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Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.67

Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.67

Language
German

v1.c8.s2.67

Doch ist der Charakter der Hymnen — und ich spreche zunächst von jenen, welche Anrufungen und Lobpreisungen der Götter enthalten, ohne für bestimmte Opferzwecke verfaſst zu sein — sehr verschieden, je nach den Gottheiten, welchen sie gewidmet sind. Zu den erhabensten und schwungvollsten Gedichten gehören unstreitig die Lieder an Varuṇa. Es sind ihrer allerdings nicht viele. Varuṇa aber ist der einzige unter den vedischen Göttern, der hocherhaben über den Sterblichen dasteht, dem sich der Sänger nur mit Zittern und Bangen und in demutsvoller Ehrfurcht zu nahen wagt. Varuṇa ist es auch, der mehr als irgendein anderer Gott des vedischen Pantheons sich um den sittlichen Wandel der Menschen kümmert und die Sünder bestraft. Zerknirscht naht ihm deshalb der Sänger und bittet um Vergebung seiner Sünden. Darum sind die an Varuṇa gerichteten Hymnen auch die einzigen, die sich einigermaſsen mit der Poesie der Psalmen etwa vergleichen lassen. Als Probe gebe ich den Hymnus Rv. V, 85 in der Übersetzung von K. Geldner¹):

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