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Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s5.3

Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s5.3

Language
German

v3.c22.s5.3

² S. oben Bd. I, S. 236. Der Begriff des Dharma schließt auch »Sitte« im Sinne von Schicklichkeit ein; z. B. handeln die Dharmaśāstras auch über die Formen des Grüßens, über das Benehmen des Schülers gegen Lehrer und Eltern u. dgl. Bezeichnend ist Āpastambīya-Dharmasūtra I, 7, 20, 7: »Was die Āryas loben, ist Dharma, was sie tadeln, ist Adharma.« Wie untrennbar religiöses und weltliches Recht im Dharmaśāstra verbunden sind, hat J. Jolly (Transactions of the 3d Int. Congress of the History of Religions, Oxford II, 30 ff.) gezeigt. Die Nichttrennung von religiösen und profanen Vorschriften findet sich auch bei den Römern. Das lat. lex bezieht sich auf Kultvorschriften ebenso wie auf Rechtsvorschriften. Auch das chinesische Lĭ, das im weitesten Sinne das schickliche Verhalten im Verkehr mit Menschen, Geistern und Göttern bezeichnet (s. Grube, Geschichte der chinesischen Litteratur, S. 63), deckt sich zum großen Teil mit dem indischen Dharma.