Grammatik der Prakrit-Sprachen c2: I. Einleitung
Grammatik der Prakrit-Sprachen c2
- Language
- German
Contents
- c2.s1 A. Die Prākrit-Sprachen — 150 parts
- c2.s2 B. Die Prākrit-Grammatiker — 104 parts
I. Einleitung
A. Die Prākrit-Sprachen
c2.s1.1
§ 1. Unter dem Namen Prākṛta fassen die indischen Grammatiker und Rhetoriker eine Anzahl von Litteratursprachen zusammen, als deren gemeinsame Eigentümlichkeit sie die Abstammung vom Sanskrit ansehen. Daher leiten sie in der Regel prākṛta ab von prakṛti »Element«, »Grundlage«, und als diese Grundlage gilt ihnen das Sanskrit. So sagt Hemacandra 1, 1: *prakṛtiḥ saṃskṛtam | tatrabhavam tata āgatam vā prākṛtam* »die Grundlage ist das Sanskrit. Was in ihm seinen Ursprung hat, oder von ihm herkommt, heisst Prākṛt.« Ähnlich Mārkaṇḍeya fol. 1: *prakṛtiḥ saṃskṛtam | tatrabhavam prākṛtam ucyate*; Dhanika zu Daśarūpa 2, 60: *prakṛter āgatam prākṛtam | prakṛtiḥ saṃskṛtam*; Siṃhadevagaṇin zu Vāgbhaṭālaṃkāra 2, 2: *prakṛteḥ saṃskṛtād āgatam prākṛtam*; Prākṛtacandrikā bei PETERSON, Third Report 343, 7: *prakṛtiḥ saṃskṛtam | tatrabhavatvāt prākṛtam smṛtam*. Vgl. Narasimha, Prākṛtaśabdapradīpikā p. 1: *prakṛteḥ saṃskṛtāyās tu vikṛtiḥ prākṛtī matā*, und Prākṛtasaṃjīvanī bei Vāsudeva zu Karpūramañjarī ed. Bomb. 9, 11: *prākṛtasya tu sarvam eva saṃskṛtam yoniḥ*. Über andere Etymologien s. § 16.
c2.s1.2
§ 2. Das Rasikasarvasva bei Nārāyaṇa zu Gītagovinda 5, 2 lehrt: *saṃskṛtāt prākṛtam iṣṭam tato 'pabhraṃśabhāṣaṇam*: »Man nimmt an, dass vom Sanskrit das Prākṛt stammt, von diesem die Apabhraṃśasprache.« Einschränkender sagt ein Citat bei Śamkara zu Śakuntalā 9, 10¹: *saṃskṛtam prākṛtam śreṣṭham tato 'pabhraṃśabhāṣaṇam*: »Vom Sanskrit stammt das beste Prākṛt, von diesem die Apabhraṃśasprache.« Als das »beste Prākṛt« gilt die Māhārāṣṭrī (§ 12) nach Daṇḍin, Kāvyādarśa 1, 34: *Mahārāṣṭrāśrayāṃ bhāṣāṃ prakṛṣṭam prākṛtam viduḥ*. Das erklärt sich daraus, dass die Māhārāṣṭrī als dem Sanskrit am nächsten stehend gedacht wird. Wenn die Inder von Prākṛt schlechthin sprechen, meinen sie damit fast stets die Māhārāṣṭrī². Sie gilt als die Sprache, die den andern Prākṛtsprachen zu Grunde liegt³, und sie nimmt in der Behandlung durch die einheimischen Grammatiker die erste Stelle ein. Der älteste Grammatiker, Vararuci, widmet der Māhārāṣṭrī 9 Kapitel mit 424 Regeln, den drei anderen von ihm behandelten Sprachen nur je ein Kapitel mit je 14, 17 und 32 Regeln, und erklärt am Schlusse (12, 32), dass alles nicht besonders Erwähnte wie in der Māhārāṣṭrī sei: *śeṣam Māhārāṣṭrīvat*. Ähnlich verfahren die andern Grammatiker.
c2.s1.3
¹ Bei PISCHEL, De gr. Pr. p. 1.
c2.s1.4
² LASSEN, Inst. p. 7. 11 f.; MUIR, OST. 2², 43 ff.
c2.s1.5
³ Mārkaṇḍeya fol. 4. Etwas anders Vararuci 10, 2; 11, 2; vgl. aber MUIR 1. c.
c2.s1.6
§ 3. Darüber, was wir unter Prākrit im weiteren Sinne zu verstehen haben, gehen die Ansichten der Inder auseinander. Vr. betrachtet als Prākrit die Māhārāṣṭrī, Paiśācī, Māgadhī und Śaurasenī, Hc. ausserdem das Ārṣa (§ 16), das Cūlikāpaiśācika und den Apabhraṃśa. Ihm folgen Trivikrama, Siṃharāja, Narasimha und Lakṣmīdhara, mit dem Unterschiede, dass Trivikrama das Ārṣam ausschliesst, Siṃharāja, Narasimha und Lakṣmīdhara es gar nicht erwähnen. Mārkaṇḍeya fol. 2 ff. teilt das Prākrit in vier Classen: *bhāṣā*, *vibhāṣā*, *apabhraṃśa*, *paiśāca*. Zu den *bhāṣā* rechnet er: Māhārāṣṭrī, Śaurasenī, Prācyā, Avantī und Māgadhī, indem er in Polemik gegen einen ungenannten Autor¹ ausscheidet die Ardhamāgadhī, die nur eine der Śaurasenī nicht fern stehende Māgadhī sei, die Dākṣiṇātyā, die kein besonderes Merkmal habe, und die Bāhliki, die zur Māgadhī gehöre. Als *vibhāṣā* nennt er: Śākārī, Cāṇḍālī, Śabarī, Ābhīrikī, Śākkī, mit Verwerfung der Oḍrī und Drāviḍī; die 27 Arten des Apabhraṃśa führt er auf 3 zurück, den *nagara*, *vracaḍa* und *upanagara*, die 11 Paiśācīdialekte auf die drei *nagara*: Kaikeya, Śaurasena und Pāñcāla². Ähnlich lehrt Rāmatarkavāgīśa³. Von allen Grammatikern werden als Prākritsprachen angesehen die Māhārāṣṭrī, Śaurasenī, Māgadhī und Paiśācī.
c2.s1.7
¹ Dieser ist nicht Bharata, wie man daraus schliessen könnte, dass der Vers über die Vibhāṣāḥ fast identisch ist mit Bhāratīyanāṭyaśāstra 17, 49. Alle anderen Verse weichen von Bharata ab. Das Citat findet sich auch in der Prākṛtacandrikā des Kṛṣṇapaṇḍita bei PETERSON, Third Report p. 346 f. Vgl. auch Rāmatarkavāgīśa bei LASSEN, Inst. p. 21.
c2.s1.8
² Der Text ist zum Teil veröffentlicht von AUFRECHT, Cat. Oxon. p. 181.
c2.s1.9
³ LASSEN, Inst. p. 19–23; vgl. Kramadīśvara 5, 99 und Bhāratīyanāṭyaśāstra 17, 48 ff.
c2.s1.10
§ 4. Den Apabhraṃśa erwähnt Vr. gar nicht (§ 3). Es wäre verkehrt, daraus mit LASSEN¹ schliessen zu wollen, dass die Sprache jünger ist als Vr.² Ebenso wenig darf man deswegen Vr. mit BLOCH³ den Vorwurf der Oberflächlichkeit und Ungenauigkeit machen. Der Grund ist, dass Vr. mit anderen den Apabhraṃśa nicht als Prākrit betrachtet. Wie Namisādhu zu Rudraṭa, Kāvyālaṃkāra 2, 11 bemerkt, nahmen einige drei Sprachen an, Prākrit, Sanskrit und Apabhraṃśa: *yad uktaṃ kaiś cid yathā | prākṛtaṃ saṃskṛtaṃ caitad apabhraṃśa iti tridhā*. Zu diesen gehört Daṇḍin, der Kāvyādarśa 1, 32 vier Arten von litterarischen Werken unterscheidet, solche die in Sanskrit oder Prākrit oder Apabhraṃśa abgefasst sind, und solche, in denen mehr als eine dieser Sprachen gebraucht wird (*miśra*)⁴. Unter Apabhraṃśa versteht Daṇḍin nach 1, 36 die Sprachen der Ābhīra u. s. w., wenn sie in Kunstgedichten (*kāvyeṣu*) gebraucht werden; in Lehrbüchern (*śāstreṣu*) werde Apabhraṃśa alles genannt, was vom Sanskrit verschieden sei. Mārkaṇḍeya fol. 2 führt in einem Citate die Sprache der Ābhīra sowohl unter den *vibhāṣā* (§ 3) als unter den Apabhraṃśasprachen auf, von denen noch 26 genannt werden, wie die der Pāñcāla, Mālava, Gauḍa, Oḍra, Kāliṅgya, Kārṇāṭaka, Drāviḍa, Gurjara u. s. w. Apabhraṃśa bezeichnet danach die Volkssprachen arischer und nicht-arischer Herkunft. Rāmatarkavāgīśa bemerkt dagegen, dass die *vibhāṣā* nicht Apabhraṃśa genannt werden, wenn sie in Schauspielen u. s. w. gebraucht würden; Apabhraṃśa seien nur die wirklich vom Volke gesprochenen Sprachen. So ist ihm die Māgadhī eine *bhāṣā* als Litteratursprache, ein Apabhraṃśa als Volkssprache⁵. Ravikara bei BOLLENSEN zu Vikr. p. 509 unterscheidet zwei Arten von Apabhraṃśa. Der eine stammt vom Prākrit und weicht von diesem in Flexion, Komposition und Wortbildung nur wenig ab; der andere aber sei die Volkssprache (*deśabhāṣā*)⁶. Während Sanskrit und Prākrit den Regeln folgen, die über ihre Gestalt gegeben sind, herrscht im Apabhraṃśa die gewöhnliche Rede des Volkes. Diese Bestimmung des Apabhraṃśa hat auch der ältere Vāgbhaṭa. In Vāgbhaṭālaṃkāra 2, 1 nimmt er vier Sprachen an, Sanskrit, Prākrit, Apabhraṃśa und Bhūtabhāṣita d. h. Paiśācī (§ 27) und 2, 3 bemerkt er, Apabhraṃśa sei die reine Sprache des betreffenden Landes: *apabhraṃśas tu yac chuddhaṃ tattaddeśeṣu bhāṣitam*. Der jüngere Vāgbhaṭa unterscheidet Alaṃkāratilaka 15, 3 Sanskrit, Prākrit, Apabhraṃśa und Grāmyabhāṣā. In einer Inschrift aus Valabhī wird von Guhasena gerühmt, dass er sehr geschickt gewesen sei in der Abfassung von Werken, die in drei Sprachen, Sanskrit, Prākrit und Apabhraṃśa geschrieben waren (IA. 10, 284). Rudraṭa, Kāvyālaṃkāra 2, 12 nimmt sechs Sprachen an, Prākrit, Sanskrit, Māgadhabhāṣā, Piśācabhāṣā, Sūrasenī und Apabhraṃśa, der je nach dem Lande in viele Abarten zerfällt: *ṣaṣṭho 'tra bhūribhedo deśaviśeṣād apabhraṃśaḥ*. Dieselbe Sechszahl der Sprachen lehrt Amaracandra, Kāvyakalpalatāvṛtti p. 8.
c2.s1.11
¹ IAlt. 2², 1169.
c2.s1.12
² WEBER, IStr. 2, 57; PISCHEL, KB. 8, 145.
c2.s1.13
³ Vararuci und Hemacandra (Gütersloh 1893), p. 14 f. = KZ. 33, 332 f.
c2.s1.14
⁴ Ihm folgt Kavicandra in der Kāvyacandrikā bei LASSEN, Inst. p. 32. Unklar ist die Zahl bei Bhojadeva, Sarasvatikaṇṭhābharaṇa 2, 7 ff. p. 56.
c2.s1.15
⁵ LASSEN, Inst. p. 21 f.; vgl. MUIR, OST. 2², 46.
c2.s1.16
⁶ *Saṃskṛtam, Prākṛtam and Deśabhāṣā* sind auch für Somadeva, Sarasvatikaṇṭhābharaṇa 2, 7 ff. p. 56. — 5 LASSEN, Inst. p. 21 f.; vgl. MUIR, OST. 2², 46. — 6 *Saṃskṛtam, Prākṛtam und Deśabhāṣā* sind auch für Somadeva, Bṛhatkathāmañjarī 6, 47. 52.
c2.s1.17
§ 5. Als Apabhraṃśa haben wir demnach zunächst die Volkssprachen Indiens anzusehen. Ohne Zweifel wurden in denselben litterarische Werke aller Art schon in viel früherer Zeit abgefasst, als aus der uns Denkmäler erhalten sind. Von dem Drama bezeugt uns dies das Bhāratīyanāṭyaśāstra 17, 46, indem es den Darstellern gestattet, neben der Saurasenī, der Sprache der Dramen, nach Belieben auch eine Provinzialsprache zu gebrauchen: *śaurasenaṃ samāśritya bhāṣā kāryā tu nāṭake | atha vā chandataḥ kāryā deśabhāṣā prayoktṛbhiḥ*. Wir dürfen aber nicht an die kunstgerechten Dramen der klassischen Zeit denken, sondern an Volksschauspiele nach Art der Yātrā in Bengalen¹, der Singspiele in Hindūstān², der Stücke in Almor³ und Nepal⁴, von denen uns eine Probe in dem Hariścandranṛtyam⁵ vorliegt. Dieser Apabhraṃśa ist nie Prākrit genannt worden, wohl aber der Apabhraṃśa, der nach Daṇḍin in Kunstgedichten gebraucht wurde und sich nach Ravikara von dem Prākrit nur wenig unterschied (§ 4), den man daher auch auf das Prākrit zurückführte (§ 2). Er liegt uns vor in dem von den Prākritgrammatikern behandelten Apabhraṃśa, bei Piṅgala und in anderen Werken (§ 29). Unter Prākritsprachen verstehen die Inder stets Litteratursprachen. Pṛthvīdhara in der Einleitung zu seinem Commentare zur Mṛcchakaṭikā p. v ed. STENZLER = p. 493 ed. GOḌABOLE⁶ sagt ausdrücklich: *Māhārāṣṭryādayaḥ kāvya eva prayujyante*. Hc. 2, 174, p. 68 spricht von Wörtern, die von den alten Dichtern (*pūrvaiḥ kavibhiḥ*) im Prākrit nicht gebraucht worden seien und deshalb zu vermeiden sind. Daṇḍin, Kāvyādarśa 1, 35 bemerkt, die Saurasenī, Gauḍī, Lāṭī und andere dieser Art würden unter dem Namen Prākrit in Gesprächen gebraucht, und Rāmatarkavāgīśa verbietet die *vibhāṣāḥ* Apabhraṃśa zu nennen, wenn sie in Schauspielen u. s. w. verwendet werden (§ 4). Wir haben also zu unterscheiden ein Saurasenī-Apabhraṃśa, die alte Volkssprache der Sūrasena, deren Fortsetzung die heutige Gujarātī oder Mārwārī⁷ ist, und ein Saurasenī-Prākrit, die Kunstsprache, die als Saurasenī in der Prosa der Dramen gebraucht wird und ihrem ganzen Charakter nach dem Sanskrit gleicht. Der Saurasenī-Apabhraṃśa wurde aber auch in lyrischen Gedichten gebraucht und dann nach dem Muster der Māhārāṣṭrī, des Prākrits der Lyrik und des Kunstepos, für den Gesang und die Recitation umgemodelt mit Beibehaltung der Haupteigenheiten des Dialekts. Ein Beispiel gibt Hc. 4, 446: *kaṇṭhi pālambu kidu Radie*, das in Saurasenī-Prākrit wäre *kaṇṭhe pālambaṃ kidaṃ Radie*, in Māhārāṣṭrī aber *kaṇṭhe pālambaṃ kaamaṃ Raie*, mit Ausstossung des *d*. Irrig will Hc. den Apabhraṃśa überhaupt gewöhnlich der Śaurasenī folgen lassen (§ 28). Ebenso gab es einen Mahārāṣṭra-Apabhraṃśa, dessen Fortsetzung die heutige Marāṭhī ist⁸, und ein Mahārāṣṭra-Prākrit, die Māhārāṣṭrī der Grammatiker, einen Māgadha-Apabhraṃśa (§ 4), der durch den Lāṭ-Dialekt hindurch im wesentlichen heute in der Sprache von Bihār und des westlichen Bengalens fortlebt⁹, und ein Māgadha-Prākrit, die Māgadhī der Grammatiker¹⁰. Über die Paiśācī s. § 27, über das Ārṣa § 16.
c2.s1.18
⁸ WILSON, Select Specimens of the Theatre of the Hindus 2³, 412 ff.; NISIKĀNTA CHATTOPĀDHYĀYA, Indische Essays (Zürich 1883) p. 1 ff. — 2 F. ROSEN, Die Indarsabhā des Amānat (Leipzig 1892), Einleitung. — 3 S. V. OLDENBURG, Zapiski vostočnago otdělenija Imperatorskago Russkago Archeologičeskago Obščestva 5, 290 ff. — 4 KLATT, De trecentis Cānakyae poetae Indici sententiis. (Halle 1873) p. 1 ff.; PISCHEL, Katalog der Bibliothek der DMG. (Leipzig 1881) 2, 5 ff. — 5 Das Hariçcandranṛtyam. Alt-nepalesisches Tanzspiel. Herausgegeben von A. CONRADY (Leipzig 1891). — 6 Daraus stammt das Citat von Lalitadikṣita bei Goḍabole p. 1. — 7 PISCHEL, Academy 1873, p. 398; HOERNLE, Comp. Gr. p. xxv. — 8 GARREZ, JA. VI, 20, p. 203 ff. (Paris 1872); unrichtig HOERNLE, Comp. Gr. p. XXII. — 9 HOERNLE, Comp. Gr. p. XXIV. Irrtümlich habe ich Academy l. c. das Pāli als Māgadha-Apabhraṃśa bezeichnet, wogegen mit Recht E. KUHN, Beiträge zur Pāli-Grammatik (Berlin 1875) p. 8. Von mir bereits verbessert, Jenaer Literaturzeitung 1875, p. 316. — 10 Die in der Academy 1873, p. 379 f. von mir aufgestellte Theorie ist hier mehrfach verbessert worden. In der Hauptsache stimmt mit mir überein HOERNLE, Comp. gr. p. XVII ff. In sehr vielen Einzelheiten weiche ich aber von ihm ab, wie auch die folgenden Paragraphen zeigen. Apabhraṃśa und Prākrit verwechselt SHANKAR PĀṆḌURANG PAṆḌIT, Gaüḍavaho p. LV ff.
c2.s1.19
§ 6. Die Prākritsprachen sind also Kunstsprachen, insofern sie von den Dichtern zu litterarischen Zwecken erheblich verändert worden sind. Aber sie sind nicht künstliche Sprachen, wenn damit gesagt werden soll, dass sie freie Erfindungen der Dichter sind¹. Es verhält sich mit ihnen ganz wie mit dem Sanskrit, das zwar nicht selbst die allgemeine Umgangssprache der Gebildeten Indiens ist, auch nicht diese zur Grundlage hat², aber sicher auf einen vom Volke gesprochenen Dialekt zurückgeht, der aus politischen oder religionsgeschichtlichen Gründen zur allgemeinen Litteratursprache erhoben wurde³. Der Unterschied ist aber der, dass es ganz unmöglich ist, alle Prākritsprachen auf eine Quelle zurückzuführen. Am wenigsten allein auf das Sanskrit, wie die Inder meist annehmen (§ 1), und mit ihnen HOEFER⁴, LASSEN⁵, BHĀṆḌARKAR⁶, JACOBI⁷. Alle Prākritsprachen haben eine Reihe grammatischer und lexikalischer Eigentümlichkeiten mit dem Vedischen gemein, die sie vom Sanskrit scharf trennen. Solche Berührungen sind: die freieren Saṃḍhigesetze; der Übergang von intervocalischem ḍ, ḍh in ḷ, ḷh; das Suffix -ttaṇa = ved. -tvana⁸; die Svarabhakti; der G. Sing. der Femin. auf -āe = ved. -āyai, der Instr. Plur. auf -ehiṃ = ved. -ebhiḥ; der Imperativ hohi = ved. bodhi; tā, jā, ëttha = ved. tāt, yāt, itthā; te, me als Accusative; amhe = ved. asme; Prākrit pāso »Auge« = ved. paś⁹; AMg. vaggūhiṃ = vagnubhiḥ, saddhiṃ = sadhrīm; A. dive divë = ved. divé dive; JS. A. kidha, AMg. A. kiha = ved. kathā; māiṃ = ved. mākim, ṇāiṃ = ved. nākim; AMg. viü = viduḥ¹⁰; Mg. -āho, -āhu, A. -ahö = ved. -āsaḥ; M. JM. A. kuṇai, JS. kuṇadi = kṛṇoti; AMg. JM. sakkā = ved. śakyāt; A. sāhu = ved. śaśvat; AMg. ghimsu = ved. ghraṃsa; M. AMg. JM. Ś. A. khambha = ved. skambha; M. AMg. JM. Ś. rukkha (Baum) = ved. rukṣa; Futurum socchaṃ zu ved. śruṣ; die Infinitive AMg. auf -ae, -ttae = ved. -tavai; die Absolutiva A. auf -ppi, -vi = ved. -tvī, auf -ppiṇu = ved. -tvīnam u. a., was an den betreffenden Stellen der Grammatik besprochen worden ist. Dies allein macht es schon unmöglich, das Sanskrit als einzige Quelle des Prākrit anzusehen¹¹.
c2.s1.20
¹ BEAMES, Comp. Gr. I, 201. 223; SØRENSEN, Om Sanskrits Stilling i den almindelige Sprogudvikling i Indien (København 1894) p. 220 ff. Danach zu ver-
c2.s1.21
bessern PISCHEL, De gr. Pr. p. 30 ff. — 2 FRANKE, BB. 17, 71. Dass es je eine lebende Sprache der Gebildeten von ganz Āryāvarta gegeben hat, bezweifle ich. Vgl. auch WACKERNAGEL, Altind. Gr. p. XLII, Anm. 7. — 3 Ich habe GGA. 1884, p. 512 vermutet, dass dem classischen Sanskrit der Dialekt von Brahmāvarta zu Grunde liegt. Vgl. WACKERNAGEL, Altind. Gr. p. XXVI, Anm. 11, wo die weitere Litteratur. — 4 De Prakrita dialecto § 8. — 5 Inst. p. 25 f.; IAlt. 2², 1163, Anm. 5. — 6 JBOAS. 16, 315. — 7 KZ. 24, 614, wonach »Pāli und Prākrit im ganzen nur eine jüngere Form des Sanskrit« sind. — 8 v. BRADKE, ZDMG. 40, 673. — 9 PISCHEL und GELDNER, Ved. Stud. 1, p. XXXI, Anm. 2. — 10 Ved. Stud. 2, 235 f. — 11 Zu weit geht WEBER, wenn er (IS. 2, 111) in den Prakritsprachen nichts als alte, entartete vedische Dialekte sieht. Vgl. § 9.
c2.s1.22
§ 7. Nicht minder eng als mit dem Vedischen, ist die Verbindung der Prākritsprachen mit den mittel- und neuindischen Volkssprachen. Die Inschriften des Aśoka geben uns Kunde von wenigstens vier mittelindischen Volksdialekten. Die Inschriften vom 2. Jahrhundert vor bis 3. Jahrhundert n. Chr., die sich in Höhlen, auf Stūpas, Dosen u. dgl. finden, beweisen, dass es eine Volkssprache gab, die in weitabgelegenen Teilen Indiens gleich verständlich war. SENART hat die Sprache dieser Inschriften »prākrit monumental« genannt¹. Diese Bezeichnung ist irreführend, da damit gesagt wird, dass die Sprache eine reine Kunstsprache gewesen ist. Dies anzunehmen, liegt ebenso wenig ein Grund vor, als mit KERN² in dem Pāli eine künstliche Sprache zu sehen, mögen auch beide, ebenso wie das Ārṣa (§ 16), als Litteratursprachen mancherlei Umwandlungen erfahren haben. Da die meisten Inschriften in diesem Dialekte sich in Höhlen finden, schlage ich vor, den Dialekt Leṇadialekt zu nennen, nach leṇa = skt. layana »Höhle«, das in den Inschriften oft vorkommt. Eine Parallele bietet der Name Lāṭdialekt von lāṭ = Pkt. laṭṭhi = Skt. yaṣṭi »Säule«. Alle diese Dialekte sind Fortsetzungen, nicht des Sanskrit, sondern von Schwestersprachen desselben, und ihre Eigenheiten kehren in den Prākrits zum grossen Teil wieder. Einige Beispiele im Anschluss an das erste Edict Aśoka's mögen hier genügen. Zu likh findet sich im ersten Edikte das Participium des Causativum Girnār lekhāpitā, Shāhbāzgarhī likhapitu, Jaugaḍa likhāpitā, Mansehra [l]ikhapita, eine Form, die auch die Säuleninschriften haben (SENART 2, 597). Die gleiche Bildung von consonantisch schliessenden Wurzeln hat der Leṇadialekt: ba[m]dhāpayati, kīḍāpayati, piḍāpayati, va[m]dāpayati (Hāthigumphā Inscription p. 155. 158. 160. 163)³, ebenso das Pāli: likhāpeti, und sie ist sehr gebräuchlich in Prākrit (§ 552); Aśoka's likhāpita entspricht JM. lihāviya (Erz. 63, 31), Aśoka's likhāpayisam (Girnār 14, 3), Mg. lihavaiśśaṃ (Mṛcch. 136, 21). — Girnār prajūhitavyam zu hu (opfern) mit pra⁴ zeigt eine Ausdehnung des Präsensstammes, wie sie im Pāli und Prākrit gang und gäbe ist. — In Girnār samājamhi und mahānasamhi liegt im Locativ die Endung der pronominalen Declination am Nomen vor; Shāhbāzgarhī und Khālsi haben mahanasasi, mahānasasi d. h. mahānasamsi, eine Form, die stets in den Säulen- und Separatedicten erscheint. Im Leṇadialekt findet sich ja[m]budipamhi (Karle Inscription, No. 1)⁵, thuvamhi = stūpe⁶, Anugāmimhi (Nāsik No. 6a)⁷, Tiraṇhumhi (Nāsik No. 11b. 19)⁸, auch Tiraṇhumi d. h. Tiraṇhummi⁹. Dem entspricht im Prākrit der Locativ M. JM. JS. AMg. auf -mmi, AMg. -msi. Man beachte ferner noch den Gebrauch von asti beim Plural, wie im Prākrit atthi (§ 498), und den von se, der sich genau so in AMg. findet. Aus dem Leṇadialekt will ich nur noch die Declination der i- und u-Stämme verweisen, deren Genetiv Sing. auf -no und -sa d. h. -ssa lautet wie im Prākrit, wie der der n-Stämme auch auf -sa. In allen diesen Punkten, wie in sehr vielen anderen, stimmt das Prākrit zu den mittelindischen Volksdialekten, während im Sanskrit sich nichts Entsprechendes findet.
c2.s1.23
¹ Les inscriptions de Piyadasi 2, 488. Ihm ist SØRENSEN, 1. c. p. 187 gefolgt.
c2.s1.24
² Over de Jaartelling der zuidelijke Buddhisten (Amsterdam 1873) p. 14 f.
c2.s1.25
3 Actes du Sixième Congrès International des Orientalistes (Leide 1885) 3, 2. — 4 PISCHEL, GGA. 1881, 1323 f. — 5 Inscriptions from the Cave-Temples of Western India. By JAS. BURGESS and BHAGWANLAL INDRAJI (Bombay 1881) p. 28. — 6 SENART, 1. c. 2, 472. — 7 Arch. Survey of Western India 4, 101. — 8 Arch. S. of W. I. 4, 106. 114. — 9 Arch. S. of W. I. 4, 99.
c2.s1.26
§ 8. Bei dem analytischen Charakter der neuindischen Sprachen ist die Verwandtschaft des Prākrits mit ihnen aus der Flexion natürlich nicht mehr zu erweisen. Um so schärfer tritt sie in den Lautgesetzen und im Wortschatze hervor, wie auch im Mittelindischen. Patañjali, Vyākaraṇamahābhāṣya 1, p. 5, 21 f. bemerkt, von jedem Worte gäbe es viele unrichtige Bildungen (*apabhraṃśāḥ*), wie von dem Worte *gauḥ* (Kuh), die *Apabhraṃśāḥ gāvī, goṇī, gotā, gopotālikā*¹. Davon ist *gāvī* im Prākrit sehr gebräuchlich, zu JM. *goṇī* das Masculinum *goṇo* (§ 393). Zu Pāṇini 1, 3, 1 (p. 259) erwähnt Kātyāyana *ānapayati*, dem Patañjali *vaṭṭati, vaḍḍhati* hinzufügt; zu Pāṇ. 3, 1, 91 (2, 74) Patañjali *supati*, und Kaiyaṭa bezeichnet solche Verba ausdrücklich als *Apabhraṃśa*². *ānapayati* haben die Inschriften des Aśoka (SENART 2, 559) und der Leṇadialekt (Arch. S. of W. I. 4, 104. 110); ihm entspricht Ś. Mg. *āṇavedi* (§ 551), während das Pāli *āṇāpeti* hat. Dass für *vaṭṭati, vaḍḍhati, supati* das Pāli gleichlautende Formen hat, hat schon KIELHORN bemerkt. Im Prākrit lauten sie M. AMg. JM. *vaṭṭai*, JŚ. Ś. *vaṭṭadi*, M. AMg. JM. *vaḍḍhai*, Ś. *vaḍḍhadi* (§ 289. 291), M. *suvai*, *suai*, JM. *suyaï* (§ 497). Die indischen Grammatiker und Rhetoriker teilen den Wortschatz der Prākrit in drei Classen: 1) *Saṃskṛtasama* »dem Sanskrit gleich« (C. 1, 1; Sr. bei PISCHEL, De gr. Pr. p. 40), gewöhnlich *Tatsama* »ihm (d. h. dem Sanskrit) gleich« (Triv. bei PISCHEL, 1. c. p. 29; Mk. fol. 2; Daṇḍin, Kāvyādarśa 1, 32; Dhanika zu Daśarūpa 2, 60), auch *Tattulya* (Vāgbhaṭālaṃkāra 2, 2) und *Samānaśabda* (Bhāratīyan. 17, 3); 2) *Saṃskṛtabhava* »vom Sanskrit stammend« (Sr.), gewöhnlich *Tadbhava* (Triv.; Mk.; Daṇḍin; Dhanika), auch *Saṃskṛtayoni* (Hc. 1, 1; C.), *Tajja* (Vāgbhaṭa) und *Vibhraṣṭa* (Bhāratīyan. 17, 3); 3) *Deśya* (Hc.; Triv.; Sr.; Mk.; Vāgbhaṭa) oder *Deśī* (Deśin. p. 1, 2; Daṇḍin; Dhanika), auch *Deśīprasiddha* (C.) und *Deśīmata* (Bhāratīyan. 17, 3)³. Die *Tatsama* sind Wörter, die im Prākrit dieselbe Gestalt wie im Sanskrit zeigen, wie *kara, komala, jala, soma*. Die *Tadbhava* werden in die Classen der *sādhyamānasaṃskṛtabhavāḥ* und *siddhasaṃskṛtabhavāḥ* eingeteilt. Zur ersten Classe gehören die Prākritwörter, die das Sanskritwort, von dem man sie ableitet, noch in seiner unfertigen Form ohne Affix und Suffix voraussetzen. Es kommt dabei besonders die Flexion in Betracht, bei der das Wort erst nach den Regeln der Grammatik fertig gebildet wird (*sādhyamāna*). BEAMES hat sie passend »early Tadbhavas« genannt⁴. Sie sind der selbständigere Bestandteil des Prākrit. Die zweite Classe umfasst die Prākritwörter, die aus einer bereits grammatisch fertigen (*siddha*) Sanskritform erwachsen sind, wie AMg. *vandittā* = Skt. *vanditvā*⁵. Da ein grosser Teil der *Tatsama* und *Tadbhava* sich in allen neuindischen Sprachen findet, so ist es unrichtig, anzunehmen, dass alle derartigen Wörter nur aus dem Sanskrit stammen können. Denn dass nicht alle neuindischen Sprachen auf das Sanskrit zurückgehen, bedarf heut keines Beweises mehr.
c2.s1.27
¹ I WEBER, IS. 13, 365. — 2 KIELHORN, ZDMG. 39, 327. Vgl. SØRENSEN 1. c. p. 180 f. — 3 Vgl. auch BEAMES, Comp. Gr. 1, 11 ff.; PISCHEL, De gr. Pr. p. 30 f.; BB. 3, 235; HOERNLE, Comp. Gr. p. XXXVIII ff. Als vierte Classe nennt Bhuvanapāla bei WEBER, IS. 16, 59 die Worte, die sich an die *sāmānyabhāṣā* anlehnen. — 4 Comp. Gr. 1, 17. — 5 PISCHEL zu Hc. 1, 1.
c2.s1.28
§ 9. Zur Classe der *Deśya* oder *Deśī* rechnen die Inder sehr ungleichartige Elemente. Sie zählen dazu alles, was seiner Form oder Bedeutung nach von ihnen nicht auf das Sanskrit zurückgeführt werden kann. Je nach dem Grade seiner Belesenheit im Sanskrit oder seiner Geschicklichkeit im Etymologisiren erklärt der eine ein Wort als Deśya, das ein anderer den Tadbhava oder Tatsama zuteilt. So erscheinen unter den Deśī Wörter, die zwar deutlich auf eine Sanskritwurzel zurückgehen, aber im Sanskrit keine genau entsprechende Form haben, wie pāso (Auge; Triv. in BB. 6, 104) oder pāsaṃ (Deśīn. 6, 75) zu AMg. pāsaï = skt. paśyati; oder sivvī (Nadel; Deśīn. 8, 29; Triv. in BB. 3, 260) zu skt. sīvyati. Ferner Composita, deren einzelne Bestandteile zwar Skt. sind, deren specielle Bedeutung sich aber im Skt. nicht findet, wie acchivaḍaṇaṃ (Schliessen der Augen; Deśīn. 1, 39 mit Commentar; Triv. in BB. 13, 5) = akṣi + patana; oder sattāvisaṃjoaṇo (Mond; Deśīn. 8, 22; C. 1, i p. 39 = Siṃhadevagaṇin zu Vāgbhaṭālaṃkara 2, 2) = saptāviṃśati + dyotana¹. Dann Wörter, für die das Skt. keine Wurzel hat, wie joḍaṃ (Gestirn; Deśīn. 3, 49), joḍo (Triv. in BB. 13, 17 f.); oder tuppo (gesalbt; Pāiyal. 233; Deśīn. 5, 22; Hāla 22 v. l. 289. 520), das sich zu Marāṭhī tūpa (gereinigte Butter; Ghee) stellt². Endlich Wörter, die etwas seltenere Lautgesetze aufweisen, wie gaharo (Geier; Pāiyal. 126; Deśīn. 2, 84; Triv. in BB. 6, 93), von Trivikrama richtig = gṛdhra gesetzt; oder vihuṇḍuo (Rāhu; Deśīn. 7, 65; Triv. in BB. 3, 252) = vidhumtuḍaḥ³. Sehr zahlreich sind unter den Deśī die Verba vertreten, die von den Grammatikern als Dhātvādeśa »Wurzelsubstitute« bezeichnet werden und in den einheimischen Grammatiken einen weiten Raum einnehmen (Vr. 8, 1 ff.; Hc. 4, 1 ff.; Kī. 4, 46 ff.; Mk. fol. 53 ff.). Hier versagt das Skt. am häufigsten, während die Übereinstimmung mit den neuindischen Sprachen scharf hervortritt⁴. Wie der Name zeigt, hat man unter den Deśī »Provinzialismen« zu verstehen. In der grössten uns erhaltenen Sammlung derselben, Hc.’s Rayaṇāvalī (§ 36), sind die Dhātvādeśa nicht wieder im Texte aufgeführt (Deśīn. 1, 3), und Hc. schliesst (1, 4) ausdrücklich alle Provinzialismen aus, die nicht im Prākrit gebraucht worden sind. Viele solche Deśī sind aus dem Prākrit oder Apabhraṃśa in die sanskritischen Wörterbücher⁵ und Dhātupāṭha⁶ aufgenommen worden. Es ist möglich, dass unter den Deśī ein und das andere nicht-arische Wort sich befindet; die Hauptmasse aber ist uraltes arisches Sprachgut, das wir im Skt. vergeblich suchen. Namisādhu zu Rudraṭa, Kāvyālaṃkāra 2, 12 gibt eine Etymologie von prākṛta, wonach die Grundlage (prakṛti) des Prākrit und Sanskrit die nicht durch grammatische Regeln zugestutzte, natürliche Umgangssprache aller Menschen sei, oder das Prākrit diese Umgangssprache selbst (§ 16). Das ist, wie gezeigt, unrichtig. Das Sanskrit macht einen Hauptbestandteil einzelner Prākritdialekte aus, namentlich der Māhārāṣṭrī in Kunstgedichten, wie der Gaüḍavaho und Rāvaṇavaho, die ganz nach Vorbildern in Skt. gedichtet sind. In ihnen ist daher auch die Zahl der Deśī eine verschwindend kleine⁷, während sie in JM. sehr bedeutend ist. Ich stimme ganz mit SENART⁸ überein, dass alle Prākrits in der Volkssprache wurzeln und alle ihre wesentlichen Elemente ursprünglich der lebenden Sprache entlehnt sind, dass aber diejenigen Dialekte, die zur Literatursprache erhoben wurden, ganz wie das Sanskrit, bedeutenden Veränderungen unterworfen wurden.
c2.s1.29
¹ Nicht etwa = yojana. Gemeint sind die 27 nakṣatra.
c2.s1.30
² WEBER, ZDMG. 28, 355.
c2.s1.31
³ Vgl. Deśīn. 1, 3; BÜHLER, Pāiyalacchī p. 11 ff.; SØRENSEN 1. c. 225 ff.
c2.s1.32
⁴ Zahlreiche Beispiele findet man in der Übersetzung des Hc. und bei WEBER in den Anmerkungen zu Hāla.
c2.s1.33
⁵ ZACHARIAE, Beiträge zur indischen Lexicographie (Berlin 1883), p. 53 ff. Vgl. auch WACKERNAGEL, Altind. Gr. p. LI ff.
c2.s1.34
⁶ BENFEY, Vollständige Grammatik § 140, 2; PISCHEL, BB. 3, 236. 264; 6, 84; BÜHLER, WZKM. 8, 17 ff.; 122 ff.; FRANKE, ibid. 321 ff.
c2.s1.35
⁷ PISCHEL, GGA. 1880, p. 326, wo bemerkt ist, dass in den Anmerkungen zu Rāvaṇavaho viel wertvolles Material steckt; SHANKAR P. PANDIT, Gaüḍavaho p. LVI.
c2.s1.36
⁸ L’épigraphie et l’histoire linguistique de l’Inde. Extrait des Comptes rendus des Séances de l’Académie des Inscriptions et Belles-Lettres (Paris 1886), p. 17 ff.; Les inscriptions de Piyadasi 2, 530 ff. SENART hat aber den Begriff Prākrit, wie schon § 7, Anm. 1 erwähnt, nicht überall streng genug gefasst.
c2.s1.37
§ 10. Inschriftlich sind uns in Prākrit erhalten: die Schenkungsurkunde des Pallava Königs Śivaskandavarman, die der Königin des Pallava Yuvarāja Vijayabuddhavarman¹, die Ghaṭayāla-Inschrift des Kakkuka, und die Bruchstücke von Somadeva’s Lalitavigraharājanāṭaka. Die erste ist herausgegeben worden von BÜHLER, EI. 1, 2 ff.; einige Verbesserungen gaben LEUMANN, ibid. 2, 483 ff. und PISCHEL, GN. 1895, 210 ff. Ich bezeichne sie mit PG. = Pallava Grant. BÜHLER hat hervorgehoben, dass sich in dieser Inschrift einige Eigentümlichkeiten finden, die sonst fast nur im litterarischen Prākrit vorkommen. So der Wandel von ya in ja in kāravējja, vaṭṭeja, hoja, jo, saṃjutto; der häufigere Wandel von dentalem na in cerebrales; das Eintreten von tönenden Lauten an Stelle von tonlosen, wie Kassava, aṇuvaṭṭhāveti, vi, bhaḍa, kaḍa; die doppelte Schreibung der Consonanten wie aggiṭṭhoma, assamedha, dhamma, savattha, raṭṭhika u. s. w.². Alle diese Eigenheiten finden sich zerstreut auch in einer oder der anderen Inschrift im Leṇadialekt³. Aber alle zusammen und in diesem Masse hat sie sonst keine andere Inschrift, und insofern darf man die Sprache zum Prākrit rechnen. Aber es ist durchaus kein reines Prākrit. Neben ja steht ya; na ist oft erhalten; tonlose Laute bleiben meist unverändert; verdoppelte Consonanten werden auch einfach geschrieben, wie Sivakhaṃdavamo, gumike, vadhanike, u. a.⁴ Grobe Verstösse gegen das Prākrit sind: Kāmcipurā (5, 1) für Kamcipurā; Ātteya° (6, 13) für Atteya°; Vatsa° (6, 22) für Vaccha°; cāttāri (6, 39) für cattāri; ungewöhnlich sind vitarāma (5, 7) für vitarāmo; dūdha (6, 31) für duddha; °dattam (6, 12) für °diṇṇaṃ, datā (7, 48) i. e. dattā für diṇṇā. Man sieht deutlich, dass die Sprache eine künstliche ist⁵. Für die Geschichte des Prākrit ist die Inschrift nicht ohne Interesse und Wert, und ist daher in der Grammatik durchweg ausgenutzt worden, während der Leṇadialekt und der sogenannte Gāthā-Dialekt⁶ ausserhalb des Rahmens derselben fallen. Die Inschrift des Kakkuka, mit KI. bezeichnet, hat Munsiff DEBIPRASĀD veröffentlicht, JRAS. 1895, p. 513 ff. Sie ist in Jaina Māhārāṣṭrī (§ 20) geschrieben.
c2.s1.38
¹ Veröffentlicht von FLEET, IA. 9, 100 ff. Fast unbrauchbar. Vgl. BÜHLER, EI. 1, 2, Anm.
c2.s1.39
² BÜHLER, l. c. p. 2 ff.
c2.s1.40
³ SENART, Piyadasi 2, 489 ff.
c2.s1.41
⁴ BÜHLER, l. c. p. 2 ff.
c2.s1.42
⁵ Es gilt von ihr in noch höherem Grade, was SENART l. c. 2, 494 vom Leṇadialekt sagt: cette langue n'est donc ni purement populaire ni entièrement réglée.
c2.s1.43
⁶ Dass dieser Name unpassend ist, bemerkt SENART, l. c. 2, 469 f. mit Recht. Sein Vorschlag, die Sprache »sanskrit mixte« zu nennen, dürfte aber wenig Beifall finden. Weitere Litteratur bei WACKERNAGEL, Altind. Gr. p. XXXIX f.
c2.s1.44
§ 11. Die Bruchstücke von Somadeva’s Lalitavigraharājanāṭaka befinden sich auf zwei Basaltplatten, die in Ajmīr gefunden worden sind. Sie sind veröffentlicht worden von KIELHORN, IA. 20, 201 ff. und neu GN. 1893, 552 ff. In ihnen befinden sich drei Prākritdialekte: Māhārāṣṭrī, Śaurasenī und Māgadhī. KONOW hat gezeigt¹, was ich gleich bei der ersten Einsicht in das Prākrit bemerkt hatte², dass im ganzen die Prākritformen genau zu Hemacandra’s Regeln stimmen. Aber Hc. war schwerlich die Autorität, nach der Somadeva sich gerichtet hat. Hc. 4, 271 erlaubt in Ś. das Absol. auf -dūṇa, Somadeva hat -ūṇa, die Māhārāṣṭrīform; Hc. 4, 280 fordert yjeva, Somadeva hat jjeva; in der Māgadhī hat Somadeva in Consonantengruppen ś, wo Hc. 4, 289 s lehrt; er hat śta für rtha statt sta des Hc. 4, 291 und śka für ḥka, ska des Hc. 4, 296. 297³. Davon kann das Absol. auf -ūṇa ein Fehler sein, den Somadeva selbst gemacht hat; auch -dūṇa wäre falsch (§ 584); śta für sta kann Fehler der Überlieferung sein, da sich 566, 9 yahastaṃ = yathārtham findet. Aber śka für ḥka, ska kann kaum mit KONOW⁴ als Versehen des Steinmetzen angesehen werden, da die Beispiele zu zahlreich sind. Freilich darf man der Inschrift keinen höheren Wert beilegen als den einer einzigen Handschrift. Sie ist voll von groben Verstössen gegen die Dialekte, wie jede Handschrift eines Dramas. Zu den schon von Konow l. c. p. 479 hervor-gehobenen Fehlern füge ich noch hinzu: Ś. *tujjha* (554, 4; s. § 421); *jjeva* (554, 4; 555, 18) für *jeva* nach Anusvāra; *nimmāya* (554, 13; s. § 591); die Passiva *viloijjanti*, *pĕkkhijanti* (554, 21. 22), *kijjadu* (562, 24), *jampijjadi* (568, 6), die ja auch Hc. zulässt, für *viloīanti*, *pĕkkhīanti*, *karīadu*, *jampīadi* (§ 535); *kitti* (555, 4) für *kiṃ ti*; *rayaṇāiṃ* (555, 15), *rāaṇa* (560, 19) für *radaṇāiṃ*, *radaṇa*; *gihīda* (560, 20) für *gahida*; *ēārisaṃ* (563, 3) für *edārisaṃ*. In Mg. sind Dialektfehler: *pĕśkiyyamdi* (565, 13) für *pĕśkīanti*, *pĕśkiyyasi* (565, 15) für *pĕśkīasi*; *yāniyyadi* (566, 1) für *yāṇīadi*; *pacakkhīkadaṃ* (566, 1) für *pacakkī*; *yahastaṃ* (566, 9) für *yadhastaṃ*; *nijjhala*, *yujjha* (566, 9. 11) für *niyyhala*, *yuyyha* (vgl. § 280. 284); *eva* (567, 1) für *yeva*. Das sind alles Fehler, wie sie auch in den Handschriften beständig vorkommen, gerade wie *tamapasara* (555, 11), *pacakkhāiṃ* (555, 14), *śśalūvaṃ* (565, 9). Die meisten, wenn nicht alle, würden gewiss verschwinden, wenn uns noch Handschriften des Dramas zur Verfügung ständen. Einiges, wie die Absol. auf *-ūna* und die Passiva auf Ś. *-ijja-*, Mg. *-iyya-*, kann auch auf Rechnung des Verfassers gesetzt werden, wie auch Rājaśekhara (§ 22) und spätere Dichter die Dialekte oft durcheinander werfen. Die Schreibung *n* statt *ṇ* und der Einschub von *y* weist auf die Jaina hin. Ein zweites in Ajmīr gefundenes Bruchstück, das des Harakelināṭaka, wird dem Vigraharājadeva selbst zugeschrieben und ist vom 22. November 1153 datirt⁶; Hemacandra’s Grammatik »wird frühestens gegen das Ende des Vikrama-Jahres 1197 fertig geworden sein«⁷, also 1140 n. Chr. Mithin waren Somadeva und Hc. Zeitgenossen. Trotz aller Fehler sind diese Bruchstücke von grösster Wichtigkeit für die Māgadhī, die nur hier uns in einer Gestalt überliefert ist, die mit den Regeln der Grammatiker übereinstimmt (§ 23).
c2.s1.45
¹ GGA. 1894, 478 ff.
c2.s1.46
² IA. 20, 204.
c2.s1.47
³ Konow, l. c. p. 481.
c2.s1.48
⁴ l. c. p. 482.
c2.s1.49
⁵ Konow, l. c. p. 480.
c2.s1.50
⁶ Kielhorn, IA. 20, 201.
c2.s1.51
⁷ Bühler, Über das Leben des Jaina Mönches Hemachandra (Wien 1889), p. 18.
c2.s1.52
§ 12. Für das Prākrit schlechthin und das vorzüglichste Prākrit gilt die Māhārāṣṭrī (§ 2), die ihren Namen von Mahārāṣṭra, dem Lande der Marāṭhen hat, mit deren Sprache sie, wie Garrez gezeigt hat (§ 5), unzweifelhafte Berührungspunkte aufweist¹. Kein anderer Dialekt ist in gleichem Masse zu Kunstzwecken lautlich verändert worden. Die Ausstossung der Consonanten hat in M. einen Umfang gewonnen, wie sonst nirgends, so dass lautlich ursprünglich ganz verschiedene Wörter oft völlig zusammengefallen sind. So ist M. *kaa* = *kaca* und *kṛta*; *kaī* = *kati*, *kapi*, *kavi*, *kṛti*; *kāa* = *kāka*, *kāca*, *kāya*; *gaā* = *gatā*, *gadā*, *gajāḥ*; *maa* = *mata*, *mada*, *maya*, *mṛga*, *mṛta*; *vaa* = *vacas*, *vayas*, *vrata*, *pada*; *sua* = *śuka*, *suta*, *śruta* u. s. w.² Nicht mit Unrecht hat daher Beames³ die M. als »emasculated stuff« bezeichnet. Wie längst erkannt, ist ihre Lautgestalt wesentlich dadurch bedingt, dass die M. vor allem in Singstrophen gebraucht wurde. Solche Strophen sind die *Gāhā* = Skt. *Gāthā*, die uns gesammelt in der Sattasaī des Hāla und dem Vajjalagga des Jayavallabha⁴, zerstreut bei den Rhetorikern und in die Dramen eingefügt sind. Sie werden ausdrücklich als *Gāhā* »Lied«, »Singstrophe« bezeichnet, z. B. H. 3. 500. 600. 698. 708. 709. 815; Vajjālagga 3. 4. 9. 10; p. 326, 6. Die in reinster M. geschriebene Strophe Mudrār. 83, 2. 3, die der als Schlangengaukler und Prākritdichter auftretende Virādhagupta dem Minister Rākṣasa schickt, wird von diesem als *Gāthā* bezeichnet, und Viśvanātha, Sāhityadarpaṇa 432 sagt, dass nicht-niedrige Frauen im Drama Śaurasenī sprechen, in ihren Liedern aber (*āsām eva tu gāthāsu*) die Māhārāṣṭrī gebrauchen sollen. Die Strophe Śak. 55, 15. 16 nennt Priyamvadā 54, 8 ein *gīdaṃ* = *gītakam*, Śakuntalā 55, 8 eine *gīdiā* = *gītikā*; die Verse des Spions Mudrār. 34, 6 ff. sind nach 35, 1 *gīdāim* »Lieder«. Die Schauspielerin singt (*gāyati*) ihre Strophen in M., z. B. Sak. 2, 13; Mallikām. 19, 1; Kāleyak. 12, 6 (*vīṇām vādayantī gāyati*); Unmattar. 2, 17; vgl. Mukund. 4, 20 ff.; von den Strophen in M., die hinter der Bühne vorgetragen werden, heisst es *nepathye gīyate*, z. B. Sak. 95, 17; Viddhaś. 6, 1; Kāleyak. 3, 6; Karṇas. 3, 4. Diese Verwendung der M. in lyrischen, für den Gesang bestimmten Dichtungen ist unzweifelhaft die älteste, und ihr ist die weitgehende Ausstossung der Consonanten in erster Linie zuzuschreiben⁵.
c2.s1.53
¹ I Im Pāli mit E. KUHN (KZ. 33, 478) die älteste Form der Māhārāṣṭrī-Prākrits zu sehen, halte ich nicht für richtig. — [^2]: Einige Beispiele bei SHANKAR P. PANDIT, Gauḍavaho p. LVI. LVIII. — [^3]: Comp. Gr. 1, 223. — [^4]: BHĀṆḌĀRKAR, Report 1883—84 (Bombay 1887), p. 17. 324 ff. Der richtige Name ist *Vajjālaggā* (3. 4. 5; p. 326, 9), woraus *Vajjālaya* (p. 326, 5) entstanden ist. Das Wort besteht aus *vajjā* = *vrajyā* (B.-R. s. v.; WEBER, Hāla² p. XXXVIII; PISCHEL, Die Hofdichter des Lakṣmaṇasena (Göttingen 1893) p. 30 f.) und *lagga* (Zeichen; Merkmal; Deśīn. 7, 17) = Skt. *lagna*. Die Übersetzung mit *Padyālaya* ist falsch. — [^5]: WEBER, IStr. 3, 159 f.; 279; Hāla² p. XX.
c2.s1.54.1
§ 13. Für unsere Kenntnis der M. ist das wichtigste Werk die Sattasaī des Hāla. Die ersten 370 Strophen hat WEBER bereits 1870 veröffentlicht: Über das Saptaçatakam des Hāla. Leipzig 1870¹. Nachträge und Verbesserungen gab WEBER in ZDMG. 26, 735 ff.; 28, 345 ff., denen eine vollständige Ausgabe mit deutscher Übersetzung und Wortverzeichnis folgte: Das Saptaçatakam des Hāla. Leipzig 1881. Über Bhuvanapāla’s Commentar Chekoktivicāralilā handelt WEBER, IS. 16, 1 ff. Eine wegen des vollständig abgedruckten Commentares und wegen mancher guten Lesart unentbehrliche Ausgabe haben noch geliefert DURGĀPRASĀD und KĀŚĪNĀTH PĀṆḌURANG PARAB: The Gāthāsaptaśatī of Sātavāhana. With the Commentary of Gaṅgādharabhaṭṭa. Bombay 1889 (= Kāvyamālā 21). WEBER setzt die Sammlung »frühestens in das 3. Jahrhundert n. Chr., jedenfalls aber früher als das 7. Jahrhundert« und hat in der Einleitung zu seiner vollständigen Ausgabe über die sechs verschiedenen Recensionen, zu denen als siebente die des Bhuvanapāla kommt, ausführlich gehandelt (p. XXVII ff.). Wir ersehen aus der Sattasaī, dass es eine überaus reiche Litteratur in M. gegeben hat. Ursprünglich war jeder Strophe der Name ihres Verfassers beigefügt (H. 709). Von diesen Namen ist uns leider nur ein kleiner Teil überliefert, manche in verderbter Gestalt, und die Überlieferung schwankt sehr in der Zuteilung der Verse.
c2.s1.54.2
Bei den Commentatoren der Vulgata werden 112 Namen genannt, bei Bhuvanapāla 384, wobei ich Sātavāhana (Sātavāhana, Sālivāhana, Sālāhaṇa) und Hāla als einen rechne. Zwei von diesen Dichtern, Harivṛddha (Hariuḍḍha) und Poṭṭisa werden auch von Rājaśekhara, Karp. 19, 2 erwähnt, wo noch Ṇaṇdiuḍḍha = Naṇdivṛddha und Hāla, und in der v. l. Pālittaa, Campaarāa und Malaasehara genannt werden². Von diesen wird Pālittaa von Bhuvanapāla als Dichter von zehn Versen der Sammlung angegeben. Falls Pālitta mit WEBER³ = Pādalipta zu setzen ist, wird er identisch sein mit dem Pādaliptācārya, den Hc., Deśīn. 1, 2 als Verfasser eines Lehrbuches der Deśī (*deśīśāstra*) nennt. Der richtige Name des zuletzt genannten Dichters ergibt sich jetzt mit Sicherheit aus der v. l. Mallasehara bei KONOW und dem Malayaśeṣara d. h. °śekhara bei Bhuvanapāla. Abhimāna, nach Bhuvanapāla der Dichter von H. 518, wird mit vollerem Namen Abhimānacihna lauten und, wie Pādalipta, Verfasser eines Deśīśāstra sein, das zu den *sūtra* eine *vṛtti* enthielt, in der Abhimāna eigene Beispiele gab (Deśīn. 1, 144; 6, 93; 7, 1; 8, 12. 17). Das Gleiche gilt von Devarāja, nach Bhuvanapāla Dichter von H. 220. 369, nach Deśīn. 6, 58. 72; 8, 17 Schriftsteller über Deśī, und von Sātavāhana selbst, der Deśīn. 3, 41; 5, 11; 6, 15. 18. 19. 112. 125 unter den Quellen Hemacandra’s über Desī erscheint. Aparājita, den Bhuvanapāla als Dichter von H. 756 nennt, ist verschieden von dem Aparājita, der nach Karp.
c2.s1.54.3
6, 1 eine Mṛgāṅkalekhākathā schrieb und ein Zeitgenosse der Rājaśekhara war. Ob dieser jüngere Aparājita überhaupt nicht Sanskrit gebrauchte, bleibt unentschieden, da Rājaśekhara die angeführte Strophe ins Prākrit übersetzt haben kann, und in der Subhāṣitāvali 1024 eine Sanskritstrophe von ihm citirt wird. Sarvasena, dem nach Bhuvanapāla die Strophen H. 217. 234 angehören, verfasste nach Ānandavardhana, Dhvanyāloka 148, 9 einen Harivijaya, aus dem 127, 7 eine Strophe angeführt wird, die auch Hemacandra, Alaṃkāracūḍāmaṇi fol. 7b (MS. KIELHORN, Report (Bombay 1881), p. 102, Nr. 265) beibringt⁴. Von bekannten Dichtern wird in beiden Listen Pravarasena, bei Bhuvanapāla auch Vākpatirāja genannt. Keine der citirten Strophen findet sich aber im Rāvaṇavaho und Gaüḍavaho. Da Vākpatirāja nach G. 69 noch ein zweites Kunstgedicht, den Mahumahaviaa, nach Ānandavardhana, Dhvanyāloka 152, 2, Someśvara, Kāvyādarśa fol. 31 (MS. KIELHORN, Report p. 87, No. 66), Hemacandra, Alaṃkāracūḍāmaṇi fol. 7b Madhumathanavijaya, verfasst hat, könnten die beiden ihm zugeschriebenen Strophen aus diesem stammen. Aber die Listen gehen auch hier auseinander und sind unzuverlässig. Trotzdem bleibt die Thatsache bestehen, dass die Sattasaī eine sehr reiche Litteratur in Prākrit voraussetzt, an der auch Frauen beteiligt waren. Ob nicht einzelne Strophen nur gelegentlich in Sanskritwerke eingestreut waren, wie in den Dramen, muss die Zukunft lehren⁵.
c2.s1.55
¹ Eine wichtige Anzeige davon hat GARREZ veröffentlicht im JA. VI, 20, 197 ff.
c2.s1.56
² PISCHEL, GGA. 1891, 365; v.l. zu Karp. 19, 2.
c2.s1.57
³ IS. 16, 24, Anm. 1.
c2.s1.58
⁴ PISCHEL, ZDMG. 39, 316.
c2.s1.59
⁵ Die beiden Ausgaben WEBER'S werden als H.¹ und H.² unterschieden, wo dies nötig ist. H. bezeichnet stets die zweite Ausgabe.
c2.s1.60
§ 14. Auf eine reiche Litteratur in Prākrit weist auch die zweite Anthologie hin, das Vajjālagga des Jayavallabha (§ 12), eines Jaina aus der Secte der Śvetāmbara. Sie enthält nach BHĀṆḌARKAR l. c. p. 17 in 48 Abteilungen, die p. 325 aufgeführt werden, 704 Strophen, deren Verfasser leider nicht genannt werden. Strophe 2 ist = H. 2; von den p. 325 mitgeteilten Strophen 6—10 steht aber keine in H., und die baldige Veröffentlichung des Vajjālagga ist sehr zu wünschen. Eine Chāyā dazu schrieb Ratnadeva im Vikrama-Jahre 1393 = 1336 n. Chr. Der eigentliche Name der Sammlung ist übrigens nach p. 324, 26 Jaavallaham. Eine grosse Anzahl Strophen in M. führen ferner die Rhetoriker an. Von den 67 Strophen, die WEBER im Anhang zu H.¹ p. 202 ff. aus Dhanika's Commentar zum Daśarūpa, dem Kāvyaprakāśa und Sāhityadarpaṇa zusammengestellt hat, haben sich 32 in den verschiedenen Recensionen der Sattasaī gefunden, so dass H.² p. 509 ff. noch 35 übrig bleiben. Davon wird 968 de ā pasia auch im Dhvanyāloka 22, 2; Alaṃkārac. fol. 4b und sonst citirt; 969 aṇṇaṃ laḍahaṭṭaṇaaṃ (so zu lesen) bei Ruyyaka, Alaṃkārasarvasva 67, 2; Alaṃkārac. fol. 37 u. a.; 970 bei Jayaratha, Alaṃkāravimarśinī fol. 24b (MS. BÜHLER, Detailed Report Nr. 230); 971 bei Śobhākara, Alaṃkāraratnākara fol. 20 (MS. BÜHLER, Det. Rep. Nr. 227), und so auch die anderen bei diesem oder jenem Rhetoriker. Die Strophen 979 jo (so zu lesen) parihariuṃ, 988 taṃ tāṇa, die viel citirte 989 tālā jāanti und 999 homi vahatthiareho stammen aus Ānandavardhana's Viṣamabāṇalīlā, einem Gedichte, das Ānandavardhana selbst citirt Dhvanyāloka 62, 3; 111, 4; 152, 3; 241, 12. 20, und das nach 241, 19 zum Unterricht für die Dichter (kavivyutpattaye) geschrieben war. Vgl. 222, 12 mit dem Commentar des Abhinavagupta. Für Strophe 979 bezeugen den Ursprung Someśvara, Kāvyādarśa fol. 52 (MS. KIELHORN, Report 1880/81, p. 87, No. 66) und Jayanta, Kāvyaprakāśadīpikā fol. 65 (MS. BÜHLER, Det. Rep. Nr. 244), die beide das Gedicht hier Pañcabāṇalilā nennen; 988 und 989 citirt Ānandavardhana selbst Dhvanyāloka p. 111. 62¹; Strophe 999 Abhinavagupta zu Dhvanyāloka 152, 18 [in der Ausgabe ganz verstümmelt]; dass sie aus der Viṣamabāṇalilā ist, bemerken Someśvara l. c. fol. 62 und Jayanta l. c. fol. 79. Eben daraus citirt Ānandavardhana, Dhvanyāloka 241, 13 noch die Strophe ṇa a ṭāṇa ghaḍai. Dass er auch in Apabhraṃśa dichtete, beweist die Strophe 243, 20². Abhinavagupta zu Dhvanyāloka p. 223, 13 citirt auch eine Prākritstrophe seines Lehrers Bhaṭṭendurāja, der als Sanskritdichter längst bekannt ist³. Die meisten Prākritstrophen enthält unter den rhetorischen Werken das Sarasvikaṇṭhābharaṇa des Bhojadeva, nach ZACHARIAE⁴ etwa 350, wovon etwa 150, nach JACOB³ 113, aus der Sattasaī, etwa 30⁶ aus dem Rāvaṇavaho, ferner Strophen in M. aus Kālidāsa, Śrīharṣa, Rājaśekhara u. a., viele aus bis jetzt unbekannten Quellen. Die Angabe BOROOAH’S⁷, dass darunter besonders ein Gedicht Satyabhāmāsaṃvāda »or a similar poem on the same subject« war, beruht offenbar auf den Strophen kuviā ca Saccahāmā 322, 15 und surakusumehi kalusiaṃ 327, 25, die nach der darauf folgenden Erläuterung Satyabhāmā zu Rukmiṇī spricht. Vgl. auch 340, 9; 369, 21; 371, 8. Nach dem, was wir bis jetzt wissen, können die Strophen danach aus Sarvasena’s Harivijaya oder Vākpatirāja’s Madhumathanavijaya stammen (§ 13). Dass auch die Dramen Gāthās in M. enthalten, ist oben (§ 12) bemerkt worden.
c2.s1.61
¹ 989 auch Jayanta l. c. fol. 25; vgl. PISCHEL, BB. 16, 172 f.
c2.s1.62
² In der Ausgabe der Kāvyamālā ist sie ganz verstümmelt. Auf Grund der MSS. ist sie etwa so lesen: mahu mahu tti bhaṇantiaho vajjaī kālu jaṇassu | to vi ṇa deu ṇaḍaṇaü goarihoi maṇassu.
c2.s1.63
³ AUFRECHT, Cat. Cat. 1, 59 s. v. Indurāja Bhaṭṭa.
c2.s1.64
⁴ 1884, p. 309.
c2.s1.65
⁵ JRAS. 1897, p. 304. AUFRECHT bei WEBER, Hāla 2, p. XLIII, Anm. 1 hat 78 identificirt.
c2.s1.66
⁶ ZACHARIAE l. c.
c2.s1.67
⁷ In seiner Ausgabe (Calcutta 1883), Preface p. IV f.
c2.s1.68
§ 15. Die Māhārāṣṭrī ist auch die Sprache der Kunstepen, von denen bisher zwei herausgegeben sind, der Rāvaṇavaho und der Gaüḍavaho. Der Verfasser des Rāvaṇavaho, der auch Dahamuhavaho und meist mit dem Sanskrittitel Setubandha genannt wird, ist unbekannt. Der Tradition nach ist es Pravarasena, womit wahrscheinlich der König Pravarasena II. von Kaschmir gemeint ist¹, auf dessen Veranlassung das Gedicht geschrieben sein wird. Zur Zeit des Bāṇa, also im 7. Jahrhundert n. Chr., war das Gedicht bereits berühmt, wie Harṣacarita 14 der Einleitung zeigt; noch etwas höher hinauf führt vielleicht die Erwähnung durch Daṇḍin, Kāvyādarśa 1, 34. Der Rāvaṇavaho ist in drei Recensionen erhalten; eine vierte setzt die Sanskritübersetzung Setusaraṇi voraus². Die Vulgata hat Rāmadāsa commentirt, der unter Akbār (1556—1605) lebte und seinen Text oft falsch verstanden hat. Zuerst hat sich mit ihr beschäftigt HOEFER, der schon 1846 eine Ausgabe in Aussicht stellte³; die beiden ersten der 15 Āśvāsa, die das Gedicht enthält, gab aber erst 1873 PAUL GOLDSCHMIDT heraus: Specimen des Setubandha. Göttingen 1873. Den vollständigen Text mit deutscher Übersetzung hat veröffentlicht SIEGFRIED GOLDSCHMIDT: Rāvaṇavaho oder Setubandha. Strassburg 1880 (die Übersetzung erschien 1883)⁴. Eine neue Ausgabe, die sich an GOLDSCHMIDT anlehnt, aber den Commentar des Rāmadāsa vollständig gibt und daher unentbehrlich ist, haben ŚIVADATTA und PARAB geliefert: The Setubandha of Pravarasena. Bombay 1895 (= Kāvyamālā 47). — Der Verfasser des Gaüḍavaho ist Bappaïrāa, in Sanskrit Vākpatirāja. Er lebte unter König Yaśovarman von Kanyakubja, also am Ende des 7. oder Anfang des 8. Jahrhunderts n. Chr.⁵ Als Vorgänger nennt er 799 ff. Bhavabhūti, Bhāsa, Jvalanamitra, Kāntideva, Kālidāsa, Subandhu, Haricandra. Im Unterschied von allen übrigen Mahākāvya ist der Gaüḍavaho fortlaufend nach Strophen gezählt, deren er 1209 im Āryāmetrum enthält. Auch von diesem Gedicht gibt es mehrere Recensionen, die in Zahl und Anordnung der Strophen oft ziemlich stark von einander abweichen⁶. Der Commentar des Haripāla will nur die Hauptsachen erklären, weshalb er sich auch Gauḍavadhasā-raṭikā nennt⁷. Oft ist er nicht mehr als eine Paraphrase in Sanskrit. Herausgegeben ist der Gauḍavaho mit dem Commentare des Haripāla und einem Wortverzeichnisse von Shankar Pāṇḍurang Paṇḍit: The Gauḍavaho, a Historical Poem in Prākṛit, by Vākpati. Bombay 1887 (= Bombay Sanskrit Series Nr. XXXIV)⁸. Dass Vākpatirāja noch ein zweites Kunstepos in Prākṛit verfasste, den Mahumahavijaa, ist § 13 bemerkt worden; eine Strophe daraus steht bei Abhinavagupta zu Dhvanyāloka 152, 15, zwei andere vielleicht im Sarasvatī. 322, 15; 327, 25 (§ 14). In Paṇḍit's Ausgabe ist der Text, wie bei Hemacandra, nach der Schreibweise der Jaina gegeben, mit na am Anfange und verdoppelt, und mit yaśruti, da die MSS. Jainahandschriften sind. Ebenso wird der Text der Sattasaī in Bhuvanapāla's Commentar aufgeführt. In der Grammatik ist diese Schreibweise hier nicht berücksichtigt, sondern die Worte sind in der reinen Māhārāṣṭrīform citirt worden. Der Rāvaṇavaho und Gauḍavaho sind sehr stark von Sanskritvorbildern beeinflusst (§ 9) und in überaus schwülstiger, gekünstelter Sprache geschrieben, z. T. mit endlosen Compositen, wie sie sich auch in den Dramen des Bhavabhūti, gelegentlich auch in der Mṛcchakaṭikā und sonst finden⁹. Der Gauḍavaho, die Sattasaī des Hāla und der Rāvaṇavaho sind die wichtigsten Quellen für unsere Kenntnis der Māhārāṣṭrī. Da sie mit vorzüglichen Wortverzeichnissen versehen sind, werden sie, namentlich in der Lautlehre, meist nur mit G. H. R. bezeichnet. In H.¹ (§ 13, Anm. 5) p. 29 ff. hat WEBER einen grammatischen Abriss der M. gegeben, so weit dies mit dem bis dahin veröffentlichten Teile der Sattasaī möglich war.
c2.s1.69
¹ MAX MÜLLER, Indien in seiner weltgeschichtlichen Bedeutung (Leipzig 1884) p. 272 ff. Die Annahme, dass Kālidāsa der Verfasser des Rāvaṇavaho sei, beruht auf ganz späten Quellen. — 2 S. GOLDSCHMIDT, Rāvaṇavaho, Einleitung p. v ff. — 3 Jahresbericht der DMG. vom Jahre 1845 (Leipzig 1846) p. 176; Zeitschrift für die Wissenschaft der Sprache 2, 488 ff. — 4 Vgl. dazu die Anzeige von PISCHEL, GGA. 1880, p. 321 ff. — 5 PANDIT, Gauḍavaho, Introduction p. LXIV ff. Der Versuch JACOBI'S, GGA. 1888, p. 68 f. aus der in Strophe 829 erwähnten Sonnenfinsternis das Jahr 733 n. Chr. als der Niederlage Yaśovarman's zu berechnen, ist irrig. Der Zusammenhang verbietet eine Deutung auf eine Niederlage Yaśovarman's. Derartige Schilderungen gehören zum Handwerkszeug der Dichter der Mahākāvya und sind ohne historischen Wert. — 6 PANDIT, Gauḍavaho p. VIII f.; 345 ff. — 7 Andere, aber irrige Erklärungen bei PANDIT, Gauḍavaho p. VII f.; JACOBI, GGA. 1888, p. 63. — 8 Anzeige von JACOBI, GGA. 1888, p. 61 ff. — 9 Weit überschätzt wird Vākpatirāja von PANDIT, Gauḍavaho p. LII ff. und JACOBI, GGA. 1888, p. 65.
c2.s1.70.1
§ 16. Mit der Māhārāṣṭrī pflegt man in engsten Zusammenhang zu setzen die beiden von den Jainas gebrauchten Dialekte, die JACOBI¹ als Jaina Māhārāṣṭrī und Jaina Prākṛit unterschieden hat. Unter Jaina Māhārāṣṭrī (JM.) versteht er die Sprache der Commentatoren und Dichter², unter Jaina Prākṛit die Sprache der älteren Werke des Kanons der Jaina³, der älteren Sūtras⁴. Der Name Jaina Prākṛit, den E. MÜLLER⁵ angenommen hat, ist sehr unglücklich gewählt, und die Behauptung, dieses Jaina Prākṛit sei nur eine ältere oder archaische Māhārāṣṭrī, ist falsch⁶. Die indischen Grammatiker pflegen die Sprache der alten Jainasūtra Ārṣam, d. h. »die Sprache der Ṛṣi«, zu nennen. Hc. 1, 3 erklärt, dass im Ārṣa alle Regeln seiner Grammatik Ausnahmen unterworfen seien und 2, 174, dass für das Ārṣa die im Vorhergehenden gegebenen Beschränkungen nicht gelten, sondern alles erlaubt sei. Trivikrama⁷ schliesst das Ārṣa, wie das Deśya (§ 9), von seiner Grammatik aus, weil es selbständiger Herkunft sei (rūḍhatvāt), d. h. nicht das Sanskrit zur Grundlage habe, und meist seinen eigenen Gesetzen folge (svatantratvāc ca bhūyasā). In einem Citate bei Premacandra Tarkavāgīśa zu Daṇḍin, Kāvyādarśa 1, 33 werden zwei Arten des Prākrit unterschieden, eins, das vom Ārṣa stamme, und eins, das dem Ārṣa gleich sei: *Ārṣottham Ārṣatulyam ca dvidvidham Prākṛtam viduḥ*. Namisādhu zu Rudraṭa, Kāvyālaṃkāra 2, 12 leitet den Namen Prākrit davon her, dass seine Grundlage (*prakṛtiḥ*) die natürliche, durch Grammatik u. s. w.
First 72 of 305 passages. Read on
Linked texts (72)
- Kāvyādarśa — Daṇḍin, Sanskrit
- Aṣṭādhyāyī — Pāṇini, Sanskrit
- Sarasvatīkaṇṭhābharaṇa (alaṅkāra) — Bhoja, Sanskrit
- Daśarūpaka — Dhanañjaya (Daśarūpaka), Sanskrit
- Kathāsaritsāgara — Somadeva Bhaṭṭa, Sanskrit
- Mṛcchakaṭika — Śūdraka, Sanskrit
- Deśīnāmamālā (Rayaṇāvalī) — Hemacandra, Māhārāṣṭrī Prakrit
- Dhvanyāloka — Ānandavardhana, Sanskrit
- Prākṛtaprakāśa — Vararuci, Sanskrit
- Chandaḥsūtra — Piṅgala, Sanskrit
- Alaṅkārasarvasva — Ruyyaka, Sanskrit
- Saduktikarṇāmṛta — Śrīdharadāsa, Sanskrit
- Mārkaṇḍeyapurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Nāṭyaśāstra — Bharata, Sanskrit
- Uttarajjhayaṇa — Ardhamāgadhī Prakrit
- Mudrārākṣasa — Viśākhadatta, Sanskrit
- Gauḍavaho — Vākpatirāja, Māhārāṣṭrī Prakrit
- Setubandha — Pravarasena II, Māhārāṣṭrī Prakrit
- Āyāraṃga — Sudharman, Ardhamāgadhī Prakrit
- Kirātārjunīya — Bhāravi, Sanskrit
- Nāyādhammakahāo — Sudharman, Ardhamāgadhī Prakrit
- Gāhāsattasaī — Hāla, Māhārāṣṭrī Prakrit
- Sāhityadarpaṇa — Viśvanātha Kavirāja, Sanskrit
- Vajjālagga — Jayavallabha, Māhārāṣṭrī Prakrit
- Gītagovinda — Jayadeva, Sanskrit
- Dasaveyāliya — Śayyambhava, Ardhamāgadhī Prakrit
- Harṣacarita — Bāṇabhaṭṭa, Sanskrit
- Kāvyālaṅkārasūtra — Vāmana (poetician), Sanskrit
- Sūyagaḍa — Sudharman, Ardhamāgadhī Prakrit
- Pāiyalacchīnāmamālā — Dhanapāla, Māhārāṣṭrī Prakrit
- Hīrahaḍagaḷḷi plates, time of Śiva-Skandavarman, year 8 — Prakrit
- Kalpasūtra — Bhadrabāhu, Ardhamāgadhī Prakrit
- Mahābhārata — Vyāsa, Sanskrit
- Uvavāiya — Ardhamāgadhī Prakrit
- Harivijaya — Sarvasena, Māhārāṣṭrī Prakrit
- Jāmbavatījaya — Pāṇini, Sanskrit
- Kāmasūtra — Vātsyāyana Mallanāga, Sanskrit
- Pavayaṇasāra — Kundakunda, Śaurasenī Prakrit
- Rāyapaseṇaijja — Ardhamāgadhī Prakrit
- Vikramorvaśīya — Kālidāsa, Sanskrit
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit
- Unmatta Rāghava (Virūpākṣa) — Virūpākṣa, Sanskrit
- Śukasaptati — Sanskrit
- Samavāyaṃga — Sudharman, Ardhamāgadhī Prakrit
- Siṃhāsanadvātriṃśikā — Sanskrit
- Bṛhatkathā
- Jīyakappa — Jinabhadragaṇi Kṣamāśramaṇa, Māhārāṣṭrī Prakrit
- Kuvalayamālā — Uddyotanasūri, Māhārāṣṭrī Prakrit
- Viyāhapannatti — Sudharman, Ardhamāgadhī Prakrit
- Vetālapañcaviṃśatikā — Sanskrit
- Vālmīkirāmāyaṇa — Vālmīki, Sanskrit
- Uvāsagadasāo — Sudharman, Ardhamāgadhī Prakrit
- Samudramathana — Pitāmaha, Sanskrit
- Vivāgasuya — Sudharman, Ardhamāgadhī Prakrit
- Vārarucaṃ Kāvyam — Vararuci, Sanskrit
- Abhijñānaśākuntala — Kālidāsa, Sanskrit
- Vāgbhaṭālaṅkāra — Dharmadāsa, Sanskrit
- Bṛhatkathāmañjarī — Kṣemendra, Sanskrit
- Prākṛtalakṣaṇa — Caṇḍa, Sanskrit
- Alaṅkāracūḍāmaṇi — Ajitasena, Sanskrit
- Prākṛtacandrikā — Kṛṣṇapaṇḍita, Sanskrit
- Bālarāmāyaṇa — Rājaśekhara, Sanskrit
- Mallikāmāruta — Uddaṇḍa Śāstrin, Sanskrit
- Kattigeyāṇuvekkhā — Svāmi Kumāra, Śaurasenī Prakrit
- Karpūramañjarī — Rājaśekhara, Śaurasenī Prakrit
- Prabandhacintāmaṇi — Merutuṅga, Sanskrit
- Karṇasundarī — Bilhaṇa, Sanskrit
- Mukundānanda — Kāśīpati, Sanskrit
- Viddhaśālabhañjikā — Rājaśekhara, Sanskrit
- Usahapaṃcāsiyā — Dhanapāla, Māhārāṣṭrī Prakrit
- Karle cave inscription (No. 6) — Prakrit
- Nasik cave inscription (No. 16, N. 5) (ed. Hultzsch 1906) — Prakrit