Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c9.17
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c9.17
- Language
- German
c9.17
Hier fällt nun vor Allem das chronologische Verhältnis zwischen der Feststellung der Saṃhitâ und der Feststellung des Opferrituals — nämlich des Opferrituals, welches in den vedischen Ritualtexten im Wesentlichen identisch vorliegt, und das für diese Untersuchung natürlich ausschliesslich in Betracht kommt — entscheidend in's Gewicht¹. Schon die Anordnung der Saṃhitâ beweist das Vorhandensein dieser Zusammenstellung der liturgischen Materialien in Zeiten, welche der Feststellung jenes Opferrituals weit vorausgehen. Man vergegenwärtige sich die in den älteren Schichten der Saṃhitâ am Tage liegende Trennung der Familien, während das spätere Ritual durchaus auf der Combination der verschiedenen Familientraditionen beruht. Man erinnere sich ferner an alle jene Spuren, welche das allmähliche Wachstum der Sammlung verfolgen lassen, welche lehren, dass der Hauptkörper derselben längst vor ihrem Abschluss in seiner jetzigen Ordnung da war, und welche das Hinzutreten der jüngeren Elemente (Anhänge an die geordneten Serien; Buch X) uns anschaulich vor Augen stellen. Dann bedenke man auf der andern Seite, wie die Grundzüge des in den Ritualtexten gelehrten Opfersystems die Existenz, also dem eben Gesagten zufolge auch die Anordnung der Saṃhitâ — ihres Hauptkörpers sammt seinen Erweiterungen — voraussetzen, wie eine Reihe von wesentlichen Elementen jenes Opfersystems (insonderheit die Hauptelemente der Yajusliturgik) jünger sind als die Saṃhitâ, wie eine Anzahl von Ceremonien, die in der späteren Gestalt des Opfers hervortretende Bedeutung besitzen, der Saṃhitâ überhaupt unbekannt sind, so dass die Ausstattung jener Riten mit Liedern und Versen sich zum einen Theil aus Saṃhitâtexten zusammensetzt, die offenbar nicht für diese speciellen Zwecke gedichtet sind, zum andern Theil aus Texten, die zwar von ihren Verfassern für jene Anlässe bestimmt waren, aber nicht in der Saṃhitâ stehen und deutliche Spuren jüngerer Herkunft an sich tragen. So wird man von vornherein die Vorstellung des Nebeneinanderstehens der Saṃhitâtradition und der Opfertradition abweisen. Man wird vielmehr finden, dass Alles auf einen andern Gang, den die Dinge genommen haben, hindeutet: zuerst vollzog sich — in Zeiten, die ein alterthümlicheres, vergleichsweise knappes Opferritual besassen — die Codificirung des Ṛigveda, und dann wurde von Liturgikern, welche in der Kenntniss dieses codificirten Veda lebten, unter Herbeiziehung jüngerer Materialien die in den späteren Saṃhitâs, in den Brâhmaṇas und Sûtras im Wesentlichen identisch vorliegende Form des Opferrituals festgestellt.
Linked texts (1)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit