Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s5.99.2
Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s5.99.2
- Language
- German
v2.c16.s5.99.2
Manche dieser Legenden sind ihrem Stil und Inhalt nach nicht anders erzählt, als wenn sie im Tipiṭaka stünden¹), und manche kommen tatsächlich auch in kanonischen Texten vor. Die meisten Erzählungen stammen allerdings aus einer jüngeren Zeit, wo die Buddhaverehrung im Hīnayāna ebenso fortgeschritten war wie im Mahāyāna. Dem Geiste des alten Arhat-Ideals, wie es z. B. in der Prosa des Udāna durch manche Legenden erläutert wird, entsprechen Erzählungen wie die von dem Mönch, der sechzig Jahre in seiner Einsiedelei lebt, ohne zu bemerken, daß die Wände mit Gemälden bedeckt sind; oder von dem Mönch, der so weltabgewandt ist, daß er drei Monate lang täglich im Hause seiner Mutter, die sich nach seinem Anblick sehnt, aber ihn im Mönchsgewand nicht mehr erkennt, seine Mahlzeiten erbettelt und einnimmt, ohne auch nur ein einziges Mal zu sagen: »Ich bin dein Sohn, und du bist meine Mutter«²). Hingegen finden wir insbesondere im zweiten Teil manche Legenden, die von einer an die Kṛṣṇa-Bhakti erinnernden Buddhaverehrung zeugen. Da hört z. B. ein Frosch die Stimme des am Ufer des Flusses predigenden Buddha, horcht auf und wird durch den Fußtritt eines Hirten buchstäblich in ein besseres Jenseits befördert; denn er wird sofort im Himmel der dreiunddreißig Götter in einem goldenen Palast als ein Gott wiedergeboren³). Hier finden wir auch zahlreiche Wundergeschichten, die zeigen sollen, wie Heilige durch Meditation Wunder- und Zauberkräfte erlangen.