Geschichte der indischen Litteratur v3.c21.s8.59
Geschichte der indischen Litteratur v3.c21.s8.59
- Language
- German
v3.c21.s8.59
Ein Yakṣa, d. i. eines von den göttlichen Wesen, die im Dienste des Gottes Kubera stehen, hatte sich ein Vergehen gegen seinen Herrn zuschulden kommen lassen und wurde daher von dem Gott auf ein Jahr verbannt. Er muß seine Heimat und seine Gemahlin verlassen und nach dem Rāmaberg im Süden wandern. Im achten Monat seiner Verbannung, gerade zu Beginn der Regenzeit erblickt der Verbannte eine Wolke, die vom Süden nach seiner nördlichen Heimat zieht; da bittet er sie, seiner trauernden Gattin eine Botschaft von ihm zu überbringen. Er schildert der Wolke genau den Weg, den sie einzuschlagen habe, um zu seiner Heimat auf dem Kailāsaberg zu gelangen, wo in der Stadt Alakā sein Schloß steht, in dem die Gattin einsam trauert. Dies gibt dem Dichter reichliche Gelegenheit zu prächtigen Naturschilderungen. Mit besonderer Liebe verweilt er bei der Schilderung seiner eigenen Heimatstadt Ujjayinī und der Yakṣastadt Alakā. Immer wieder überrascht uns der Dichter bei diesen Schilderungen durch die kühnsten Bilder und Vergleiche. Die schwarze Wolke lagert über dem Strom, der so einem Perlenband der Erde gleicht, in dessen Mitte ein dunkler Sapphirstein glänzt. Der Kailāsa mit seinen schneebedeckten, Wasserlilien gleichenden Gipfeln ragt in die Lüfte hinauf wie ein gewaltiges, durch die Nacht schallendes, lautes Lachen des Śiva¹. Die Stadt Alakā, die am Berge Kailāsa liegt, während unter ihr die Gaṅgā dahinfließt, gleicht einer Schönen, die der Geliebte (der Berg) im Schoße hält, während ihr das Kleid (die Gaṅgā) herabgleitet. Die zur Regenzeit von Wolkenmassen umgebenen Burgen sind gleichsam das von einem Perlennetz durchflochtene dunkle Haar der schönen Frau. Nachdem der Yakṣa der Wolke die Stadt und sein Schloß genau beschrieben hat, beginnt er die Schönheit seiner geliebten Frau zu schildern, wie er sie sich nach der langen Trennung vorstellt. Und endlich teilt er ihr den Wortlaut der Botschaft mit, die sie der Geliebten mit ihrer Donnerstimme überbringen soll. Er läßt ihr sagen, wie er stets sehnsuchtsvoll ihrer gedenke:
Cites (1)
- Meghadūta — Kālidāsa, Sanskrit