Pramāṇa · Search · About · API

Geschichte der indischen Litteratur v1.c9.s6.2

Geschichte der indischen Litteratur v1.c9.s6.2

Language
German

v1.c9.s6.2

Diese Itihāsa-Saṃvādas, wie wir die in Erzählungen eingekleideten Gespräche (saṃvāda) nennen können, gehören aber zum groſsen Teil nicht mehr zur brahmanischen Legendendichtung, sondern zu dem, was wir in Ermangelung eines besseren Ausdrucks als Asketendichtung bezeichnet haben. Diese hebt sich von der brahmanischen Poesie, die an die alten, im Volke doch schon ziemlich vergessenen Göttersagen anknüpft, deutlich ab; sie hängt viel enger mit der volkstümlichen Litteratur der Fabeln und Märchen zusammen, teils indem sie aus dieser schöpft, teils indem sie sich ihr möglichst annähert. Und während die brahmanischen Legenden sowie die brahmanischen Itihāsa-Saṃvādas den priesterlichen Sonderinteressen dienen und eine beschränkte Priestermoral lehren, welche im Opferdienst und in der Verehrung der Brahmanen (mehr als der Götter) gipfelt, erhebt sich die Asketendichtung zu einer allgemein menschlichen Moral, welche vor allem Liebe zu allen Wesen und Weltentsagung lehrt. Niederschläge dieser Litteratur finden sich zuerst in den Upaniṣads, dann aber ebensosehr im Mahābhārata und in manchen Purāṇas, wie in den heiligen Texten der Buddhisten und der Jainas. Darum ist es nicht zu verwundern, daſs wir denselben Heiligenlegenden und denselben Weisheits- und Sittensprüchen oft wörtlich in diesen verschiedenen Litteraturen begegnen.