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Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s6.60

Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s6.60

Language
German

v3.c22.s6.60

Was wissen wir von Kauṭilya? Die Purāṇas berichten (in Form einer Prophezeiung) übereinstimmend, daß Kauṭilya das Königsgeschlecht der Nandas beseitigt und den Maurya Candragupta zum König gesalbt habe¹). Von irgendeiner Tätigkeit des Kauṭilya als Lehrer oder Schriftsteller wissen sie nichts. Um das Jahr 322 v. Chr. bestieg Candragupta den Thron; im Jahre 302 v. Chr. kam der Grieche Megasthenes als Gesandter des Seleukos Nikator an seinen Hof. Er hat auf Grund eines langjährigen Aufenthalts einen Bericht über Indien verfaßt, der uns wenigstens in Bruchstücken erhalten ist. Merkwürdig genug ist es, daß weder der Grieche Megasthenes noch spätere antike Schriftsteller etwas von dem berühmten Minister des Candragupta wissen. Eine genaue Vergleichung der Berichte des Megasthenes mit dem Arthaśāstra bestätigt nicht die Annahme, daß dessen Verfasser und Megasthenes Zeitgenossen waren²). Auch zwischen den Verhältnissen zur Zeit des Aśoka und den im Kauṭilīya beschriebenen läßt sich keine nennenswerte Übereinstimmung nachweisen³). Patañjali im Mahābhāṣya erwähnt die Mauryas und die Sabhā des Candragupta, aber von Kauṭilya sagt er nichts. Was uns sonst von Kauṭilya berichtet wird, gehört durchaus der Sage und der Dichtung an, so die dem Drama Mudrārākṣasa zugrunde liegende Geschichte und so auch die Erzählungen in Somadevas Kathāsaritsāgara und Hemacandras Pariśiṣṭaparvan¹). Aber auch in diesen Sagen ist von einer Tätigkeit des Kauṭilya als Lehrer oder Schriftsteller nicht die Rede. Nur im I. Akt des Mudrārākṣasa tritt Kauṭilya in Begleitung eines Schülers auf. In dem sachlichen Teil des Kauṭilīya-Arthaśāstra findet sich nirgends eine Spur von einem Hinweis auf die Nandas, die Mauryas oder auf den König Candragupta oder auf die Zustände seiner Zeit²).

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