Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s3.28
Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s3.28
- Language
- German
v1.c8.s3.28
Einen Hauptbestandteil der Atharvaveda-Saṁhitā bilden die Lieder und Sprüche zur Heilung von Krankheiten, welche zu den Heilzauberriten (bhaiṣajyāni) gehören. Sie sind entweder an die als persönliche Wesen, als Dämonen gedachten Krankheiten²) selbst gerichtet oder aber an ganze Klassen von Dämonen, welche als Verursacher von Krankheiten gelten. Und wie bei anderen Völkern herrscht auch in Indien der Glaube, daſs diese Dämonen den Kranken entweder von aufsen bedrängen und quälen, oder daſs der Kranke von ihnen besessen ist. Manche dieser Sprüche sind auch Anrufungen und Lobpreisungen des Heilkrautes, welches zur Heilung der Krankheit dienen soll; andere wieder sind Gebete an das Wasser, dem besondere Heilkraft zugeschrieben wird, oder an das Feuer, welches den Indern als der kräftigste Dämonenverscheucher gilt. Diese Zauberlieder bilden zusammen mit den dazugehörigen Zauberriten, von denen wir aus dem später zu nennenden Kauśikasūtra Kunde haben, das älteste System der indischen medizinischen Wissenschaft. Mit groſser Anschaulichkeit werden in den Liedern oft die Symptome der verschiedenen Krankheiten geschildert, und sie sind daher auch für die Geschichte der Medizin nicht uninteressant. Dies gilt besonders von den Sprüchen gegen das Fieber. Wegen seiner Häufigkeit und Heftigkeit wird das Fieber noch in den späteren Lehrbüchern der Medizin »der König der Krankheiten« genannt. Und an den Takman — dies ist der Name des als Dämon gedachten Fiebers im Atharvaveda — sind zahlreiche Sprüche gerichtet. So z. B. der Hymnus Ath. V, 22, von dem einige Verse hier angeführt seien:
Linked texts (1)
- Atharvavedasaṃhitā — Atharvan & Aṅgiras, Sanskrit