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Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s2.42

Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s2.42

Language
German

v3.c22.s2.42

Das Mahābhāṣya ist das älteste uns erhaltene Werk, das in dem oben (S. 379) erwähnten Bhāṣyastil geschrieben ist. Und zwar erscheint dieser Stil hier noch in der Form einer wirklichen Konversation, die sich in direkten Reden und oft sehr lebhaften Dialogen abspielt. Die Sprache ist einfach und klar, die Sätze sind kurz, wie sie eben in der wirklichen Konversation zu sein pflegen. Gewöhnlich wird vom Schüler eine Frage aufgeworfen. Ein angeblicher Lehrer (ācāryadeśīya) beantwortet die Frage mehr oder weniger oberflächlich, ohne allen Schwierigkeiten gerecht zu werden, worauf der eigentliche Lehrer (ācārya) auftritt und den Sachverhalt klarstellt¹). Dieser Konversationsstil ist oft so lebendig, daß sprichwörtliche Redensarten und Anspielungen auf Dinge des täglichen Lebens vorkommen, wodurch das Mahābhāṣya für uns auch eine ergiebige Quelle für kulturgeschichtliche Tatsachen aus dem alten Indien ist²). In einem Punkte erinnert der Konversationsstil des Mahābhāṣya an die Edikte des Königs Aśoka, in denen auch oft nach kurzen Sätzen ein »Weshalb?«, »Wieso?« oder »Was?« eingefügt und sogleich die Antwort gegeben wird. Das kann vielleicht dafür geltend gemacht werden, daß zwischen Aśoka und Patañjali ein nicht allzu großer Abstand liegen dürfte¹).