Geschichte der indischen Litteratur v3.c21.s8.30
Geschichte der indischen Litteratur v3.c21.s8.30
- Language
- German
v3.c21.s8.30
In anderen Liedern werden Liebeslust und Frauenschönheit in den glühendsten, für unseren Geschmack oft allzu üppigen Farben geschildert. Der aus dem Leibchen hervorquellende Busen wird mit dem Monde verglichen, der aus den Wolken hervorbricht. Die von Mehl bestaubten Brüste der Müllerin sind wie zwei Schwäne, die sich unter einem Lotos, ihrem Angesicht, versteckt haben. Vom Beißen und Kratzen ist auch in diesen Liedern oft die Rede. Die vom Abendrot bedeckte Mondsichel am Himmel gleicht der unter dem rotseidenen Tuch schimmernden Nagelspur auf dem Busen des jungen Weibes. Aber auch Bilder aus dem Familienleben ziehen an unserem Auge vorüber. Lächeln muß die erzürnte Gattin, da ihr Söhnchen dem ihr zu Füßen gefallenen Gatten auf den Rücken steigt. Eine Schwangere wird nach ihrem Befinden gefragt; sie blickt nur zärtlich auf den geliebten Mann. Entzückt zeigt eine Frau dem Gatten die ersten Zähnchen des Kindes. In manchen Strophen (407, 449, 635) wird auf die Witwenverbrennung Bezug genommen. Wenn aber auch in diesen Bildern die ländliche Szenerie weitaus überwiegt, so fehlt es doch auch nicht an Liedern, die dem städtischen Haremsleben angehören, und manche Strophen (so 887 f.) können geradezu als Hetärenlieder bezeichnet werden.