Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c9.57
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c9.57
- Language
- German
c9.57
Vereinzelte Abweichungen von der Vulgata des Riktextes reichen sogar, wie bekannt, bis in den Commentar des Sâyaṇa hinein; sie sind von M. Müller im Apparat seiner grossen Ausgabe verzeichnet worden. So viel ist ohne Weiteres klar, dass diese Abweichungen, spärlich und unerheblich wie sie sind, für die Auffassung vom Feststehen des Riktextes lange Zeit vor Sâyaṇa eine wesentliche Einschränkung in keinem Fall begründen können. Aber begründen sie eine solche Einschränkung überhaupt? Die Textvarianten, welche durch die Erklärungen Sâyaṇa's hindurchscheinen, tragen — abgesehen von einigen selbstverständlich auch hier begegnenden indifferenten Lesarten, die kein Urtheil ermöglichen — den offenbaren Character zufälliger Versehen des Commentars, wie sie im Lauf einer so umfangreichen Arbeit nicht leicht ganz ausbleiben konnten. Man erwäge solche Lesarten Sâyaṇa's wie etwa das metrisch unmögliche taved idam für tavedam VII, 98, 6, wo mit dem Ṛv. auch Maitr. S., Taitt. Br., Av. (Buch XX) das Richtige haben, oder X, 57, 5 das durch den benachbarten Pâda hervorgerufene sinnlose jano für mano (mano auch Maitr. S., Taitt. S., Vâj. S.), oder X, 160, 4 die schon am Metrum scheiternde Weglassung des na (Av. XX hat na), oder IX, 61, 14 die eine Accentänderung einschliessende, sinnlose Worttrennung saṃ ṣiṣvarîr (Sâmav. hat saṃṣiṣvarîr, welche richtige Lesart Sây. selbst Ṛv. VIII, 69, 11 anerkennt), oder das verkehrte vṛjineṣu IX, 77, 5, oder ṛtasya X, 39, 3 statt rutasya, dessen Richtigkeit durch IX, 112, 1 bewiesen wird, oder sarvâ IV, 28, 3 statt ṣarvâ (ṣaruâ; vergl. I, 100, 18), oder vahnî X, 101, 10 (hervorgerufen durch die benachbarten Duale) statt vahnim (vergl. Vers 11). Gegenüber der altfeststehenden, durch die Garantie des Prâtiśâkhya — in dem was es sagt wie in dem was es nicht sagt — durchweg geschützten Uebereinstimmung des Saṃhitâ- und Padapâṭha wird man in derartigen Lesarten Sâyaṇa’s nicht mehr zu sehen haben, als Gedächtnissfehler oder Unaufmerksamkeiten des Commentars. Solche Varianten kann natürlich selbst die grösste Constanz der Textüberlieferung zu keiner Zeit ausgeschlossen haben.
Linked texts (1)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit