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Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s9.63

Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s9.63

Language
German

v1.c8.s9.63

bezeugte ihm seine Verehrung und sprach: ,O Ehrwürdiger! ich bin nicht des Ātman kundig. Du kennst seine Wesenheit, wie wir vernommen; diese wollest du uns erklären!‘ (Der Brahmane will ihm diesen Wunsch ausreden und fordert ihn auf, sich etwas anderes zu wünschen. Da bricht der König in die Worte aus:) »O Ehrwürdiger! In diesem aus Knochen, Haut, Sehnen, Mark, Fleisch, Same, Blut, Schleim, Tränen, Augenbutter, Kot, Harn, Galle und Phlegma zusammengeschütteten, übelriechenden, kernlosen Leibe, — wie mag man nur Freude geniessen! In diesem mit Leidenschaft, Zorn, Begierde, Wahn, Furcht, Verzagtheit, Neid, Trennung von Liebem, Bindung an Unliebes; Hunger, Durst, Alter, Tod, Krankheit, Kummer und dergleichen behafteten Leibe, — wie mag man nur Freude geniessen! Auch sehen wir, daſs diese ganze Welt vergänglich ist, so wie diese Bremsen, Stechfliegen und dergleichen, diese Kräuter und Bäume, welche entstehen und wieder verfallen.« (Es folgt dann eine Aufzählung von Königen und Helden der Vorzeit, die zugrunde gehen muſsten, sowie von Göttern und Halbgöttern, die alle der Vernichtung anheimfallen.) »Aber was rede ich von diesen! Gibt es doch noch andere Dinge, — Vertrocknung groſser Meere, Einstürzen der Berge, Wanken des Polarsterns, . . . Versinken der Erde, Stürzung der Götter aus ihrer Stelle, — in einem Weltlaufe, wo derartiges vorkommt, wie mag man da nur Freude geniessen! Zumal auch, wer ihrer satt ist, doch immer wieder und wieder zurückkehren muſs! Darum errette mich! Denn ich fühle mich in diesem Weltlaufe wie der Frosch in einem blinden (wasserlosen) Brunnenloche. Du, o Ehrwürdiger, bist unsere Zuflucht.«