Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.87
Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.87
- Language
- German
v1.c8.s2.87
Wie immer dem sein mag, sicher ist, daſs die vedischen Sänger selbst kein klares Bewuſstsein mehr von der ursprünglichen Naturbedeutung des Indra sowie des Vṛtra hatten. Für sie war Indra ein gewaltiger Kämpe, ein Riese von ungeheurer Stärke, Vṛtra aber der gefürchtetste unter den Dämonen, welche man in den schwarzen Ureinwohnern des Landes verkörpert glaubte. Indra kämpft ja nicht nur mit Vṛtra, sondern mit zahlreichen anderen Dämonen. Und seine Dämonenkämpfe sind nur ein Abbild der Kämpfe, welche die arischen Einwanderer auszufechten hatten. Darum ist auch Indra vor allem ein Gott der Krieger. Und von keinem der Götter des vedischen Pantheons werden uns so viele individuelle Züge mitgeteilt, keiner wird so »lebenswahr« — wenn man den Ausdruck von einer Gottheit gebrauchen kann — gezeichnet wie dieser kriegerische Gott in den 250 Hymnen, die ihm gewidmet sind. Groſs und stark sind seine Arme. Mit schönen Lippen schlürft er den Somatrank, und wenn er getrunken, bewegt er vergnügt die Kinnbacken und schüttelt den blonden Bart. Goldblond ist auch sein Haar und seine ganze Erscheinung. Er ist ein Riese von Gestalt, — Himmel und Erde wären nicht groſs genug, um ihm als Gürtel zu dienen. An Stärke und Kraft kommt ihm kein Himmlischer und kein Irdischer gleich. Als er die zwei endlosen Welten erfaſste, da waren sie für ihn bloſs eine Handvoll. Mit Vorliebe wird er ein Stier genannt. Grenzenlos wie seine Stärke ist auch seine Trinkfähigkeit, die in den Liedern oft nicht ohne Humor geschildert wird. Bevor er den Vṛtra schlug, trank er drei Teiche voll Soma aus; und einmal heiſst es gar, er habe auf einen Schluck dreiſsig Teiche Somasaft getrunken. Kaum daſs er geboren war — und seine Geburt war keine gewöhnliche, denn noch im Mutterschoſse sagte er: »Hier will ich nicht hinausgehen; das ist ein schlechter Weg; querdurch aus der Seite will ich hinaus« (Rv. IV, 18, 2) —, trank er auch schon den Soma becherweise. Manchmal hat er auch des guten zuviel getan. In dem Lied Rv. X, 119 führt uns ein Sänger den trunkenen Indra vor, wie er einen Monolog hält und überlegt, was er machen soll — »So will ich's machen, nein, so,« »ich will die Erde hier, nein, ich will sie dorthin setzen« u. s. w. —, wobei jede Strophe mit dem vielsagenden Refrain endet: »Habe ich denn vom Soma getrunken?«
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- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit