Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c11.s2.t2.12
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c11.s2.t2.12
- Language
- German
c11.s2.t2.12
Die Mönchsweihe wird an einem astrologisch günstigen Tage mit dem Prunk einer Hochzeit vorgenommen; die hierdurch erwachsenden Kosten werden von dem der Welt Entsagenden oder dessen Verwandten getragen, falls die erforderlichen Mittel vorhanden sind, sonst werden sie von den Laien durch eine Umlage aufgebracht. Der Schüler wird von einem Zuge festlich gekleideter Männer und Frauen von seinem väterlichen Hause abgeholt und unter Paukenschall und Gesang in einer Sänfte oder hoch zu Roß zu dem Orte gebracht, wo der feierliche Akt stattfinden soll und wo der initiierende Geistliche, zumeist ein Âcârya, bei manchen Orden unter Umständen auch ein Upâdhyâya, ihn erwartet; es ist dies entweder ein außerhalb der Stadt gelegener Platz mit einem heiligen Baum, oder ein freier Platz vor der Wohnung des Guru. Dort ist ein Altar und die Nachbildung eines Samavasarana (s. S. 251) errichtet worden. Vor diesem findet in Anwesenheit von zahlreichen Asketen und Laien beiderlei Geschlechts ein Gottesdienst statt, bei welchem das Samavasarana umwandelt wird, Hymnen gesungen und heilige Sprüche rezitiert werden. Der Schüler legt dann seine Kleidung, seinen Schmuck und seine heilige Schnur (wenn er eine trägt) ab und zieht die Mönchsgewänder an. Er reißt sich hierauf selber den Haarschopf aus oder läßt den Guru oder einen anderen diese schmerzhafte Prozedur an ihm vornehmen. Nach dem Hersagen von Sprüchen und Formeln gelobt er die Erfüllung der Pflichten vollkommener Selbstzucht und empfängt einen neuen Namen (der jedoch bei den Shvetâmbaras oft mit seinem früheren Namen zum Teil übereinstimmen kann). Danach wird sein Kopf mit Vâsa-Salbe eingerieben. Nach einer Umwandelung des Samavasarana verbeugt sich der neue Sâdhu vor dem Guru und den Mönchen, während sich die anwesenden Nonnen sowie die Laien, Männer und Frauen vor ihm verneigen.