns das Verhältniss zwischen der überlieferten Accentuation des Ṛigveda und der ursprünglichen, die, wenn auch gewiss hieratisch stilisirt, doch der Betonung der natürlichen Sprache wenigstens nahe gestanden haben wird, etwa dem ähnlich denken, welches zwischen dem überlieferten und dem ursprünglichen Sandhi oder zwischen der überlieferten und der ursprünglichen Behandlung des Metrums besteht. Das Ueberlieferte zeigt auf Schritt und Tritt die Spur künstlicher Bearbeitung, aber in seinen Grundzügen weist es doch auf die Richtung hin, in welcher das Ursprüngliche gelegen hat. Der ursprünglichen Vortragsweise des Rigveda den enklitischen Svarita oder den Pracayaton der ihm folgenden Sylben als eine von dem Anudâtta, welcher dem Hochton vorangeht, verschiedene Betonung abzusprechen ist kein Grund vorhanden¹). Wohl aber wird angenommen werden dürfen, dass nicht nur die oben (S. 484) besprochene Verschiebung der Tonhöhen, sondern auch die völlige Gleichsetzung des enklitischen Svarita mit dem selbständigen späterer Entwicklung zugehört, um so mehr, als Spuren der Verschiedenheit beider Svaritas sich in der vedischen Ueberlieferung thatsächlich erhalten haben²). Bezweifeln wird man ferner, dass die den Udâtta umgebenden Nebentöne sich schon ursprünglich, wie im traditionellen Text der Fall ist, über verschiedene Worte hinüber so wie innerhalb desselben Wortes stets in gleicher Weise entwickelt haben, ungehemmt selbst durch die stärksten Worttrennungen, durch die Trishtubhcäsur etc., unbeeinflusst auch durch den in der Ueberlieferung latent gewordenen Hochton der Verbalformen, welcher durch die Verbalenklise des Hauptsatzes doch schwerlich restlos vernichtet wurde. Dass ferner z. B. die sich widersprechenden Bestimmungen der Ueberlieferung darüber, wann bei der Contraction eines hochtonigen und eines tieftonigen Vocals der Svarita entsteht, den Character reiner Willkür, nicht von Sprachgesetzen sondern von Grammatikerregeln tragen, hat schon Whitney¹ mit Recht hervorgehoben: der Textkritiker aber muss sich natürlich bei diesen wie bei analogen Puncten begnügen, jenen Character der Künstlichkeit zu constatiren, ohne dass er die betreffende Erscheinung seinerseits nach einem selbsterfundenen System zu ordnen unternehmen dürfte.