Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s5.26
Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s5.26
- Language
- German
v3.c22.s5.26
Diese metrischen Dharmaśāstras sind es nun auch, die seit Jahrhunderten und noch heutigen Tages von den Lehrern und Kennern des Dharma in ganz Indien studiert werden und zum Teil noch als Autoritäten in Rechtssachen angerufen und anerkannt werden. Sie beanspruchen Giltigkeit ihrer Vorschriften für alle Kasten, sind aber doch, ebenso wie die Dharmasūtras, in erster Linie vom Standpunkt des Interesses der Brahmanen geschrieben. Immerhin beschäftigen sie sich weit mehr mit den Rechten und Pflichten des Königs, der zwar immer den Brahmanen untergeordnet, aber doch auch »eine große Gottheit in Menschengestalt« (Manu VII, 8) ist. Es ist nur natürlich, daß die Brahmanen, um den Lehren der Dharmaśāstras größere Autorität zu sichern, deren Entstehung auf irgendeine Gottheit, ein göttliches Wesen oder einen Ṛṣi der Vorzeit zurückführten. Daher konnten sie auch als »Smṛti« (»Erinnerung«, d. h. »Überlieferung«) bezeichnet werden, die ja an Autorität nur hinter der Śruti, dem auf unmittelbarer »Offenbarung« beruhenden Veda, zurücksteht.
Linked texts (1)
- Mānava Dharmaśāstra — Manu & Bhṛgu, Sanskrit