Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s8.t2.69
Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s8.t2.69
- Language
- German
v2.c16.s8.t2.69
Neben solchen Geschichten finden sich auch rein jinistische Legenden, von denen manche sich wie geschichtliche oder biographische Berichte geben. So wird im V. Buch erzählt, wie Śayyambhava das Daśavaikālikasūtra verfaßte, um seinem Sohne, von dem er weiß, daß er in sechs Monaten sterben werde, die Möglichkeit zu bieten, den Kern der Jainalehre in kürzester Frist zu erfassen, ohne die anderen heiligen Texte zu studieren. Auch die im IX. und im XIII. Buch erzählten Sagen beziehen sich auf die Zusammenstellung des Kanons. Von einigem historischen Interesse sind auch die auf das Königsgeschlecht der Nandas bezüglichen Erzählungen im VIII. Buch, wenn auch in den Sagen selbst nur wenig Historisches stecken dürfte. Geschichtlich ist jedenfalls die Tatsache, daß der letzte Nandafürst von Candragupta, dem Begründer der Mauryadynastie (326 v. Chr.), gestürzt wurde. Nach der Sage gelang es dem Candragupta, der mütterlicherseits von niedriger Herkunft war, nur dadurch zur Herrschaft zu gelangen und seinen Thron zu befestigen, daß er den schlauen Brahmanen Cāṇakya zu seinem Minister hatte. Von diesem waren viele volkstümliche Erzählungen im Umlauf, die sich auch Hemacandra nicht entgehen ließ, trotzdem gerade dieser Mann so wenig wie möglich zu einem Musterbeispiel für einen frommen Jaina geeignet war. Die Jainas waren aber von jeher bestrebt, jeden Helden volkstümlicher Erzählungen zu einem der Ihren zu machen. Daß sie das auch mit Cāṇakya, diesem durchtriebenen, rücksichtslosen, vor keinem Mittel zurückschreckenden Ränkeschmied und Machtpolitiker, getan haben, ist aber doch so merkwürdig, daß man glauben möchte, daß Candragupta wirklich, wie es die Überlieferung will, den Jainaglauben begünstigte und daß er deshalb von den Jainas samt seinem berühmten Minister gefeiert wurde. Allerdings versteht es Hemacandra, auch diesen Mann zu einem frommen Jaina zu machen. Ja, dieser durchaus weltlichgesinnte Mann, der sich noch vor seinem Tode an seinem Feinde rächt, zieht sich doch am Ende seiner Tage wie ein echter Jainaheiliger in die Nähe eines Düngerhaufens zurück, um sich zu Tode zu hungern. Durch eine Tücke seines Nebenbuhlers, der den Düngerhaufen in Brand steckt, wird er allerdings gegen seinen Willen verbrannt. Nach seinem Tode wird er sonderbarerweise zu einer Göttin.
Cites (1)
- Dasaveyāliya — Śayyambhava, Ardhamāgadhī Prakrit