Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s5.58
Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s5.58
- Language
- German
v3.c22.s5.58
Daß sich das hohe Ansehen der Manu-Smṛti über ganz Indien erstreckte, beweisen die zahlreichen Kommentare, die in den verschiedensten Gegenden Indiens zu dem Werk verfaßt worden sind. Der älteste Kommentar ist der des Medhātithi, der wahrscheinlich schon im 9. Jahrhundert n. Chr. geschrieben ist. Seine Heimat dürfte Kaschmir sein; er wird aber schon früh in südindischen Werken zitiert. Medhātithi beruft sich schon wiederholt auf Kommentatoren einer früheren, ja einer längst vergangenen (cirantana) Zeit. Es muß also zu seiner Zeit das Gesetzbuch schon längst großes Ansehen genossen haben. Durch große Genauigkeit ausgezeichnet und für die Erklärung schwieriger Stellen sehr wertvoll ist der Kommentar des Govindarāja, der im 12. Jahrhundert geschrieben sein dürfte. Am bekanntesten, weil am häufigsten gedruckt, ist der im 15. Jahrhundert in Benares verfaßte Kommentar des Kullūka, der aber im wesentlichen nur ein Plagiat des älteren Werkes von Govindarāja ist.