Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s8.t2.60.2
Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s8.t2.60.2
- Language
- German
v2.c16.s8.t2.60.2
Jayasiṃhas Nachfolger war Kumārapāla, der ursprünglich auch ein Śivaverehrer war, aber von Hemacandra zur Jainareligion bekehrt wurde. Nach seiner Bekehrung war er bemüht, Gujarat zu einem jinistischen Musterstaat zu machen. Er verzichtete für seine Person auf die Jagd und verbot in seinem ganzen Reich die Tötung von Tieren, den Genuß von Fleisch und geistigen Getränken, das Würfelspiel, Tierkämpfe und Wetten. Außerdem errichtete er Jainatempel und begünstigte die litterarischen und wissenschaftlichen Bestrebungen der Jainas. In der Regierungszeit dieses Königs schrieb nun Hemacandra (zwischen 1160 und 1172, in welchem Jahre er starb) sein großes Werk Triṣaṣṭiśalākāpuruṣacarita, »das Leben der dreiundsechzig besten Männer«¹), das in zehn Parvans die Legenden über die vierundzwanzig Jinas, die zwölf Cakravartins, die neun Vāsudevas, die neun Baladevas und die neun Viṣṇudviṣas (Feinde der neun Inkarnationen des Viṣṇu) enthält. Die Sprache des Werkes, das Hemacandra selbst als ein Mahākāvya, »ein großes Kunstepos«, bezeichnet, und das wenigstens durch seinen Umfang mit dem Mahābhārata zu wetteifern scheint²), ist einfach und ungekünstelt. Aber der Inhalt des Werkes dürfte kaum außerhalb des Kreises der frommen Jainas großes Interesse erwecken.