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Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s3.6

Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s3.6

Language
German

v1.c8.s3.6

Sprache und Metrik der Hymnen des Atharvaveda sind im wesentlichen dieselben wie die der Rigveda-Saṃhitā. Doch finden sich in der Sprache des Atharvaveda zum Teil entschieden jüngere und zum Teil mehr volkstümliche Bildungen, und auch die Metrik wird bei weitem nicht so streng gehandhabt wie im Rigveda. Abgesehen von Buch XV, das ganz, und Buch XVI, das gröſstenteils in Prosa abgefaſst ist, finden wir auch sonst gelegentlich prosaische Stücke unter den Versen; und es ist oft nicht leicht, zu entscheiden, ob ein Stück in gehobener Prosa oder in schlechtgebauten Versen verfaſst ist. Auch das kommt vor, daſs ein ursprünglich richtiges Metrum durch eine Einschiebung oder Textverderbnis gestört wird. In einzelnen Fällen weisen wohl die sprachlichen und metrischen Tatsachen darauf hin, daſs wir es mit jüngeren Stücken zu tun haben. Im allgemeinen aber lassen sich aus der Sprache und dem Metrum keine Schlüsse auf die Abfassungszeit der Hymnen, noch weniger auf das Alter der Redaktion unserer Saṃhitā ziehen. Denn es bleibt immer eine offene Frage, ob die sprachlichen Eigentümlichkeiten und die metrischen Freiheiten, durch welche sich die Zaubersprüche des Atharvaveda von der Hymnendichtung des Rigveda unterscheiden, auf einem Unterschied in der Entstehungszeit oder auf der Verschiedenheit zwischen volkstümlicher und priesterlicher Dichtung beruhen. (Vgl. oben S. 53 f.)