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Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s5.10

Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s5.10

Language
German

v2.c16.s5.10

Das alte Gedicht begann wahrscheinlich mit der prächtigen Schilderung der Stadt Sāgala, der Residenz des Königs Milinda¹). Dann wurde erzählt, wie der wohlunterrichtete und mächtige Griechenkönig eines Tages, nachdem er eine Heerschau gehalten, den Wunsch nach einem Redetournier äußerte. Der König war aber ein so gefürchteter Gegner in Redetournieren mit weisen Männern, daß es nicht leicht war, einen Brahmanen oder Asketen zu finden, der es gewagt hätte, mit ihm zu disputieren. Doch führten ihn seine Höflinge zu dem Mönch Āyupāla, der in einer Einsiedelei in der Nähe von Sāgala lebte. Aber auch dieser wird schon durch die erste Frage des Königs in Verlegenheit gebracht, so daß Milinda ausruft: »Ach, nichts ist es mit Indien! Ach, ganz Indien ist nur eitel Geschwätz! Es gibt da keinen Asketen oder Brahmanen, der imstande wäre, mit mir zu disputieren und meine Zweifel zu lösen!« Damals zog aber gerade der hochgelehrte und weise buddhistische Mönch Nāgasena bettelnd durch Dörfer und Städte. Er war weithin durch seine Weisheit berühmt, und im Redekampf konnte ihm niemand standhalten. Er war eben nach Sāgala gekommen und hatte sich in einer Einsiedelei niedergelassen. Zu ihm führten die Höflinge den König, der von der Persönlichkeit des Weisen sofort einen gewaltigen Eindruck erhält²).

Cites (1)