Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c9.20
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c9.20
- Language
- German
c9.20
Wir versuchen nun an einigen Einzelfällen zu veranschaulichen, wie der Schein alter Ueberlieferung, welcher der von Śâṅkhâyana beschriebenen liturgischen Gestalt mancher Riktexte vielleicht anhaften könnte, eben nur Schein ist. Es empfiehlt sich dabei, unsre Beispiele aus dem Kreise derer zu entnehmen, an welchen Hillebrandt das Alter und den Werth seiner Opfertradition nachweisen zu können glaubt. Wir beginnen mit Ṛv. I, 52, für welches Lied Śâṅkhâyana (IX, 8) die Auslassung der Verse 9 und 15 sowie die Umstellung von 13 und 14, so dass also Vers 13 an’s Ende tritt, anordnet (Hillebrandt a. a. O. 196 fg.). Liest man zunächst das Lied in seiner überlieferten Gestalt, so wird man kaum irgend etwas Verdacht Erregendes finden. Vers 9 steht an seiner Stelle in natürlichstem Zusammenhange, mit dem folgenden Vers — wie überhaupt in diesem Liede vielfach der Fall ist — durch einige gemeinsame Ausdrücke verbunden, die für den Verdacht einer nachträglich gemachten Zusammenfügung nicht den mindesten Anlass bieten. Ebenso steht Vers 13 zwischen 12 und 14 so gut an seinem Platze wie nur möglich. Allerdings wechselt das Metrum: während im Ganzen das Lied in Jagatî verfasst ist, sind Vers 13 und 15 Triṣṭubh. Aber dies kann keinen Verdacht begründen. In der Sammlung, welcher das Lied angehört (I, 51-57), herrscht in Bezug auf die Metra eine recht gleichbleibende Praxis. Das durchgehende Versmaass ist Jagatî, aber in vier Liedern unter sieben tritt am Ende Triṣṭubh auf, so dass stets der letzte Vers, daneben aber auch ein oder mehrere andre in Triṣṭubh verfasst sind: und zwar stehen diese Triṣṭubhs keineswegs immer in ununterbrochener Reihe, sondern wie in 52 so findet sich auch in 54 eine Jagatî zwischen ihnen¹. Mithin entspricht von Seiten des Metrums die anscheinende Unebenheit des Liedes 52 vollkommen dem in der betreffenden Sammlung herrschenden Typus.
Linked texts (2)
- Śāṅkhāyanaśrautasūtra — Śāṅkhāyana, Sanskrit
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit