Pramāṇa · Search · About · API

Geschichte der indischen Litteratur v1.c9.s8.2

Geschichte der indischen Litteratur v1.c9.s8.2

Language
German

v1.c9.s8.2

Die Ausführungen der vorausgehenden Kapitel müssen genügen, um einen Begriff von dem mannigfachen Inhalt der achtzehn Bücher (Parvans) des Mahābhārata zu geben. Die Inder betrachten aber auch den Harivamśa, ein Werk, welches in Wirklichkeit ein Purāṇa ist und auch gelegentlich »Harivamśa-Purāṇa« genannt wird, als einen Bestandteil des Mahābhārata. Doch wird das Buch auch von den Indern nicht als ein neunzehntes »Parvan«, sondern als ein Khila, d. h. ein Nachtrag oder Anhang, zum Mahābhārata bezeichnet. Dieser »Anhang« ist nun freilich ein Werk von 16 374 Doppelversen (Ślokas), also länger als Ilias und Odyssee zusammengenommen. Doch steht die litterarische Bedeutung desselben keineswegs in geradem Verhältnis zu dem Umfang. Es ist vor allem keine »Dichtung«, in keinem Sinne das Werk irgend eines Dichters, sondern eine Zusammenhäufung oder ganz lose Aneinanderreihung von Texten — Legenden, Mythen, Hymnen —, welche der Verherrlichung des Gottes Viṣṇu dienen. Der Harivamśa ist aber nicht einmal das Werk eines Kompilators. Das letzte Drittel desselben ist gewiſs erst ein späterer Anhang zum Anhang, und auch in den übrigen Teilen des Werkes sind viele Stücke wahrscheinlich zu ganz verschiedenen Zeiten eingeschoben worden.

Linked texts (1)