Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s8.t2.60.3
Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s8.t2.60.3
- Language
- German
v2.c16.s8.t2.60.3
— Wichtig ist jedoch der zehnte Parvan, der auch als selbständiger Text unter dem Titel Mahāvīracaritra in Handschriften erscheint¹), nicht nur, weil er die Lebensbeschreibung des Mahāvīra enthält, sondern auch wegen der darin enthaltenen Angaben des Verfassers über sein eigenes Leben. Aber vom litterargeschichtlichen Standpunkt viel wichtiger als das große Hauptwerk ist für uns der Nachtrag dazu, Pariśiṣṭaparvan oder Sthavirāvalicarita²), d. h. »Nachtrags-Abschnitt« oder »Leben der Reihe der Ältesten« betitelt. Dieses Buch behandelt die Geschichte der Daśapūrvins, d. h. der ältesten Lehrer der Jainareligion, die noch Kenner der zehn Pūrvas waren. Während die Persönlichkeiten des Triṣaṣṭiśalākāpuruṣacarita mit Ausnahme der beiden letzten Tīrthakaras, Pārśvanātha und Mahāvīra, durchweg der Mythologie oder der epischen Dichtung angehören, enthält das Sthavirāvalicarita die Lebensbeschreibungen der Ältesten (Sthaviras, Theras), d. h. der Jünger des Mahāvīra, deren Namen und Reihenfolge nach der einstimmigen Überlieferung der Śvetāmbaras wohl als geschichtlich gelten dürfen. Die Erzählungen selbst haben allerdings nur selten irgendeinen geschichtlichen Kern. Hemacandra hat sie älteren Legendenwerken und Kommentaren, namentlich denen des Haribhadra, entnommen. Die Geschichten, häufig durch Sprichwörter und volkstümliche Redensarten belebt, verraten deutlich ihren volkstümlichen Ursprung. Hemacandra hat sie, ohne viel daran zu ändern, aus dem Prākrit übersetzt.