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Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c11.s2.t2.17

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c11.s2.t2.17

Language
German

c11.s2.t2.17

Die für einen Asketen erstrebenswerte Todesart ist die Samlekhanâ, d. h. der freiwillige Hungertod. Die Samlekhanâ soll nach 12 Jahren härtester Askese in der Weise vorgenommen werden, daß der Todeskandidat sich auf einen Berg begibt, sich dort unter einem Baume niedersetzt und kein Glied mehr rührt, bis der Tod durch Mangel an Nahrung eingetreten ist. Diese Form der Samlekhanâ gelangt jedoch nur selten zur Ausführung. Die meisten Mönche (und mitunter auch Laien) begnügen sich damit, erst auf dem Totenbett in Anwesenheit des Meisters, Lehrers oder von Asketen das Gelübde zu nehmen, sich jeder Nahrung zu enthalten. Dies geschieht, nachdem sich der Sterbende, das Gesicht nach Nordosten gewendet, mit gekreuzten Beinen auf einen Sitz aus Gras niedergesetzt und ein herbeigebrachtes Jinabild verehrt hat, und die Tîrthankaras und Gottheiten durch Hymnen und Sprüche gepriesen worden sind. Der Sterbende bittet dann alle Wesen, ihm zu verzeihen, wenn er ihnen etwas Böses zugefügt hat, wie er auch allen vergibt, die ihm Schlechtes getan haben. Dann wiederholt er die fünf großen Gelübde und verspricht, nicht mehr Speise und Trank zu genießen. Unter dem Rezitieren von Sprüchen oder heiligen Texten geht der Fromme, der die Samlekhanâ ausführte, in die Himmelwelt hinüber, gewiß, in einer späteren Geburt die Erlösung zu erreichen, welche in dem gegenwärtigen schlechten Zeitalter für ihn in unserem Weltteil nicht erreichbar ist. Der Mann, der so „im Zustande der Verzückung (Samâdhi)“ den freiwilligen Tod starb, wird von den Jainas in hohen Ehren gehalten, und die Frommen gehen zu ihm, im Glauben, daß seine gnadenreiche Nähe karmatilgend wirke, wie ein Wallfahrtsort.