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Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c9.19

Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c9.19

Language
German

c9.19

Das freilich bliebe immerhin noch denkbar, dass einzelne Corruptelen und Interpolationen, welche in den überlieferten Ṛiktext in späterer Zeit eingedrungen sein könnten, ihren Weg nicht bis auf den Opferplatz oder doch nicht bis auf den Opferplatz irgend einer bestimmten Schule gefunden hätten. Aber wir werden gut thun, uns in der Beurtheilung aller angeblichen Fälle dieser Art von der misstrauischsten Vorsicht leiten zu lassen. Wenn schon die Erörterung der Daten des Sâmaveda und Yajurveda — also recht eigentlicher »Opferrecensionen« — uns fast ausnahmslos von der höheren Vortrefflichkeit und dem seit alter Zeit in allem Wesentlichen feststehenden Fertigsein der Ṛiksaṃhitâ-Tradition überzeugte, wird es noch viel weniger wahrscheinlich sein, dass die rituelle Praxis des Ṛigvedagebietes, directer und widerstandsloser dem Einfluss der Ṛiksaṃhitâ ausgesetzt, viel von wirklich in Betracht kommenden Varianten erhalten haben sollte. Vermöge der Künstlichkeit und der spitzfindigen Symbolhascherei, mit welcher die Liturgien des späteren Rituals construirt sind, wurden natürlich oft genug Aenderungen mit den dabei verwandten Hymnen vorgenommen; es wurden Verse weggelassen oder neue Verse aus andern Liedern eingefügt u. dgl. mehr: unsre obigen Untersuchungen über die Brâhmaṇas (S. 352 fgg.) haben uns dies zur Genüge gezeigt. In den meisten Fällen wird es dem aufmerksamen Erforscher der rituellen Technik auch noch möglich sein, die Motive der betreffenden Aenderungen aufzudecken und damit die Gefahr zu vermeiden, dass das Machwerk der späten Liturgiker mit uralten Ueberlieferungsspuren verwechselt werde. Wenn aber, wie nicht anders erwartet werden kann, an dieser und jener Stelle die Düfteleien der indischen Opferkünstler eine Bahn eingeschlagen haben, deren Ausspürung die Kräfte unsrer Divination für jetzt oder für immer übersteigt, so wird nach der ganzen sonstigen Lage dieser Fragen die vorsichtige Forschung hier viel eher einen Rest von Unverständlichem auf Seiten der Liturgik statuiren, als dass sie auf derartige Daten hin den altüberlieferten Text mit Versstreichungen, Umstellungen u. dgl. mehr anzutasten wagen sollte.

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