Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s3.124
Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s3.124
- Language
- German
v1.c8.s3.124
Es kann uns auch nicht imponieren, daſs dieser Ochs mit Indra und anderen höchsten Göttern gleichgesetzt wird, noch weniger, daſs er Milch gibt — »seine Milch ist das Opfer, der Opferlohn seine Melkung« —, und wir glauben es gerne, daſs, »wer die sieben unversieglichen Melkungen des Ochsen kennt, Nachkommenschaft und den Himmel erlangt«. Es ist mit diesem Ochsen nicht viel weiter her als mit dem Stier, der in Ath. IX, 4 überschwenglich gefeiert wird — er trägt alle Gestalten in seinen Weichen, er war im Anfang ein Abbild des Urwassers u. dgl. —, und von dem sich schlieſslich herausstellt, daſs er nur ein gewöhnlicher Opferstier ist, der geschlachtet werden soll. Daſs aber diese Scheinphilosophie und Geheimniskrämerei im Grunde einen recht praktischen Zweck verfolgt, beweist ein Hymnus wie Ath. X, 10. Hier wird das groſse Mysterium von der Kuh verkündet: Himmel und Erde und die Wasser sind von der Kuh behütet. Hundert Eimer, hundert Melker, hundert Hüter sind auf ihrem Rücken. Die Götter, die in der Kuh atmen, die kennen auch die Kuh . . . Die Kuh ist die Mutter des Kriegers, das Opfer ist die Waffe der Kuh, aus ihr entstand der Gedanke. In dieser Weise geht es fort, bis diese Geheimlehre ihren Höhepunkt erreicht in den Worten: »Die Kuh allein nennt man Unsterblichkeit, die Kuh allein verehrt man als den Tod; die Kuh ward dieses Weltall, Götter, Menschen, Asuras, Manen und Seher (sie alle sind die Kuh).« Nun aber folgt die Nutzanwendung: Nur wer dieses groſse Geheimnis weiſs, darf eine Kuh als Geschenk annehmen; und wer den Brahmanen eine Kuh schenkt, der erringt sich alle Welten, denn in der Kuh ist alles Höchste — Ṛta (die Weltordnung), Brahman (die Weltseele) und Tapas (die Askese) — eingeschlossen, und:
Cites (1)
- Atharvavedasaṃhitā — Atharvan & Aṅgiras, Sanskrit